Julius Wolff

 

Deutscher Chirurg: Sohn eines Kaufmanns; studierte von 1855 bis 1860 Medizin an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin und wurde ebendort 1860 promoviert. Nach Alsolvierung des Staatsexamen ließ er sich 1861 als praktischer Arzt in Berlin nieder und wurde Vertrauensarzt bei der Lebens Versicherungs Gesellschaft Germania. 1864 nahm er am Deutsch-Dänischen Krieg, 1866 am Deutschen Krieg und 1870/1871 am Deutsch-Französischen Krieg als Chirurg teil. Nach seiner Rückkehr habilitierte er sich 1868 und wurde zum Privatdozenten ernannt, zugleich begann er seine Vorlesungstätigkeit an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin. Im Folgejahr war er Gründungsmitglied derPrivaten Heilanstalt für Chirurgische Krankheiten. 1884 wurde er zum außerordentlichen Professor der medizinischen Fakultät der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin ernannt. Ab 1889 war er Mitglied des Vorstands der Freien Vereinigung der Chirurgen Berlins. 1890 gelang ihm die Etablierung eines Teils der Privaten Heilanstalt als Provisorische Poliklinik für orthopädische Chirurgie an der Friedrich-Wilhelms-Universität, ohne jegliche finanzielle Unterstützung und wurde zu deren Direktor ernannt. Ab 1892 war er Mitglied der Leopoldina., der ältesten naturwissenschaftlich-medizinischen Gelehrtengesellschaft im deutschsprachigen Raum und ältesten dauerhaft existierenden naturforschenden Akademie der Welt. 1899 erhielt Wolff eine Ernennung zum Geheimen Medizinalrat an der medizinischen Fakultät der Friedrich-Wilhelms-Universität. 1901 war er Mitgründer der „Deutschen Gesellschaft für orthopädische Chirurgie. 1901 erfolgte die Übernahme der Klinik in den Charité-Verbund als Königliche Universitäts-Poliklinik. Julius Wolff starb an der folgen eine Schlaganfalls. Jahr darauf starb er an den Folgen eines Schlaganfalls.

Julius Wollf, der als Pionier der Orthopädischen Chirurgie gilt, postulierte das Wolffsche Gesetz, das den Zusammenhang zwischen Knochengeometrie und mechanischen Einflüssen auf den Knochen beschreibt. Mit seiner Arbeit führte er die Mechanik und somit physikalische Faktoren in die Evolutionsbiologie ein. Er sah sein Werk als eine Erweiterung der Evolutionstheorie von Charles Darwin.

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Bild: Z thomas (08/2016(, Wikipedia.de

Berlin-Weißensee, Jüdischer Friedhof

Max Joseph August Heinrich Markus Buchner

 

 

Deutscher Arzt, Ethnograph, Forschungsreisender und Museumskonservator; studierte Medizin und arbeitete nach Abschluß des Studiums zunächst als Schiffsarzt. bei der 1857 von Hermann Henrich Meier und Eduard Crüsemann in Bremen gegründeten Reederei Norddeutscher Lloyd. 1875 begann er eine Reise um die Welt, bei der er sich längere Zeit in Neuseeland und auf verschiedenen Südseeinseln aufhielt. Ende 1878 brach er für die Afrikanische Gesellschaft in Deutschland, die Zweck die wissenschaftliche Erschließung der noch unbekannten Gebiete Zentralafrikas 1873 gegründet worden war, zu einer dreijährigen Forschungsreise in das obere Kassai-Becken (in der heutigen Demokratischen Republik Kongo) nach dem äquatorialen Westafrika in das Reich der Lunda auf. Hier sollte er u.a. im Namen von Kaiser Wilhelm I. Geschenke überbringen. Buchner hielt sich in der Hauptstadt Mussumba ein halbes Jahr lang auf und wartete während dieser Zeit vergeblich auf eine Erlaubnis, nach Norden weiterreisen zu dürfen. Drei Versuche auf eigene Faust scheiterten, beim letzten Versuch, über den Loange flohen sogar fast sämtliche Träger, so daß er gezwungen war die Reise dorthin abzubrechen und an die Küste zurückzukehren Ab Mai 1884 begleitete er Gustav Nachtigal, der im Auftrag der Reichsregierung Kolonialansprüchen des Deutschen Reichs gegenüber westafrikanischen Machthabern und europäischen Konkurrenten erheben sollte. Im selben Jahr hißten er und Nachtigal in Togo und Kamerun die Reichsflagge und wurde von Nachtigal provisorisch zum Konsul in Kamerun eingesetzt. Von 1888 bis zum April 1890 - Buchner war inzwischenDirektor und Konservator der Königlich Ethnographischen Sammlung in München.- unternahm er eine Reise nach Australien, Deutsch-Neuguinea und Ostasien.

Werke u.a.: Reise durch den Stillen Ozean (1878), Kamerun. Skizzen und Betrachtungen (1888), Aurora Colonialis. Bruchstücke eines Tagebuches aus dem ersten Beginn unserer Kolonialpolitik, 1884-1885 (1914).

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Bilder: Parsifal von Pallandt (05/2018)

München, Neuer Südfriedhof

Sir Francis Galton   (seit 1909)

1840            in den 1890er Jahren

Britischer Naturforscher und Schriftsteller; einer wohlhabenden Familie von Waffenherstellern und Bankiers entstammend; Vetter Charles Darwins; interessierte sich wie dieser auch für Vererbungslehre, insbesondere für Merkmalsanalysen und entwickelte den Gedanken der Erblichkeit psychischer Eigenschaften. .Galton, der später zahlreiche Arbeiten über Anthropologie und Vererbung verfaßte, besuchte das King's College an der Universität London, später das Trinity College an der Universität Cambridge. Von 1844 bis 1850 unternahm er Forschungsreisen nach Nordafrika und Südwestafrika und schrieb das Buch Narrative of an Explorer in Tropical South Africa (1853, dt. Erzählungen eines Reisenden ins tropische Südafrika) sowie Art of Travel (1855, dt. Reisekunst). Seine meteorologischen Studien legte er in dem Werk Meteorographica (1863) dar, einer ersten Beschreibung moderner Wetterkarten.

Auf seine Anregung wurde in London das erste Institut für Eugenik, ein Begriff, den er prägte, gegründet; außerdem begründete er die Zwillingsforschung und stellte eine Reihe von Erbgesetzen auf, u.a. die Galtonregel, wonach bestimmte erbliche Eigenschaften stets um einen Mittelwert schwanken. Galton regte den Gebrauch der Daktyloskopie im polizeilichen Erkennungsdienst an; Arbeiten zur Statistik u.a.

Sein besonderes Interesse galt den individuell ausgeprägten Papillarleisten an den Fingerkuppen Er entwarf eine Methode zur Identifizierung von Personen anhand des Fingerabdrucks und verfaßte über dieses Thema das Werk Finger Prints (1892, dt. Fingerabdrücke)..

Werke: u.a.: Hereditary Genius (1869, dt. Genie und Vererbung); The History of Twins (1875); Inquiries into Human Faculty (1883; dt. Untersuchungen über die menschlichen Fähigkeiten), Natural Inheritance (1889, dt. Natürliche Vererbung)

Inschrift: Many branches of science owe much to his labours, but the dominant idea of his life‘s work was to measure the influence of heredity on the mental and physical attributes of mankind. [Viele Zweige der Wissenschaft verdanken seine Arbeit viel, aber die vorherrschende Idee seines Lebenswerkes war es, den Einfluß der Vererbung auf die geistigen und physischen Eigenschaften der Menschheit zu bemessen].

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Bilder: Matthias Bauer (08/1999)

Claverdon (Region Stratford-upon-Avon, Warwickshire), St. Michael's and All Angels' Church

Hinweis: Die Bilder zeigen Plaketten im Innern der St. Michael's and All Angels' Church; Daltons Grab befindet sich auf dem Kirchhof.

Johann August Zeune

 

Deutscher Pädagoge, Geograph und Germanist; Sohn des Johann Karl Zeune, Professor für Alt-Griechisch an der Universität Wittenberg; wurde von seinem Vater und Hauslehrern erzogen und studierte ab 1798 an der Wittenberger Universität, an der er über die Geschichte der Geographie promoviert wurde. Anschließend war er kurzzeitig Dozent für Geographie. Bekannt wurde er in akademischen Kreisen aufgrund seiner neuartige “Höhenschichten-Karte“ der Erde. 1803 siedelte er nach Berlin über und wurde dort Lehrer am Gymnasium zum Grauen Kloster. In Berlin, wo er als Privatgelehrter lebte und u.a. mit Johann Gottlieb Fichte befreundet war. Nach einer erfolglosen Bewerbung zur Teilnahme an einer Expedition in das Innere Afrikas wandte er sich der “inneren Welt der Blinden“ und dem Gebiet der Augenheilkunde zu indem er in Paris bei dem Gründer der ersten europäischen Blindenanstalt, Valentin Haüy hospitierte. Als König Friedrich Wilhelm III. am 11.8.1806 die Gründung einer Blindenanstalt in Berlin initiierte, erhielt Zeune den Auftrag dessen Plan zu realisieren. Bereits einen monat später, am 13.10.1806 konnte der Unterricht an der ersten Blindenschule in Deutschland aufgenommen werden. Als in der Zeit der Napoleonische Kriege die Schule in wirtschaftliche Bedrängnis geriet, rettete er mit eigenem Geld und dem von Freunden den Bestand der Schule  1810 wurde Zeune in Berlin Professor der Geographie. Von 1811 bis 1821 las er an der Berliner Universität auch über deutsche Sprache und Literatur. Nach dem Ende der Befreiungskriege betätigte sich Zeune als politischer Publizist, setzte sich als Patriot für die “Reinheit” der deutschen Sprache ein, indem er die Verwendung von in das Deutsche eingegangene Fremdwörtern bekämpfte und machte sich insbesonders um die Einbringung des Nibelungenliedes verdient, von dem er eine Prosaübersetzung (1813) und eine Taschenbuchausgabe (1815) veröffentlichte. 1828 war er mit Johann Jacob Baeyer u a. Mitstiftern der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin.

Im Alter verlor Johann August Zeune das Augenlicht.

Werke u.a.: Handbuch der Blindenerziehung “Belisar“ (1808), Gea. Versuch einer wissenschaftlichen Erdkunde (1808).

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Bilder: Parisfal von Pallandt (08/2018)

Berlin-Prenzlauer Berg, Georgen-Parochial-Friedhof I

Antonio Grossich

 

Italienischer Chirurg, Politiker und Autor; Sohn des reichen Winzers und Kaufmanns Giovanni Matteo und dessen Gemahlin Anđela, née Franković; studierte zunächst Rechtswissenschaften in Graz, wechselte 1875 nach Wien und studierte dort Medizin. Anschließend war er von 1876 bis 1878 als Arzt in Kastav, einer Kleinstadt in der Nähe von Fiume, tätig. 1877 wurde er eingezogen und nahm am österreichischen Feldzug in Bosnien bis 1878 als Oberarzt in der österreichischen Armee teil. Anschließen ging er zunächst nach Fiume zurück, bevor er 1884 nach Wien zurückkehrte, um sich an der Ersten Chirurgischen Klinik der Universität Wien auf dem Gebieten der Chirurgie und Geburtshilfe zu spezialisieren. In Innsbruck war er Schüler und Mitarbeiter von Eduard Albert, der dort von 1873 bis 1881 Professor für Chirurgie war und dort .obligatorisch eine antiseptische Behandlung von Wunden einsetzte. Im Jahr 1886 wurde Grossich Chef der Chirurgie Abteilung am Stadtkrankenhaus von Fiume. Als einer der ersten setzte er die Sterilisation des Operationsfeldes ein, und im Jahre 1908 führte er eine Tinktur aus Jod ein, um die menschliche Haut im chirurgischen Bereich kurzfristig zu sterilisieren. Dieses Verfahren wurde während des italienisch-türkischen Krieges von 1912 auf breiter Front mit Erfolg getestet. Für diese Behandlung, die ihn berühmt machte, wurde er mit dem Orden der Krone von Italien ausgezeichnet. Im Jahr 1886 wurde er Chef der Chirurgie Abteilung am Stadtkrankenhaus von Fiume. Dort beteiligte er sich am politischen Leben der Stadt, nahm eine italienische irredentistische Haltung ein, wurde 1898 in den Stadtrat gewählt und schließlich im Jahr 1918 Chef des italienischen Nationalrats von Fiume. Am 19.4.1923 wurde er von Vittorio Emanuele III zum Senato del Regno d'Italia (Senator des Königreichs) ernannt. Im Folgejahr übergab er dem König den Schlüssel zur Stadt, womit Fiume offiziell von Italien annektiert wurde.

Bereits im Jahre 1893 hatte er gemeinsam mit anderen einen literarischen Zirkels gegründet. dessen Ziel es war, den jungen Leuten die italienische Literatur nahezubringen. Außerdem war Antonio Grossich. Autor eines Dramas in vier Akten mit dem Titel La donna fatale, dem drei Jahre später das Werk Viaggio di una principessa in Terra Santa folgte, das er Stefanie von Belgien, Witwe von Kronprinz Rudolf, widmete.

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Bilder: Parsifal von Pallandt (10/2018)

Rijeka OT Kozala (Kroatien), Groblje (Friedhof)

Christian Friedrich Schönbein

1858

Deutsch-Schweizer Chemiker und Physiker; Sohn eines Färbers und späteren Buchhalters in einer Spinnerei; machte ab 1813 eine Lehre in einer chemisch-pharmazeutischen Fabrik in Böblingen, in der er sich solide chemische Kenntnisse aneignen konnte. Zugleich bildete er sich autodidaktisch weiter und erwarb Kenntnisse in den Sprachen Französisch sowie Englisch, aber auch in Latein, Philosophie und Mathematik. Nach acht Jahren verließ er die Fabrik und nahm in der chemischen Fabrik des Chemikers Johann Gottfried Dingler in Augsburg eine Stellung an; dort übersetzte er u.a .in französischer Sprache abgefaßte Fachaufsätze für Dinglers Polytechnisches Journal.

Schönbein ist Entdecker des Ozons (1839), des Prinzips der Brennstoffzelle (1838) und der Schießbaumwolle (1846).

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Bild: EinDao (09/2017)
Bild: EinDao (09/2017)

Basel, Wolfgottesacker

Paul ten Bruggencate

 

 

Deutscher Astronom; Sohn eines holländischen Juristen; studierte nach dem Besuch von Schulen in der Schweiz, den Niederlanden und Deutschland Astronomie an der Universität Göttingen und der Universität München, wo er 1924 über Aufbau und Entstehung von Kugelsternhaufen promoviert wurde. Anschließend war er ab 1924 Assistent von Hans Kienle an der Universitätssternwarte Göttingen, wo er sich weiterhin mit dem Thema seiner Dissertation und zusammen mit Kienle mit dem Ausbau der Spektralphotometrie nach Vorarbeiten von Karl Schwarzschild und Hans Rosenberg widmete.

 

Leiter der Universitäts-Sternwarte Göttingen.

 

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Bilder: Detlev Buhre (10/2017)

Göttingen, Stadtfriedhof

Carl Friedrich Rudolf Smend

 

 

Deutscher Staats- und Kirchenrechtler; Sohn des Theologieprofessors Rudolf Smend; studierte ab 1900 an den Universitäten Basel, Berlin, Bonn und Göttingen, wo er 1904 in mit der preisgekrönten Dissertation über das Verhältnis der preußischen Verfassungsurkunde von 1850 zur belgischen das Studium abschloß. 1908 habilitierte er sich an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.1909 erhielt Smend eine Berufung als außerordentlicher Professor in Greifswald; 1911 wurde er in Tübingen zum ordentlichen Professor berufen, wechselte 1915 nach Bonn, und 1922 an die Friedrich-Wilhelms-Universität nach Berlin. In dieser Zeit war Smend Mitglied der republikfeindlichen Deutschnationalen Volkspartei (DNVP), blieb aber gegenüber dem aufkommenden Nationalsozialismus auf Distanz. Auf Druck des Reichserziehungsministeriums, das seinen Berliner Lehrstuhl für die Berufung des SS-Juristen Reinhard Höhn freimachen wollte, mußte Smend 1935 einen Ruf an die Universität Göttingen annehmen, wo er bis seiner Emeritierung im Jahre 1951 blieb, setzte jedoch sein kirchenrechtliches Seminar noch bis 1965 fort; das staats- und verfassungstheoretische sogar bis 1969.

 

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Bilder: Detlev Buhre (07/2018)

Göttingen, Stadtfriedhof

Bedřich Hrozný

Tschechischer Sprachforscher und Orientalist; studierte in Kolin (Böhmen, heute Tschechien) Hebräisch und Arabisch und in an der Universität Wien Akkadisch, eine ausgestorbene semitische Sprache, Aramäisch, Ethiopisch, Sumerisch und Sanskrit, sowie die in Kleinasien, Mesopotamien und Persien verwendete Keilschrif; außerdem studierte er Orientalistik an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Nach Teilnahme an Ausgrabungen in Palästina wurde er im Jahre 1905 Professor an der Universität Wien. 1906 stieß eine deutsche Expedition in Hattusa (heute Boğazkale in der heutigen Türkei, etwa 200 km östlich von Ankara) auf die Archive der hethitischen Könige in Keilschrift, jedoch in einer bis dato unbekannten Sprache. Während seiner Zeit als Soldat im Ersten Weltkrieg in der österreichisch-ungarischen Armee, veröffentlichte Hrozný 1917 in seinem Werk Die Sprache der Hethiter eine Beschreibung der Sprache; er hatte erkannt, daß sie zur indoeuropäischen Sprachfamilie gehöre. Mit der Entzifferung zweier kurzer Sätze der Schriftsprache der Hethiter legte er den Grundstein zur Erforschung deren Sprache und Geschichte.

Im Jahr 1925 leitete Hrozný ein tschechisches Archäologenteam, das im türkischen Dorf Kültepe 1.000 Keilschrifttabletten mit Verträgen und Briefen assyrischer Kaufleute entdeckte und die nahegelegene alte hethitische Stadt Kanesh ausgrub. Im Jahr 1929 gründete Hrozný das Archiv Orientální, das zu einer der führenden Zeitschriften für Orientalistik wurde.

Später versuchte er, die hieroglyphische Schrift zu entschlüsseln, die von den Hethitern und Schriften verwendet wurde, die im alten Indien und auf Kreta verwendet wurden, scheiterte jedoch in seinen Bemühungen. Von 1919 bis 1952 war er Professor für Keilschriftforschung und alte orientalische Geschichte an der Karlsuniversität in Prag. Nach der deutschen Besetzung der Tschechoslowakei war er von 1939 bis 1940 Rektor der Karlsuniversität In dieser Funktion half er einigen Studenten, während eines Vorfalls im Jahr 1939 der Verhaftung zu entgehen, und erklärte gegenüber dem zuständigen deutschen Offizier, daß die Deutschen nicht das Recht hätten, Studenten auf dem Territorium der unabhängigen Universität zu verfolgen. Nach einem Herzinfarkt im Jahr 1944 mußte er seine wissenschaftliche Arbeit beenden.

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Lysá nad Labem (Tschechien), Evangelischer Friedhof (Evangelický hřbitov)

Bild: Ben Skála, Benfoto (09/2018) Wikipedia.cz
Bild: Ben Skála, Benfoto (09/2018) Wikipedia.cz
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Bild: V.odchazel (09/2015) Wikipedia.cz
Bild: V.odchazel (09/2015) Wikipedia.cz

Lysá nad Labem (Tschechien), Städtischer Friedhof

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Carl Gustav Jacob Jacobi eigentl. Jacques Simon

 

Deutscher Mathematiker; einer wohlhabenden jüdischen Bankiersfamilie entstammend; jüngerer Bruder des Physikers Moritz Hermann Jacobi; wurde zuerst von einem Onkel mütterlicherseits unterrichtet. Seine Begabung für die Mathematik, aber auch für Sprachen, zeigte sich schon früh. Zwischen 1816 und 1821 besuchte er das Gymnasium zu Potsdam. In dieser Zeit lernte er die Mathematik hauptsächlich durch das Selbststudium der Literatur, zum Beispiel der Introductio in analysin infinitorum von Leonhard Euler. Aufgrund seiner überragenden Leistungen wurde er sofort in die oberste Klasse aufgenommen und erlangte schon mit 13 Jahren die Hochschulreife. Da die Berliner Universität jedoch keine Studenten unter 16 Jahren aufnahm, blieb Jacobi für vier Jahre in derselben Schulklasse und nutzte die Zeit, sich mit fortgeschrittener mathematischer Literatur zu beschäftigten. 1821 bezog er die Berliner Universität, schwankte aber zwischen einem Studium der klassischen Philologie und einem der Mathematik. So belegte er Vorlesungen des Philologen August Boeckh und Vorlesungen von Georg Wilhelm Friedrich Hegel, während er Mathematik in erster Linie im Selbststudium verfolgte. 1824 legte er das Oberlehrerexamen in Latein, Griechisch und Mathematik ab. 1825 folgte seine Promotion bei Enno Dirksen, wobei Hegel Mitglied der Prüfungskommission war. Die Habilitation (mit einer Antrittsvorlesung über Differentialgeometrie) erfolgte im Wintersemester 1825/26. Danach wirkte er bis 1843 auf eigenen Wunsch an der Universität Königsberg; ab 1827 war er dort außerordentlicher und ab 1829 ordentlicher Professor. 1843 gab er seine Vorlesungen aus gesundheitlichen Gründen auf und übersiedelte danach nach Berlin als ordentliches Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften. .

Aufgrund seiner liberalen politischen Einstellung auf Seiten der republikanischen Bewegung in der Revolution 1848 beim preußischen Staat in Ungnade, geriet er nicht nur in finanzielle Nöte, sondern erlangte auch nicht die angestrebte Anstellung an der Universität. Erst ein Ruf an die Universität Wien verbesserte 1850 seine Lage gegenüber dem preußischen Staat, da man den durch seinen eventuellen Weggang einen Prestigeverlust befürchtete.

Jacobi war auswärtiges Mitglied der Royal Society und Mitglied der Akademie in Sankt. Petersburg 1840 wurde Jacobi zum auswärtigen Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften und 1850 in die American Academy of Arts and Sciences gewählt.

Jacobi entwickelte die Theorie der elliptischen Funktionen, arbeitete über Differenzialgleichungen, Variationsrechnung, analytische Mechanik und Himmelsmechanik; wichtige Beiträge zur Zahlentheorie.

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Bild: Membeth (11/2013) Wikipedia.de

Berlin, Friedhof I der Dreifaltigkeitsgemeine

Wissenschaftler LXXXVI

Omnibus salutem!