Was verbirgt sich eigentlich hinter dem Begriff:

Supernova

[lat.: eigentl. super nova stella - neuer, übermäßig (großer) Stern]: Stern (Veränderliche), der durch eine plötzliche Helligkeitszunahme eine bis zu 20 Klassen größere Kategorie erreichen kann. Solche Supernovae (pl.) entstehen, wenn sich der Lebenszyklus eines Sterns, bevor er kollabiert, dem Ende zuneigt und große Massen von Energie emittiert. Solche Erscheinungen können nur selten beobachtet werden, im Durchschnitt alle Einhundert Jahre. Ein bekanntes Beispiel für eine solche Erscheinung ist die Supernova von 1572, die Tycho Brahe beobachtete oder die Keplersche Beobachtung von 1604.

Bauernkrieg

In der Geschichte des Abendlandes hat es immer Aufstände der Bauern, der Unterpriviligierten und anderer Ausgebeuteter gegeben. Der 1524 begonnene Bauernaufstand allerdings war von anderer Qualität: Er hatte sehr schnell die Gebiete von Tirol bis Thüringen, vom Elsaß bis Franken und Salzburg ergriffen. Begonnen hatte der Aufstand des ”gemeinen Mannes” (der Bauern, der Bürger landsäßiger Städte, der in den Räten der Reichsstädte nicht vertretenen Schichten und der Bergknappen) in der Landgrafschaft Stühlingen im Hegau und breitete sich rasch in den umliegenden Regionen aus: am Bodensee, an der oberen Donau, im Breisgau und im Allgäu. Hier bildeten sich drei große Bauernhaufen, die sich auf einem Bauernlandtag 1525 zur ”Christlichen Vereinigung” zusammenschlossen. Die Ursachen waren nicht nur materielle Not unterpriviligierter Stände, sondern auch die beunruhigenden Umwälzungen in Form von Verstärkung des obrigkeitlichen Zugriffs, Abbau von Sonderrechten, Einschränkung des Gemeinbesitzes, Steuern. In Zwölf Artikeln faßten die Protagonisten die Forderungen der schwäbischen Bauern zusammen: In ihnen wurde wurde eine weitgehende Autonomie der Gemeinde verlangt, die Bauern wollten ihren Pfarrer selbst wählen, der Großen Zehnt zu dessen Besoldung wollten sie in eigener Regie einziehen, und aus dieser Abgabe sollten zugleich weitere Aufgaben der Gemeinde bestritten werden. Neben der Aufhebung der Leibeigenschaft (und der damit verbundenen Todfallabgabe) forderten die Bauern den freien Fischfang und die freie Jagd, die Rückerstattung des Gemeindelandes (Allmende), sie wandten sich gegen belastende Neuerungen bei den Abgaben und Diensten und in der Justiz. Diese Forderungen waren für die Ausbreitung der Bewegung insofern von großer Bedeutung, als sie als Grundkonsens gleichermaßen alle betraf. Zwar schlossen sich der Bewegung auch einige Adlige an z.B. Florian Geyer und Götz von Berlichingen, die jedoch andere Ziele verfolgten: Nämlich die Errichtung eines christlichen (reformatorischen), bäuerlichen Gemeinwesens, in dem die Unterschiede der Stände aufgehoben sein sollten. Die Folge war die Zerstörung zahlreicher Klöster und Burgen. Zu einer weiteren Verschärfung des Konfliktes und einer Radikalisierung kam es in Thüringen unter dem Einfluß von Thomas Müntzer, der als chiliastischer Theologe mit Hilfe der aufständischen Bauern, Bürger und Bergknappen das Gottesreich auf Erden errichten wollte, das der Wiederkunft Christi vorausgehen sollte. Teilweise blieb die Autorität der Landesherren unbestritten, zumindest aber die des Kaisers. Da die Fluktuation innerhalb der Bauernhaufen recht groß war, kann man von einem sehr hohen Grad der Mobilisierung der Bevölkerung ausgehen (in Württemberg und Baden etwa zwei Drittel der Waffenfähigen). Martin Luther zeigte kein Verständnis für die Aufständischen, ja er fand die Erhebungen unerhört, weil sich die Bauern gegen die von Gott eingesetzte und gewollte weltliche Obrigkeit herausforderten, vielmehr müßten sie sich mit den Gegebenheiten abfinden. Er forderte die Landesherren sogar in seiner Kampfschrift Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern, auf, mit allen Mitteln und nur ja nicht zimperlich gegen die Aufrührer vorzugehen. Eine Reformation in seinem Sinne müsse ”von oben” her erfolgen. In regelrechten ”Bauernschlachten” wurden die Aufständischen niedergemacht. Allein die Schlacht von Zabern soll rund 18.000 Menschenleben gekostet haben, bei Königshofen wurden 7.000, vor Würzburg 5.000 Bauern niedergemetzelt. Bei Frankenhausen hatten sich die Aufständischen um Thomas Müntzer geschart, der ihnen wortgewaltig versicherte, Gott sei mit den Untertanen, die Kugeln der Obrigkeit könnten ihnen nichts anhaben. Als die fürstlichen Geschütze ihr furchtbares Werk begannen, sangen die Aufständischen einen Müntzerschen Pfingsthymnus: “Komm, heiliger Geist, Herre Gott”. An die 6.000 fielen, während das fürstliche Heer nur sechs Opfer zählte. Die Bauern wurden durch diese traumatisch wirkende Niederlage zwar nicht zum Schweigen gebracht, es kam aber nicht mehr zu vergleichsweise großen, territoriale Grenzen übergreifenden Aufständen. Die Bauern und Herren bedienten sich in der folgenden Zeit in zunehmendem Maße rechtlicher Mittel für ihre Auseinandersetzungen. Die Obrigkeit kannte kein Pardon, und sie hatte ein langes Gedächtnis. Den Anführer der Tiroler Aufständischen, Michael Gaismair, ereilte der Tod durch die Hand gedungener Mörder 1532 in Padua.

Kernspaltung

Seit Albert Einstein seine berühmte Formel von der Erhaltung der (trägen) Masse, die sogenannte Äquivalenzformel E=mc² , entwickelt hatte, wurde den Physikern mehr und mehr klar, daß in den kleinsten, seinerzeit bekannten Bausteinen in der Natur, dem Atom, ein großes Potential an Energie stecken und durch eine Spaltung freigesetzt werden können müsse. Erste Versuche jedoch, den Atomkern zu spalten, d.h. die innere Bindungsenergie der Kerne zu lösen, mißlangen, da die hierzu verwendeten, von James Chadwick 1932 entdeckten elektrisch neutralen Neutronen, die man in den Kern schoß, zu schnell waren. Erst als es dem Italiener Enrico Fermi in Rom gelang, die Neutronen mit Schwerem Wasser abzubremsen, konnten diese durch die ihn umgebende Hülle in den Atomkern eindringen. Die erste theoretische Erklärung für die Voraussetzung der Kernspaltung gaben 1939 Lise Meitner und ihr Neffe Otto Robert Fritsch. Die Energie entsteht durch Massenumwandlung des Spaltstoffes (sog. Massendefekt). Bei der Kernspaltung entstehen aus einem schweren Kern in der Regel zwei etwa gleich große Folgekerne, ausgelöst meist durch den “Einfang” eines Neutrons. Neben den Spaltprodukten werden dabei zwei bis drei Neutronen und Energie frei. Die freigesetzten Neutronen können weitere Kerne zur Spaltung anregen, also eine Kettenreaktion aufrechterhalten. Um diese sich entwickelnde explosionsartige Kettenreaktion zu kontrollieren, werden in Kernreaktoren die das spaltbare Material enthaltenen Uran-Brennelemete aus dem ”Beschuß” herausgezogen. Otto Hahn und Fritz Straßmann hatten 1939, aufbauend auf Vorarbeiten von Lise Meitner, die erste Anordnung zur Kernspaltung gebaut und die erste Kernspaltung durchgeführt.

Biedermeier

Der Begriff wurde erstmals von Victor von Scheffel in der Zeitschrift Münchner Fliegende Bätter für die von ihm geschaffenen Philisterkarikaturen verwendet. Später verwandten ihn der Jurist und Schriftsteller Ludwig Eichrodt und der Arzt Adolf Kußmaul, die ihn in ebendieser Zeitschrift 1855 bis 1857 für die als Parodie konzipierten Gedichte des schwäbischen Schullehrers Gottlieb Biedermaier... verwendeten. Heute wird das Wort Biedermeier als Stilbezeichnung der Dichtkunst, der Kleidermode, der Wohnkultur und der Malerei zwischen 1815 und 1848 verwendet, die später und insbesondere um 1900 herum als Wunschbild bürgerlichen Daseins angesehen wurde - im Gegensatz auch zur nüchternen Zeit des Empirestils.

Titanic

Das seinerzeit größte, modernste und komfortabelste, auf der Werft Harland & Wolff Ltd. in Belfast gebaute Passagierschiff der Welt: 269,04 titanic_zeitungMeter Länge, 28,19 Meter Breite, 56 Meter Höhe (Unterkante Kiel bis Oberkante Schornstein), 10,54 Meter Tiefgang, 46.329 Bruttoregistertonnen Rauminhalt. Kurz nach ihrer Indienststellung verließ die als unsinkbar geltende Titanic am 10.4.1912 mit insgesamt 2.228 Personen an Bord - aber nicht ausgebucht - den Hafen von Southampton zu ihrer Jungfernfahrt mit Ziel New York, nachdem sie vor Beginn der Ozeanüberquerung noch in Cherbourg und Queenstown in Irland Fracht und weitere Passagiere an Bord genommen hatte. Gegen Mitternacht des 14. April, um 23h40, stieß sie bei ruhiger See, aber mondloser und kühler Nacht in der Höhe von Neufundland mit einem Eisberg zusammen, da der Kapitän Edward Smith die per Funk eingehenden Eiswarnungen mißachtet hatte und das Schiff weiterhin mit voller Kraft vorauslaufen ließ (ob Bruce Ismay ihn dazu angetrieben hatte, war später einer der Gegenstände der Untersuchung, konnte aber nicht verifiziert werden). Der Funker Jack Phillips (†1912), der ebenso wie sein Kollege Harold Bride (†1956) kein Mitglied der Titanic-Crew war, sondern Angestellter von Marconi's Wireless Telegraph Company, hatte allerdings einen gravierenden Fehler gemacht, als er, statt sich um weiterhin eingehende Eiswarnung zu kümmern, an die Relaisstation Cape Race in Neufundland Telegramme von Passagieren absetzte, was für Marconi eine einträgliche Einnahmequelle darstellte. Er hatte deshalb die warnenden Funksprüche von der SS Californian, die inmitten eines Eisfeldes wegen der Gefahr vor Anker gegangen war, “abgewürgt”.

Gerettet Passagier der Titanic auf der Carpathia

Bei dem Zusammenstoß mit dem Eisberg wurden mehrere Platten der Bordwand auf der rechte Rumpfseite knapp unterhalb der Wasserlinie eingedrückt, so daß die Nieten brachen und Wasser in das Schiffsinnere eindringen konnte. Gegen 0:15 Uhr begannen die Funker Phillips und Bride Notrufe an andere Schiffe zu senden, anfangs das gebräuchliche CQD-Signal, danach das noch neue SOS-Signal. Das zunächstliegende Schiff, die SS Californian reagierte nicht mehr, da sich der dortige Funker Evans zur Ruhe begeben hatte, während dieCarpathia zwar auf die Notrufe antwortete, aber fast vier Stunden von der Unglücksstelle entfernt war.

Eisberg mit dem die Titanic mumaßlich kollidiert ist. Auffallend war eine rote Schleifspur in Höhe der Wasserlinie. Das Bild wurde von Bord des Kabelschiffs Minia aufgenommen, das als eines der ersten die Unglücksstelle erreichte. In unmittelbaren Nähe des Eisberges wurden zahlreiche Leichen und Treibgut von der Titanic gefunden.

Mit der Evakuierung des Havaristen wurde etwa 65 Minuten nach der Kollision begonnen. Obwohl das Schiff über mehr als die gesetzlich vorgeschriebenen Rettungsboote verfügte, konnten die 20 Boote jedoch nur einen Bruchteil der Passagiere und Besatzungsmitglieder aufnehmen. Letztlich starben 1.504 Menschen bei dem bis dahin größten Desaster auf See. Die Titanic verschwand um 2:20 von de pinxit Willy Stöwerr Meeresoberfläche und zerbrach, schon bevor die in 3.821 Meter Tiefe auf dem Meeresboden aufschlug, in zwei Teile. Geborgene Opfer wurde zum Teil auf dem Mount Olivet Cemetery, dem Baron de Hirsch Cemetery bzw. dem Fairview Cemetery in Halifax beigesetzt.

Obwohl nicht das größte Schiffsunglück bislang (beim Untergang derWilhelm Gustloff im Januar 1945 sind z.B. ca. 9.000 Menschen ums Leben gekommen), ist das Disaster deshalb bis heute in besonders Erinnerung geblieben, weil der bis dato gängige und absolute Glaube an den Fortschritt und die Unfehlbarheit der Ingenieure erstmals in Zweifel gezogen wurde.                    

titanic_aufriss_klBereits eineinhalb Jahre vor der Jungfernfahrt der Titanic machte die New York Tribune sich Gedanken darüber, wo ein Schiff dieser Dimensionen überhaupt anlegen könnte - völlig zu Unrecht, wie man seit dem 15. April 1912 wußte; angeregt hierzu wurde sie durch ein Modell des Luxuspassagierschiffes, das in New York zu bestaunen war.

 

 

 

 

 

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Pour le Mérite

[franz.: für das Verdienst] der Orden Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste, die Friedensklasse des Ordens Pour le Mérite, wurde als höchste Auszeichnung für wissenschaftliche und künstlerische Verdienste 1842 von König Friedrich Wilhelm IV. gestiftet; 1952 wieder belebt. Den Pour le Mérite gab es in der militärischen Klasse bis 1918.

Daily Telegraph-Affäre

Am 28.10.1908 druckte die britische Zeitung The Daily Telegraph Auszüge eines Interview ab, das Wilhelm II. mit einem britischen Offizier während eines privaten Urlaubs geführt hatte. Darin hatte der Kaiser sein ständiges Bemühen um ein freundschaftliches Verhältnis zu Großbritannien hervorgehoben, mit dem er zudem in Deutschland nahezu allein stehe. Er empfinde es als persönliche Kränkung, daß auch die Briten seinen Sympathiebekundungen mit Argwohn begegneten. Er habe während desBurenkrieges einen Kontinentalbund zwischen Deutschland, Frankreich und Russland gegen Großbritannien verhindert, sogar der britischen Königin Victoria, seiner Großmutter, einen von ihm ausgearbeiteten Feldzugsplan zugesandt, der dem britischen General Roberts in Südafrika offensichtlich zum Erfolg über die Buren verholfen habe. Zudem sei der Bau der deutschen Flotte nicht gegen die Briten gerichtet, sondern diene allein dem Schutz des im Aufbau befindlichen deutschen Welthandels. Sicherlich würden die Briten eines Tages über eine deutsche Flottenhilfe im Pazifik froh sein. Besonders die Behauptung Wilhelms, er habe mit seinem Feldzugsplan den Burenkrieg wesentlich mitentschieden, rief in der britischen Öffentlichkeit große Empörung hervor. Außerdem könne von einer Sympathie gegenüber Großbritannien wohl kaum zu sprechen sein, wenn das Deutsche Reich eine aggressiven Flottenpolitik verfolge, die den Interessen des Königreichs entgegenliefe und zudem die Kosten für die Nachrüstung der britischen Flotte in die Höhe triebe. Reichskanzler Berhard von Bülow, dem seitens des Reichstages der Vorwurf gemacht wurde, er habe den Text ungelesen an die Presse gegeben, mußte schließlich zurücktreten.

Siebzehnter Juni 1953 (auch Juniaufstand)

Spontane, gegen die Politik des Politbüro der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) und die von der SED getragenen Regierung gerichtete Volkserhebung in der DDR vom 16.-21.6.1953. Nach dem im Rahmen der II. SED-Parteikonferenz im Juli 1952 verkündeten Aufbaus des Sozialismus kam es zur spürbaren Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation in der DDR. Bereits ab Herbst bis Ende 1952 war es zu vereinzelten Streiks gekommen, die im Mai und Anfang Juni 1953 auf fast alle Branchen der DDR-Wirtschaft übergriffen. Zudem schürten zunehmende politische und ideologische Repressionen die Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Als eine der Folgen hieraus nahm die sogenannte Republikflucht zu und erreichte im Frühjahr 1953 einen neuen Höhepunkt. Als das SED-Politbüro am 9.6.1953 den ”Neuen Kurs” beschloß und das Organ des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB), die Tribüne, am 16.6.1953 diese Regelung ohne Rücknahme der am 28.5.1953 verfügten Erhöhung der Arbeitsnormen für Industriebetriebe bis Ende Juni um generell 10% ohne Sinn für die Realitäten bestätigte, kam es auf den Baustellen der Stalin Allee in Berlin (Ost) zu einem spontanen Demonstrationsmarsch der Bauarbeiter zum Haus der Ministerien; obwohl das Politbüro am Vormittag des 16.6. die Rücknahme der Normerhöhung beschloß, kam diese Maßnahme jetzt zu spät: in anderen Städten der DDR (Halle, Leipzig, Weimar, Stralsund, Neuruppin, Brandenburg) kam es zu Kundgebungen vor Gefängnissen, mit der Forderung nach Entlassung inhaftierter politischer Häftlinge. 12.000 Beschäftigten des Stahl- und Walzwerkes Hennigsdorf zogen am 17.6. zum Regierungsviertel; die Demonstration weiteten sich zu einer Massenbewegung aus, an der alleine in Berlin wenigstens 150.000 Menschen teilnahmen, und in über 700 Orten der DDR kam es zu Protesten mit Arbeitsniederlegungen. Die zunächst rein auf die Entlassung inhaftierter politischer Häftlinge und Rücknahme der neuen Arbeitsnormen gerichteten Forderungen schlugen am 17.6. ins Politische um: Es wurden nun der Rücktritt der Regierung und geheime Wahlen gefordert. Der Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht und Mitglieder seiner Regierung sahen sich gezwungen, im Sitz der Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) in Berlin-Karlshorst Zuflucht zu suchen. Erst als ab 12 Uhr des 17. Juni massiv Panzer zum Einsatz kamen und der Ausnahmezustand durch den sowjetischen Stadtkommandanten für Berlin (Ost) und in zahlreichen Stadt- und Landkreisen verhängt wurde, konnte der Aufstand durch sowjetische Truppen niedergeschlagen werden. Allerdings kam es auch nach dem 17. Juni noch zu einer neuen Streikwelle in den Buna-Werken Schkopau. Heute schätzt man, daß ca. 1 Million Menschen an den Streiks und Demonstrationen beteiligt waren. Die genaue Zahl der Verhafteten, Verwundeten und Getöteten ist nicht bekannt; es waren aber wohl wenigsten 100 Todesopfer zu beklagen, abgesehen von später vollstreckten Todesurteilen und den langjährigen Freiheitsstrafen, die - vertreten durch die Justizministerin der DDR, Hilde Benjamin - verhängt wurden. Als Folge des gescheiterten Aufstandes baute die SED den Überwachungs- und Repressionsapparat erheblich aus. Ulbrichts Stellung wurde von den Führern der Sowjetunion gestärkt, er wurde am 9.7.1953 in Moskau als Chef der SED wiedergewählt.

Arianismus

Lehre des alexandrinischen Priesters Arius, nach der Christus nicht gottgleich und ewig, sondern vornehmstes Geschöpf Gottes sei, als ”Logos” eine Zwischenstellung zwischen Gott und Welt einnehme. Der Arianismus wurde auf den Konzilen von Nikaia (Nicäa) 325 und Konstantinopel 381 verdammt. Die germanischen Stämme der Goten, Wandalen, und der ursprünglich aus Skandinavien stammenden Langobarden waren zum Teil bis ins 6. Jahrhundert hinein Arianer.

Watergate-Affäre

Im Sommer 1972 wurde mit Billigung des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Richard Nixon, in das Wahlkampfhauptquartier der Demokratischen Partei, das sich im gleichnamigen Büro- und Hotelgebäudekomplex in Washington (DC) befand, eingebrochen. Als eine Verbindung zwischen den Tätern und Nixon bekannt wurde, bereitete der amerikanischen Kongreß ein sog. Impeachment-Verfahren gegen den Präsidenten vor. Der wahrscheinlichen Amtsenthebung kam Nixon nur durch seinen Rücktritt zuvor, den er am 8.8.1974 im Fernsehen erklärte. Sein Nachfolger im Amt des Präsidenten, Gerald Ford, begnadigte ihn in einer innenpolitisch äußerst umstrittenen Entscheidung, so daß Nixon nicht angeklagt werden konnte, während hohe Beamte der Nixon-Administration strafrechtlich verfolgt und gerichtlich verurteilt wurden.

Magna Charta Libertatum

[lat.: Großer Brief der Freiheiten]; Verfassungsurkunde Englands. Im Juni 1215 auf Druck von Seiten aufständischer Barone von Johann I. ohne Land in der Form eines einseitigen 63 Artikel enthaltenen Privilegs ausgestellt, um einen drohenden Bürgerkrieg zu vermeiden. Nach Johanns Tod wurde sie auf 42 Artikel gekürzt und nach mehreren Änderungen schließlich 1225 von Johanns Sohn und Nachfolger König Heinrich III. erneut bestätigt. 1297 wurde sie in die neu geschaffene Serie der ”Statute Rolls” aufgenommen. Sie regelt das lehnsrechtliche Verhältnis zwischen dem König und den Kronvasallen, mit dem Ziel die immer umfangreicheren Pflichten der Vasallen und die Mißbräuche der königlichen Gerichtsbarkeit und regionalen Administration einzudämmen.

Flick-Affäre (auch Parteispendenskandal)

Im Jahr 1975 verkaufte der Friedrich Karl Flick gehörende Flick-Konzern Aktien an die Daimler-Benz AG Aktien im Wert von ca. zwei Milliarden. Gleichzeitig beantragte der Flick-Konzern beim Bundeswirtschaftsministerium, das seinerzeit von Hans Friderichs (FDP) geleitet wurde, für diese Transaktion eine Steuerbefreiung nach § 6b des Einkommensteuergesetzes für volkswirtschaftlich förderungswürdige Reinvestitionen. Der Minister sowie sein Nachfolger im Amt, Otto Graf Lambsdorff, erteilten eine entsprechende Genehmigung. Bei im Jahre 1981 durchgeführten Steuerfahndungen entdeckten die Fahnder Barzahlungen u.a. an Friderichs und Lambsdorff, womit ein Anfangsverdacht einer Bestechung beziehungsweise Bestechlichkeit gegeben war. Eberhard von Brauchitsch erklärte, es habe sich lediglich um Parteispenden gehandelt. Dennoch hob der Bundestag am 2.12.1983 auf Ersuchen der Bonner Staatsanwaltschaft, die die Ermittlungen führte, die Immunität des amtierenden Bundeswirtschaftsministers Graf Lambsdorff auf. Dieser trat nach Zulassung der Klage im Juni 1984 von seinem Amt zurück. Nach einer mehrjährigen Prozeßdauer wurden am 16.2.1987 von Brauchitsch sowie Friderichs und Graf Lambsdorff, der wegen Steuerhinterziehung beziehungsweise Beihilfe zur Steuerhinterziehung angeklagt war, verurteilt, während von Brauchitsch eine Bewährungs-, Lambsdorff und Friderichs Geldstrafen erhielten. Eine Beeinflussung politischer Entscheidungen durch die Geldzahlungen konnte das Gericht allerdings nicht nachweisen, zumal Helmut Kohl keine relevante Aussage machte oder machen konnte. Der Prozeß löste eine erste Vertrauenskrise innerhalb der Bundesrepublik zwischen den Bürgern und den Parteispitzen aus und führte zu gesetzlichen Änderungen im Bereich des Umgangs mit Parteispenden.

Historikerstreit

Eine durch den Philosophen Jürgen Habermas (*1929) ausgelöste wissenschaftliche Kontroverse unter einigen deutschen Historikern, Philosophen und Journalisten über die Einordnung und Bewertung des Nationalsozialismus, insbesondere der verbrecherischen Behandlung der Juden im Holocaust. Diese hatte sich in einem Artikel in der Wochenzeitschrift Die Zeit (11.7.1986) gegen die Relativierung des nationalsozialistischen Regimes und seine Verbrechen durch eine Gruppe von Historikern (besonders Ernst Nolte, *1923), der einen Vortrag in der Carl Friedrich von Siemens Stiftung über die Verfälschung der Geschichte in Bezug auf die Vernichtung der Juden gehalten hatte) gewandt. Es folgten monatelange Debatten mit gegenseitigen Schuldzuweisungen und Unterstellungen, die letztlich für den Erkenntnisgewinn der historischen Forschung von wenig Wert waren.

Inquisition

[lat.: inquisition, Untersuchung] Kirchliches Verfahren der Aufspürung und Verfolgung von Häretikern (Ketzern), das seit dem Edikt des Kaisers Theodosius I. von 380/81, in dem u.a. geregelt war, wer Katholik und wer Ketzer zu gelten habe, und das mit staatlicher Unterstützung durchgeführt wurde und in der lateinischen Kirche bis ins 19. Jahrhundert bestand (in Spanien bis 1834, in Italien bis 1859), existierte. Die kirchenrechtliche Grundlage für das Wirken von bischöflichen Inquisitionsgerichten wurde 1199 von Papst Innozenz III. geschaffen. Papst Gregor IX. zentralisierte die Inquisition 1232 in einer päpstlichen Behörde und übertrug deren Leitung dem Dominikanerorden. 1542 wurde die ”Congregatio Romanae et universalis inquisitionis” (Kongregation für römische und weltweite Inquisition), das Heilige Offizium, als oberste Aufsichtsbehörde für alle Glaubensgerichte durch Paul III. eingerichtet.

Der spanische König Philipp II. förderte in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts das Erstarken der Inquisition, nicht zuletzt als Versuch, die Gegenreformation voranzutreiben: ”Da all jene, die nicht im Gehorsam und im Dienste unserer Heiligen Mutter, der Katholischen Kirche stehen, in ihren Irrtümern und in ihrem Ketzertum gefangen sind und sich mühen, die frommen und gläubigen Christen ihrem Heiligen Glauben zu entfremden, haben wir entschieden, daß es das wahre Gegenmittel ist, alle Kontakte mit Ketzern und verdächtigen Personen zu unterbinden und ihre Irrtümer auszurotten, um der Gefahr eines großen Vergehens gegen den Heiligen Glauben und die Katholische Religion in diesem Teil der Welt zu begegnen” (1569). In Spanien, wo sie besonders grausam war, wurde sie 1498 durch Ferdinand II. und Isabella I. für die Königreiche Kastilien und Aragon durch die Bestallung eines Großinquisitors eingerichtet, deren erster Amtsinhaber Tomás de Torquemada (*1420, †1498) war. Sie diente hier als Mittel der Erhaltung der Einheit des von den Mauren befreiten Landes nach dem Motto: ”Eine Herde, ein Hirte, ein Glaube, ein König, ein Schwert” (in Portugal wurde diese Institution 1536 eingerichtet). Dabei richtete sie sich nicht nur gegen die Moslems, sondern auch gegen die Juden. In Portugal wurde diese Institution 1536 eingerichtet. Nördlich der Alpen, besonders im Westen und Süden Deutschlands und der Schweiz, richtete sich die Inquisition auch auf die sogenannten Hexen (der Hexenverfolgung fielen schätzungsweise 60.000 Menschen zum Opfer). Ausgelöst wurde die Hexenverfolgung durch die von Papst Innozenz VIII. 1484 erlassene Bulle Summis desiderantes affectibus, der ein Text des deutschen Inquisitors Heinrich Kramer (*~1430, †~1505), Autor des Hexenhammers, zugrunde lag. Besonders intensiv und zugleich grausam aus heutiger Sicht wirkte die Inquisition in Spanien, wo 1478 die staatliche Einrichtung eines Großinquisitors erfolgte, deren erster Amtsinhaber Tomás de Torquemada war (in Portugal wurde diese Institution 1536 eingerichtet).

Das Verfahren durch das Tribunal wurde im Geheimen durchgeführt, aber über den Ablauf mit Befragung und Art der Folter, die bei Leugnung angewandt wurde und bei der ein Arzt anwesend war, wurde peinlich genau durch einen ebenfalls anwesenden Sekretär Buch geführt; gestand und bereute der Inkriminierte, wurde er mit der Kirche ausgesöhnt, was allerdings mit einer Buße verbunden war, z.B. einer Geißelung, einer mehrjährigen oder lebenslänglichen Haftstrafen, einer Galeerenstrafe. In jedem Fall wurde das Vermögen eingezogen und seine Nachkommen von allen öffentlichen Ämtern oder ordentlichen Berufen bis in die fünfte Generation ausgeschlossen. Gestand der Inkriminierte nicht, dann wurde die Strafe publikumswirksam in der Öffentlichkeit ausgeführt. Die Kirche selbst hielt allerdings am Prinzip der Milde fest, d.h. sie tötete nicht selber, sondern übergab den Verurteilten der weltlichen Justiz, damit dieser gemäß des Bildworts vom wahren Weinstocks (Joh.15.6) gerichtet würden: ”Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdörrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und sie müssen brennen.” Demzufolge wurden Geständige (Ketzer, Hexen etc.) verbrannt (Autodafé).

Präraffaeliten

Eine 1848 von Dante Gabriel Rossetti, William Holman Hunt, John Everett Millais u.a. unter dem Namen Pre-Raphaelite Brotherhood (”Präraffaelitische Bruderschaft”) gegründete Vereinigung britischer Maler, die, angeregt von den Nazarenern, eine Reform der Kunst erstrebten, indem sie, in Opposition zur Londoner Royal Academy, an die italienischen Maler vor Raffael anzuknüpfen suchten. Die Vereinigung gab die Zeitschrift The Germ (1850) heraus; literarischer Wortführer war John Ruskin. In der Malerei und Dichtung Rossettis mischten sich Madonnen- und weltlicher Liebeskult, bei William Morris, der neben Edward Burne-Jones zu den bedeutendsten Präraffaeliten gerechnet wird, Religiosität des Mittelalters und moderner Sozialismus, in der Ästhetik von John Ruskin Klassizismus und Romantik. Die Kunst der Präraffaeliten war eine der Voraussetzungen des englischen Jugendstils.

Göttinger Achtzehn

Name für eine Gruppe von 18 Atomforschern aus der Bundesrepublik Deutschland, die sich am 12.4.1957 in der gemeinsamen Göttinger Erklärung gegen die damals namentlich von Bundeskanzler Konrad Adenauer und Verteidigungsminister Franz Josef Strauß angestrebte Aufrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen wandten. Im März 1958 gründete die SPD, die diesen Standpunkt auch im Bundestag verteidigte, das Komitee Kampf dem Atomtod, das auch vom DGB unterstützt wurde. Die Gruppe bestand aus Fritz Bopp, Max Born, Rudolf Fleischmann, Walther Gerlach, Otto Hahn, Otto Haxel, Werner Heisenberg, Hans Kopfermann, Max von Laue, Heinz Maier-Leibnitz, Josef Mattauch, Friedrich Adolf Paneth, Wolfgang Paul, Wolfgang Riezler, Fritz Straßmann, Wilhelm Walcher, Carl Friedrich von Weizsäcker und Karl Wirtz. Es handelte sich um führende Wissenschaftler der Atomforschung im damaligen Westdeutschland und Mitglieder von staatlichen Organisationen, die mit der Nutzung der Kerntechnologie beschäftigt waren. Der Name Göttinger Achtzehn beruft sich auf die gemeinsame Karrieresprosse vieler ihrer Mitglieder, der Universitätsstadt Göttingen und ist eine Anspielung auf die Göttinger Sieben.

Wormser Edikt

Auf dem Reichstag von Worms 1521 über Martin Luther verhängtes Edikt, von Kaiser Karl V. am 8.5. gebilligt und seitens der noch anwesenden Reichsstände am 26.5. unterzeichnet. Das Wormser Edikt sprach die Reichsacht über Luther aus und verbot die Lektüre und Verbreitung seiner Schriften.

Deutsch-Dänischer Krieg

Im Zuge des Krieges von 1848/49 zwischen dem Deutschen Bund und Preußen hatte Dänemark insofern widerrechtlich Schleswig annektiert, in dem eine starke deutsche Minderheit wohnte, als im Londoner Protokoll vom 8.5.1852 zwar der Fortbestand der dänischen Herrschaft über die dortigen Herzogtümer garantiert, andererseits jedoch ihre Eigenständigkeit festgeschrieben worden war. Ende 1863 bezog jedoch die vom dänischen König Christian IX. nur widerwillig unterzeichnete neue dänische Verfassung Schleswig in den Gesamtstaat ein und verstieß damit grob vertragswidrig gegen die Vereinbarung des Londoner Protokolls, was von der deutschen Nationalbewegung als schwere Niederlage empfunden wurde. Nachdem ein von Österreich und Preußen gestelltes Ultimatum zur Aufhebung der Novemberverfassung und der Räumung Schleswigs verstreichen ließ, setzten Österreich und Preußen, da Holstein zum Deutschen Bund gehörte, die Bundesexekution durch, mit deren Vollzug sie auch beauftragt wurden. Nach einem kurzen Feldzug, der mit der Niederlage der Dänen am 18.4.1864 an den Düppeler Schanzen zugunsten Preußens und des Deutschen Bundes endete, mußte Dänemark mit dem Wiener Friedensvertrag vom 30. Oktober 1864 die Herzogtümer abtreten. Der Krieg hatte maßgeblichen Einfluß auf die Entstehung des deutschen Nationalstaats im Jahre 1871.

Camera obscura

[lat.: dunkle Kammer] Fallen in einem dunklen, festerlosen Raum Lichtstrahlen gebündelt durch ein kleines Loch, wird auf der dem Loch gegenüberliegenden Wand ein Bild der Außenwelt spiegelverkehrt und kopfüber abbildet. Bald schon baute man einen Kasten mit geschwärzten Innenwänden und einer transparenten Rückwand, die als Mattscheibe diente. Die Scharfstellung der Abbildung erfolgte zunächst dadurch, daß man die Entfernung zwischen Loch und Rückwand variieren konnte.

Demagogenverfolgung

Bezeichnung für die Unterdrückung der liberalen und nationalen Opposition in Deutschland zwischen 1819 und der Märzrevolution von 1848. Ausgangspunkt war die Ermordung des Schriftstellers August von Kotzebue durch den Studenten Karl Ludwig Sand und die daraus resultierenden Karlsbader Beschlüsse vom 20.9.1819. Es wurden vornehmlich Universitätsprofessoren und Journalisten, Schriftsteller und Studentenführer verfolgt, wobei vor allem die preußische Regierung mit harter Hand gegen alle vorging, die öffentlich für die nationale und liberale Bewegung eintraten. Viele von ihnen wurden ihrer Ämter enthoben, auch zu Gefängnisstrafen verurteilt, so sogar solche, die an den Befreiungskriegen teilgenommen hatten, wie der Dichter Ernst Moritz Arndt, der Publizist Johann Joseph von Görres oder Ludwig Jahn (selbst das von ihm propagierte Turnen wurde in Preußen verboten). Auch der mecklenburgische Dichter Fritz Reuter wurde 1836 zu Festungshaft verurteilt, über die er in seinem Roman Ut mine Festungstid berichtet.

Unitarier

[lat.: unitas: Einheit] Besonders im angelsächsischen Sprachraum Bezeichnung für protestantische Gruppen, die im Sinne der Antitrinitarier und Sozinianer die Trinitätslehre ablehnen und statt dessen die Einheit von Gott, Natur und Mensch betonen und Verzicht auf religiöse Dogmen verzichten. Die Unitarier vertreten ein liberal-rationalistisches, ethisch-humanistisches Christentum. Verbreitung fand der Unitarismus besonders in Siebenbürgen, England und waren in den vereinigten Staaten besonders einflußreich. In Siebenbürgen konnten sich die Unitarier bereits im 16. Jahrhundert als Kirche konstituieren; in England breitete sich der Unitarismus seit dem 17. Jahrhundert aus. Der prominenteste Vertreter des Unitarismus in den USA war Jonathan Mayhew (*1720, †1766), Pastor von 1747 bis 1766 an der West Church in Boston.

Leviathan

[hebräisch] der; mythisches kanaanäisches Meeresungeheuer (Schlange oder Drache); im Alten Testament Personifikation der gottfeindlichen Mächte (z.B. Jesaja 27,1), das von Jahwe besiegt wird. Im gleichnamigen staatsphilosophischen Werk vonThomas leviathan_bildHobbes (1651) steht es als die Personifikation des durch Machtverzicht der Einzelnen konstituierten, niemandem rechenschaftspflichtigen Staates als ”sterblicher Gott”.

 Vernichtung des Leviathan (pinxit Gustave Doré, 1865)

 

 

 

 

 

 

 

Manchestertum (auch Manchesterliberalismus)

Bezeichnung für den rigiden wirtschaftlichen Liberalismus des 19. Jahrhunderts, der für unbedingten Freihandel sowie für das freie Spiel der wirtschaftlichen Kräfte ohne jegliche staatliche Eingriffe eintrat. Die Bezeichnung geht auf die Stadt Manchester zurück, deren Handelskammer zusammen mit der von Richard Cobden (*1804, †1864) und John Bright (*1811, †1889) geleiteten Manchester-Partei 1838 bis 1846 erfolgreich gegen die Getreidezölle kämpfte.

Konvention von Tauroggen

Bezeichnung für eine zwischen dem preußischen Generalleutnant Hans David Ludwig Graf Yorck von Wartenburg und dem General der russischen Armee Hans Karl von Diebitsch am 30.12.1812 bei Tauroggen (heute Taurage, Litauen) eigenmächtig unterzeichnete konvention_tauroggenVereinbarung, in der sich das preußische Hilfskorps der französischen Großen Armee im Russischen Feldzug für neutral erklärte. Diese Vereinbarung markierte einen Wendepunkt in den Napoleonischen Kriegen, da Preußen sich aus den erzwungenen Bündnisverpflichtungen gegenüber Frankreich löste und im Bündnis mit Rußland (und später Österreich) im Frühjahr 1813 die Befreiungskriege aufnahm.

Der Gedenkstein zur Konvention von Tauroggen (oben) wurde 1976 von der litauischen Architektin Matschuleit entworfen und befindet sich ca. zwei Kilometer südwestlich von Tauroggen an dem Bach Eszerunis nahe der ehemaligen Poscheruner Wassermühle. tauroggen_konvention_bild_klDie Inschrift lautet in litauischer und russischer Sprache:

  Konvention m.d. Unterschriften zoom

Hier, in der ehemaligen Poscheruner Mühle, unterzeichneten am 30. Dezember 1812 der königlich preußische Generalleutnant H. Yorck und der russische Generalmajor H. Diebitsch die Tauroggener Konvention zum gemeinsamen Handeln gegen die Armeen des französischen Kaisers Napoleon.

Frieden von Tilsit

Am 7. und am 9.7.1807 wurde durch die Friedensverträge von Tilsit zwischen Kaiser Napoléon I., Zar Alexander I. von Rußland und König Friedrich-Wilhelm III. von Preußen der Vierte Koalitionskrieg (1806/07) beendet. Am 7.7. trafen sich Napoléon und Alexander I. atilsiter_friedenuf einem in der Mitte der Memel schwimmenden Pontonboot, das die Demarkationslinie zwischen der französischen und der russischen Einflußzone markierte. Der russisch-französische Friedensschluß teilte Osteuropa in eine französische und eine russische Interessensphäre; das preußisch-französische Abkommen stufte Preußen auf den Status einer europäischen Mittelmacht zurück. Königin Luise war es bei einem Treffen mit Napoleon in Tilsit nicht gelungen, einen milderer Frieden zu erreichen.

 

 

 

 

 

 

 

Burenkriege

Zu unterscheiden ist zwischen:

Wenn vom Burenkrieg die Rede ist, ist im allgemeinen letzterer gemeint. Bei ihm handelte sich um einen Konflikt zwischen dem Königreich Großbritannien und den Burenrepubliken Oranje Freistaat und Südafrikanische Republik (Transvaal), der mit deren Eingliederung in das Britische Empire endete. Ursachen waren einerseits das Streben Großbritanniens nach den Bodenschätzen der Region und nach einem territorial geschlossenen Kolonialreich in Afrika und andererseits die ausländerfeindliche Gesetzgebung der Burenrepubliken.

Kolonialminister Joseph Chamberlain und der spätere Premierminister der Kapkolonie, Cecil Rhodes, entwickelten den Plan eines geschlossenen afrikanischen Besitzes mit einer durchgehenden Eisenbahnverbindung vom Kap bis nach Kairo .Rhodes drängte auf die Ausdehnung des britischen Einflußgebietes nach Norden, um den Deutschen, die sich 1884 in Südwestafrika niedergelassen hatten, zuvorzukommen. Er annektierte das Betschuanaland und unterwarf im Kampf mit den Matabele und Maschona 1893 ein riesiges Gebiet für die britische Krone, das 1895 nach ihm Rhodesien genannt wurde. Damit waren die noch unabhängigen Burenrepubliken Oranjefreistaat und Transvaal von Süden, Westen und Norden umklammert. Ostentativ unterstützte Großbritannien krueger_ohm_bddie von den Goldfunden in Transvaal angezogenen weißen Siedler vorwiegend britischer Nationalität, die ”Uitlanders”, denen der Burenpräsident Paulus Kruger die vollen Bürgerrechte verweigerte. Ein von Rhodes veranlaßter bewaffneter Einfall in Transvaal unter Führung seines Mitstreiters Leander Starr Jameson am 29.12.1895 (”Jameson Raid”) sollte eine Revolte der ”Uitlanders” auslösen und die Burenregierung stürzen; Krüger konnte den Angriff jedoch abwehren. Als Kaiser Wilhelm II. in der sog. Krügerdepesche an den Burenpräsidenten seine Glückwünsche zum Ausdruck brachte, rief dies in der britischen Öffentlichkeit große Empörung hervor und führte vorübergehend zu einer Eintrübung in den deutsch-britischen Beziehungen. Da das britische Empire nicht untätig den seitens der Buren in Europa getätigten Waffenkäufen und die Bestrebungen der Burenstaaten zur Vereinigung hinnehmen wollte, kam es schließlich im Oktober 1899 zum Krieg. Obwohl zunächst erfolgreich, mußten sich die Buren, zumal die erwartete militärische Unterstützung durch europäische Staaten ausblieb, schließlich im Juni 1900 den überlegenen britischen Truppen ergeben. Die Briten hatten als Reaktion auf den erbitterten Guerillakrieges mit Repressionen gegen die Zivilbevölkerung und schließlich mit der Internierung von Frauen und Kindern in Konzentrationslagern, in denen unzulängliche Lebensbedingungen zu einer hohen Sterblichkeit führten, geantwortet. Erst im Mai 1902 wurde in Vereeniging der Friedensvertrag unterzeichnet. Die Buren erkannten die Souveränität Großbritanniens über ihre Republiken an, ihnen wurden Kredite für den Wiederaufbau gewährt und die innere Autonomie für ganz Südafrika in Aussicht gestellt. Damit waren die Voraussetzungen für die Gründung der Südafrikanischen Union geschaffen.

Syndikalismus

Bezeichnung für die Ende des 19. Jahrhunderts zuerst in Frankreich entstandene, revolutionäre Gewerkschaftsbewegung, die sich auch in Italien, Spanien und Südamerika, aber auch in Großbritannien und den USA, dort in jeweils eigener Ausprägung, stark verbreitete. Er stand dem Anarchismus nahe und wollte seine Ziele, kollektives Eigentum von Waren und Produktionsmitteln, durch direkte Aktionen wie Boykotts, Generalstreiks und Sabotage erreichen. Hierzu sollte die Gesellschaft - ohne Staat und Staatsorgane - durch demokratische Leitungsorgane der Arbeiter gelenkt werden. Der Syndikalismus geht v.a. auf den Sozialisten Pierre Joseph Proudhon, den russischen Revolutionär und Theoretiker des Anarchismus, Michail Bakunin, und den Publizisten und Sozialphilosophen Georges Sorel (*1847, †1922) zurück.

Nordamerikanischer Unabhängigkeitskrieg

Bezeichnung für den von 1775 bis 1783 währenden Krieg der 13 nordamerikanischen Kolonien gegen die britische Herrschaft. Nach Beendigung des Siebenjährigen Krieges zwischen Großbritannien und Frankreich beschloß das britische Parlament, zum Ausgleich des durch die Kriegskosten stark verschuldeten Staatshaushalts auch die amerikanischen Kolonien, die ihm seit 1689 unterstanden, heranzuziehen. Die Empörung über dieses Vorhaben führte rasch zu einer Solidarität der bislang untereinander zerstrittenen amerikanischen Kolonien. Auf einem Kongreß in New York 1765 erklärten die Vertreter von neun Kolonien, daß ihnen ohne ihre ausdrückliche Zustimmung seitens des Parlament in London keine Steuern auferlegt werden dürften (”no taxation without representation”). Der entschlossene Boykott britischer Importe führte 1766 zur Rücknahme des Stempelsteuergesetzes. Ein neuerlicher britischer Versuch im Jahre 1767, Zölle einzutreiben, führte im März 1770 in Boston zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen Bürgern in den Kolonien und britischen Soldaten (Boston Tea Party). Aus dieser Konfrontation entwickelte sich schließlich im Frühjahr 1775 nach ersten Zusammenstößen zwischen britischen Soldaten und amerikanischen Milizen der Unabhängigkeitskrieg, der zur Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika als Bundesstaat führte.

Morgenthau-Plan

Auf den US-amerikanischen Finanzminister Henry Morgenthau jr. zurückgehender Plan - vorgelegt auf der Konferenz von Quebec im September 1944) -, das Deutsche Reich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges industriell abzurüsten, zu verkleinern und aufzuteilen (in einen protestantischen Nord- und einen katholischen Südstaat), Deutschland sollte überwiegend in einen Agrarstaat gewandelt werden, damit von seinem Boden nie wieder ein Bedrohung für andere Völker ausgehe. Obwohl sowohl Franklin .D. Roosevelt als auch Winston Churchill diesen Plan bereits gebilligt hatten, wurde die Ausführung des Planes nach heftigem Widerstand in Regierung und Öffentlichkeit bereits im September 1944 mißbilligt. An seiner Stelle wurde beschlossen, Deutschland zu besetzen, einer allmählichen Demokatisierung zuzuführen und als Bollwerk gegen den Kommunismus zu stärken.

Reichstagsbrand

In der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1933 brannte das Gebäude des Deutschen Reichstags in Berlin. Bereits kurz nach dem Brand kam in der Bevölkerung das Gerücht auf, Hermann Göring, der damalige preußische Ministerpräsident, habe hierzu selbst den Auftrag erteilt. Obwohl Beweise, die diese Behauptung stützen könnten, nicht erbracht werden konnten, zogen die seit dem 30. Januar 1933 an der Macht befindlichen Nationalsozialisten aus diesem ”Fanal” politischen Nutzen, indem sie die wichtigsten Grundrechte durch den Erlaß der Notverordnung des greisen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg ”zum Schutz von Volk und Staat” (Reichstagsbrandverordnung, 28.2.1933) außer Kraft zu setzen (und es den revalisierenden Kommunisten in die Schuhe schoben und unmittelbar nach dem Brand Verhaftungswellen durchführten.In dem zwischen September und Dezember 1933 in Leipzig stattfindenden Prozeß wurde der niederländische Kommunist Marinus van der Lubbe, der noch in der Brandnacht verhaftet worden war, vom Reichsgericht zum Tode verurteilt. Die übrigen Angeklagten, darunter der Bulgare Georgi Dimitrow, wurden mangels Beweisen freigesprochen, zu sowjetischen Staatsbürgern erklärt und in die UdSSR entlassen. Der ebenfalls angeklagte und freigesprochene Ernst Torgler (*1893, †1963), der Fraktionsvorsitzender der KPD war, wurde bis 1935 in ”Schutzhaft” genommen. Die Alleintäterschaft van der Lubbes gilt heute weitgehend als gesichert, wenngleich immer wieder Zweifel geäußert wurde.

Suffragetten

[lat.: suffragium: Stimmrecht] Selbstgewählte Bezeichnung der radikalen Kämpferinnenin in Großbritannien, die in der Zeit bis zum Ersten Weltkrieg für die politische Gleichberechtigung der Frau eintraten. Die bekannteste Führerin war Emily Pankhurst.

Oktoberrevolution

Bezeichnung für die Machtübernahme der Bolschewiki in Petrograd, dem heutigen Sankt Petersburg, am 25.10./7.11.1917 (Oktoberrevolution, da damals in Rußland noch der julianischen Kalender Gültigkeit hatte).

Vorgeschichte:

Der größte Teil der russischen Bevölkerung lebte in dem autokratisch und repressiv regierten Land seit Jahrhunderten unter äußerst schwierigen ökonomischen und sozialen Bedingungen. Immer wieder kam es unter Studenten, Intellektuellen, Arbeitern, Bauern, aber auch Adeligen zu Bewegungen, deren Ziele es waren, die autokratische, absolutistische Herrschaft der Zaren zu beenden und eine konstitutionelle Monarchie zu errichten. Erwähnenswert sind die von Stenka Rasin (1667-71) und Emiljam Pugatschew 1773-74) angeführten Bauernaufstände. In diesem Zusammenhang sind von besonderer Bedeutung der 1825 gegen Zar Nikolaus I. gerichtete Aufstand russischer, von den Idealen der Französischen Revolution begeisterter Offiziere, der Dekabristen, und die durch den Petersburger Blutsonntag (9.1./ 22.1.1905) ausgelöste Revolution von 1905. Beide Umsturzversuche endeten in Fehlschlägen. Zuvor war bereits seitens Alexanders II. nach dem verlorenen Krimkrieg (1854-56), dessen Folge eine Hungersnot gefolgt von Unruhen war, 1861 die Leibeigenschaft aufgehoben worden; diese Maßnahme war jedoch letztlich nicht geeignet, die Situation der Bauern zu verbessern, da sie mit Tilgungszahlungen der Hypotheken und Steuern weiterhin belastet waren, mit denen die Grundherren entschädigt wurden.

Die Revolution:

Als am Ende des Ersten Weltkriegs Rußland den Teilfrieden mit Deutschland, den ”Raubfrieden” von Brest-Litowsk, schloß, kam zu einem unter Führung Lenins programmatisch (Aprilthesen) und konspirativ vorbereiteten und am 10./23.)10. vom Zentralkommitee (ZKKreuzer Aurora) der bolschewistischen Partei beschlossenen bewaffneten Aufstand gegen die Provisorische Regierung, die nach der erzwungenen Abdankung des Zaren Nikolaus’ II. im Frühjahr vorübergehend die Staatsgeschäfte übernommen hatte. Dessen militärischer Organisator wurde Lew (Leo) Davidowitsch Trotzki, der am 25.10./7.11. alle strategisch wichtigen Punkte der Stadt durch revolutionäre Truppen besetzen ließ und in der Nacht vom 25. auf den 26.10. (vom 7. zum 8.11.) das Winterpalais in Sankt Petersburg stürmen ließ, nachdem durch den Abschuß einer Platzpatrone aus der Bugkanone des Kreuzers Аврора (Aurora), der unweit des Gebäudes am Kai der Newa lag, das Signal gegeben worden war. Es erfolgte die sofortige Verhaftung der Mitglieder der Provisorischen Regierung mit Ausnahme Alexander Fjodorowitsch Kerenskijs, dem die Flucht nach Frankreich gelang. In Moskau endeten die blutigen Kämpfen erst am 3./16.11.1917. Die Oktoberrevolution war der Beginn einer radikalen politisch-sozialen und ökonomischen Umwälzung in Rußland , die in eine bolschewistischen Einparteienherrschaft und den erste kommunistisch regierten Staat der Erde mündete (1918 erfolgte Gründung der ”Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik”, aus der 1922 schließlich die Sowjetunion (Sojus Sowjetskich Sozialistitscheskich Respublik) hervorging.

Sturm auf den Winterpalast 1917 (Nachstellung des Ereignisses aus dem Jahre 1920)

 

 

Russisch-Japanischer Krieg

Durch die expansive russische Fernostpolitik und das japanische Großmachtstreben entstanden in Fernost Spannungen, die sich in einer militärischer Auseinandersetzung entluden. Die Spannungen hatte sich bereits in den 1890er Jahren entwickelt, als beide Länder über die Kontrolle über die Mandschurei und die Halbinsel Liaodong mit dem eisfreien Hafen Port Arthur uneins waren. Die russische Weigerung, Korea ganz dem japanischen Einfluß zu überlassen, führte am 8./9.2.1904 zum japanischen Angriff auf die russische Kriegsflotte in Port Arthur. Nach der Schlacht um Port Arthur und den russischen Niederlagen bei Mukden und in der Seeschlacht bei Tsushima nahm Zar Nikolaus II. ein Vermittlungsangebot des amerikanischen Präsidenten Theodore Roosevelt an. Am 5.9.1905 wurde der Vertrag von Portsmouth unterzeichnet. Rußland mußte die Pacht von Liaodong aus dem Jahre 1898 und die Konzession für die südmandschurische Eisenbahn Japan überlassen, das auch den Südteil der Insel Sachalin, über deren Zugehörigkeit bis heute gestritten wird, erhielt, und das ein Protektorat über Korea errichten konnte. Damit erlangte Japan die Vormachtstellung in Ostasien.

Krimkrieg

Von 1853 bis 1856 zwischen dem zaristischen Rußland auf der einen und dem Osmanischen Reich, Frankreich, Großbritannien und ab 1855 auch Piemont-Sardinien (dem Vorläuferstaat des späteren Italien) auf der anderen Seite geführter Krieg, dessen Auslöser die Spannung zwischen dem Osmanischen Reich und dem zaristischen Reich unter Nikolaus I. war, das sich als Schutzmacht seiner im Osmanischen Reich lebenden christlichen Untertanen sah. Als der Sultan Nikolaus’ durch Fürst Alexander Menschikow (*1789, †1869) nach Konstantinopel überbrachte ultimative Forderungen, u.a. Zugang der orthodoxer Christen zu den heiligen Stätten des Christentums, ablehnte, besetzten russische Truppen die Donaufürstentümer Moldau und Walachei. Daraufhin erklärte die Türkei Rußland im Oktober 1853 den Krieg. Aus Gründen der ”balance of power”, eines militärischen und politischen Gleichgewichts, ergriffen Großbritannien und Frankreich die Seite des Osmanischen Reichs und erklärten Rußland Ende März 1854 ihrerseits den Krieg. Von Oktober 1854 bis September 1855 belagerten britische und französische Streitkräfte sowie ein italienisches Hilfscorps die Festung Sewastopol, deren Fall zu Waffenstillstandsverhandlungen mit dem Nachfolger Nikolaus’, Alexander II., zur Beendigung des Krieges führte. Der Vertrag von Paris (30.3.1856) ließ den Bestand des Osmanischen Reiches unangetastet, das Schwarze Meer wurde allerdings neutralisiert. Rußland und die Türkei durften gemäß der sogenannten Pontusklausel weder Küstenbefestigungen anlegen noch Kriegsschiffe unterhalten. Der Krimkrieg führte zu einer dauernden Verstimmung zwischen Russland und Österreich, da das Verhalten Österreichs während der kriegerischen Auseinandersetzung durch die Mobilmachung seiner grenznahen Truppen die Russen gezwungen hatte, die Donaufürstentümer wieder zu räumen. Der Krieg, der einer halben Million Menschen das Leben kostete, beendete außenpolitisch die dominierende Rolle Rußlands nach dem Ende der Napoleonischen Kriege und führte innenpolitisch zu weitreichenden Reformen in Verwaltung, Bildung und in der zaristischen Armee; so wurde nach einer Hungersnot und Unruhen unter der bäuerlichen Bevölkerung 1861 die Leibeigenschaft aufgehoben.

Monroedoktrin

In einer Ansprache vor dem Kongreß hatte der US-amerikanische Präsident James Monroe am 2. Dezember 1823 die von seinem Außenminister Quincy Adams konzipierten Prinzipien der amerikanischen Außenpolitik vorgestellt, denen zufolge sich die europäischen Mächte nicht in Angelegenheiten der Staaten auf den amerikanischen Kontinent einmischen sollten; im Gegenzug würden sich die Vereinigten Staaten von denjenigen Europas fernhalten. Anlaß war zunächst die russische Expansion in Alaska und eine befürchtete Intervention der Heiligen Allianz in den ehemaligen spanischen Kolonien in Mittel- und Südamerika gewesen. ”Dank der Freiheit und Unabhängigkeit, welche die amerikanischen Kontinente erworben haben und aufrechterhalten, sind sie von nun an nicht mehr als Subjekte zukünftiger Kolonisierung durch europäische Mächte anzusehen.” Allerdings wandelte sich die Bedeutung der Monroedoktrin aufgrund der zunehmend imperialistischen Tendenzen der amerikanischen Außenpolitik gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als die Vereinigten Staaten sich mehr und mehr in der Rolle eines Wächters und einer Polizei für die beiden Amerikas zu verstehen begannen. Allerdings stieß diese Rolle zunehmend auf Widerstand in den solchermaßen beschützten Staaten Mittel- und Südamerikas, die nicht grundlos eine starke Einflußnahme seitens der USA befürchteten. Als Konsequenz aus dieser Ablehnung ersetzten die Herbert C. Hoover und Franklin D. Roosevelt die Doktrin durch eine Politik der “guten Nachbarschaft”. Das hinderte dies Vereinigten Staaten allerdings nicht, sich immer wieder diplomisch aber auch militärisch zu intervenieren, wie z.B. in der Kubakrise, mit dem Hinweis auf die Bedrohung ihres Territoriums und ihrer Interessen. Der die Nicht-Einmischung in Europa betreffende Passus wurde wurde fallengelassen.

Jugendbewegung

Eine um 1900 einsetzende Entwicklung, die durch eine pädagogische, geistige und kulturelle Erneuerungsbewegung eine Überwindung der einengenden Großstadtzivilisation, der Industriegesellschaft und einen jugendspezifischen Lebensstil anstrebte. Durch Wanderfahrten, Lagerleben, Pflege des Volkstanzes und -liedes, des Laienspiels und einfacher Kleidung eine auf Freundschaft gegründete Gemeinschaft suchten die Jugendlichen dem wilhelminischen, gesellschaftlichen Korsett zu entkommen. Als Gegengewicht zum völkischen Schwärmertum entstand 1908 mit der ”Deutschen Akademischen Freischar”. Im Oktober 1913 formierte sich in Opposition zu studentischen Korporationen die ”Freideutsche Jugend” auf dem Hohen Meißner. Nach dem Ersten Weltkrieg nahm in der Weimarer Republik die schon vorher einsetzende Zersplitterung der Jugendbewegung weiter zu. So entstanden die unterschiedlichsten Gruppierungen: völkische, religiöse, konfessionell unabhängige und sozialistische Bewegungen. Soweit Verbände der Jugendbewegung im Dritten Reich nicht in der Hitler-Jugend aufgingen, wurden sie 1933 verboten. Erst nach 1945 wurden Jugendverbände - unter anderem Vorzeichen - erneut gegründet.

Christusmonogramm

bestehend aus den griechischen Buchstaben X (chi) für die lateinische Buchstabenkombination CH und P (rho) für das lateinische R christussymbolsteht es für die Anfangsbuchstaben des Namens Χριστός (Christos). Es wird auch als Konstantinisches Kreuz bezeichnet, da Konstantin der Große es erstmals auf die Schilde und das Labarum (= Hauptheeresfahne des römischen Heeres) malen ließ, da ihm prophezeit war, daß sein Heer dann den Sieg gegen Maxentius Daia hervortragen würde (”In hoc signo vinces”). Tatsächlich besiegt Konstantin ihm am 8.10.312 in der Schlacht an der Milvischen Brücke.

 

Perestroika

[russ..: перестройка Umbau]; Bezeichnung für den vom Generalsekretär der KPdSU Michail Gorbatschow 1985 in der Absicht, den Staat vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch zu bewahren, eingeleiteten Prozeß zum Umbau des verkrusteten und zentralisierten politischen und wirtschaftlichen Systems der Sowjetunion. Gleichzeitig wurde unter dem Begriff Glasnost [russ.: гласность für Öffentlichkeit] eine Reformierung in Gesellschaft, Kultur und Medien begonnen. Bei diesen Bemühungen sollte die Führungsrolle der KPdSU allerdings erhalten bleiben. Die Entwicklung stürzte den zentalistisch geführten Vielvölkerstaat in eine tiefe Krise, die schließlich - bedingt durch sich zuspitzende Wirtschaftsprobleme und interne Machtkämpfe (Boris Jelzin u.a.) sowie aufkeimende Nationalitätenkonflikten - 1991 zur Auflösung der Sowjetunion führte und Bildung des ”Gemeinschaft unabhängiger Staaten” (GUS) mit assoziierten Staaten. Die Umwälzungen und die in damit einhergehende Abkehr vom Hegemonieanspruch der Sowjetunion führten auch in den anderen europäischen kommunistischen Staaten zwischen 1989 und 1991 zu radikalen gesellschaftliche Veränderungen (DDR, Polen).

Fronde

[franz.: Schleuder]: war in Frankreich von 1648 bis 1653 ein gegen den Absolutismus der Regentin Anna von Österreich und ihres Ministers Mazarin, die während der Minderjährigkeit Ludwigs XIV. die Regierungsgeschäfte führten, gerichtetes politisches Bündnis des französischen Hochadels, der hohen Richterschaft der Parlamente (Gerichtshöfe). Der Aufstand, maßgebend bestimmt von Louis II., Prinz von Condé, wurde z. T. begleitet von gewaltsamen Auseinandersetzungen in Paris, aber auch der Provinz, bei denen schließlich die absolutistische Zentralgewalt siegte. Die Erfahrungen der Fronde bestimmten Ludwig XIV. in hohem Maß zum Ausbau seiner absoluten Herrschaft.

Hundertjährige Krieg

Bezeichnung für den Konflikt zwischen England und Frankreich, der in drei Phasen von 1337 bis 1453 dauerte. Anlaß war der Anspruch Eduards III. von England auf den französischen Thron. Den unmittelbaren Anlaß für den Beginn des Krieges gab der französische König Philipp VI. Valois, indem er im Mai 1337 die Gascogne für die französische Krone konfiszieren ließ. Andererseits erhob der englische König Eduard III. als Enkel Philipps IV., des Schönen Ansprüche auf den französischen Königsthron, die in Frankreich jedoch bestritten wurde, da sie über die weibliche Linie vermittelt waren. Eduard schuf ein umfassendes Bündnissystem, dem auch der deutsche Kaiser Ludwig der Bayer angehörte, um günstige Voraussetzungen für Durchsetzung seines Anspruchs zu schaffen, während Frankreich vor allem auf Schottland als Verbündeten zählen konnte. Nachdem die Engländer 1340 in der Seeschlacht vor dem flämischen Hafen Sluys einen ersten Sieg errungen hatten, suchte König Eduard die militärische Entscheidung auf dem Kontinent, als er im Juli 1346 zur Entlastung der bereits in der Gascogne und der Bretagne operierenden englischen Truppen an der Küste der Normandie landete, Caen einnahm und in das Landesinnere vordrang. Bei Crécy gelang dem englischen gegen ein überlegenes französisches Heer aus einer stark defensiven Position heraus am 26.8.1346 ein spektakulärer Sieg. Als schlachtentscheidend erwiesen sich dabei die englischen Bogenschützen, die zu Fuß kämpften und die tapfer angreifenden französischen Ritter mit einem Geschoßhagel von Pfeilen empfingen. Nach dem Sieg von Crécy hatte König Eduard freie Hand, um die strategisch wichtige Stadt Calais zu belagern, die nach tapferer Gegenwehr im August 1347 kapitulierte (Calais blieb bis weit in das 16. Jahrhundert hinein ein englischer Vorposten auf dem Kontinent). 1414 erneuerte Heinrich V. den Anspruch Englands auf den französischen Thron und nahm 1415 den Krieg wieder auf. Heinrich V. nutzte die Schwäche des durch innere Wirren infolge der Auseinandersetzung zwischen den Häusern Burgund und Orléans um die Regentschaft für König Karl VI. geschwächten Frankreich. Die englischen Truppen marschierten in Frankreich ein und schlugen die Franzosen 1415 bei Harfleur und am 25. Oktober 1415 in der entscheidenden Schlacht von Azincourt und besetzten Nordfrankreich bis zur Loire-Linie. Am 20.  Mai 1420 unterzeichneten Karl  VI. und Heinrich  V. den Vertrag von Troyes: Heinrich wurde Herzog der Normandie, Karl erkannte Heinrich als seinen Erben und als Regenten Frankreichs an, erklärte den Dauphin, seinen Sohn Karl (VII.) für illegitim und schloß ihn als Erben aus. Der Dauphin setzte daraufhin den Krieg gegen England fort. Nachdem Heinrich V. und Karl VI. 1422 gestorben waren, proklamierte sich der Dauphin als Karl VII. zum französischen König, während England erhob für seinen minderjährigen König Heinrich VI., für den Johann von Lancaster die Regentschaft führte, Anspruch auf den französischen Thron erhob, so daß Frankreich praktisch zweigeteilt war: Der Süden, in dem Karl sich gegen die Engländer behaupten konnte, erkannte Karl VII. als König an, der Norden anerkannte seinerseits Heinrich VI.. 1428 begannen die Engländer mit der Belagerung Orleans, der letzte bedeutende Bastion der Franzosen. Erst durch das Auftauchen und den Einsatz von Jeanne d’Arc, die - von göttlichen Visionen geleitet - den Dauphin überzeugte, daß sie die Franzosen zum Sieg führen werde führen könne, faßten die Franzosen wieder Mut und konnten die Belagerung durch die Engländer beenden und leiteten 1429 so den Wendepunkt des Hundertjährigen Krieges ein. Die französischen Truppen schlugen die Engländer in der Schlacht von Patay und drängten sie nach Norden ab. Karl VII. wurde in Reims zum König gekrönt. Er schloß mit Burgund, das bislang mit England verbündet gewesen war, 1435 mit dem Frieden von Arras einen separaten Frieden); Burgund kämpfte jetzt auf der Seite Frankreichs. Im folgenden Jahr konnte Karl Paris zurückerobern. 1450 eroberten die Franzosen die Normandie und 1451 die Guyenne zurück. Bis 1453 verloren die Engländer alle ihre französischen Territorien außer Calais. Der Krieg endete ohne förmlichen Friedensschluß.

Solidarnosc

[poln. für Solidarität]: am 17.9.1980 gegründeter erster unabhängiger polnischer Gewerkschaftsverband. Unter seinem Vorsitzenden (1980 bis 1990) Lech Walesa (*1943), dem späteren polnischen Staatspräsidenten, konnte die Gewerkschaft schon kurz nach ihrer Gründung 10 Millionen Mitglieder verzeichnen. Obwohl mit der Verhängung des Kriegsrechts am 13.12.1981 die Tätigkeit der Solidarnosc untersagt und ein Teil ihrer führenden Mitglieder interniert wurde, arbeitete sie in der Illegalität weiter. 1989 maßgeblich an Gesprächen zwischen Regierung und Opposition beteiligt und im April 1989 wieder legalisiert, konnte das Bürgerkomitee Solidarnosc die Parlamentswahlen im Juni 1989 gewinnen und mit T. Mazowiecki den Ministerpräsidenten stellen. Ihre Doppelfunktion als Gewerkschaft und politische Bewegung (Parlaments- und Regierungsarbeit) führte zu Spannungen innerhalb der Solidarnosc, aus der seit 1990 verschiedene eigenständige Parteien hervorgingen. 1993 scheiterte die Solidarnosc bei den Wahlen an der Fünfprozenthürde, konnte sich jedoch bei den Parlamentswahlen im September 1997 zusammen mit der Freiheitsunion (UW) die absolute Mehrheit erringen und mit Jerzy Buzek den Ministerpräsidenten stellen. Heute [Stand 2008] spielt Solidarnosc keine parteipolitische Rolle mehr, besteht jedoch als starke und unabhängige Gewerkschaft fort.

Renaissance

[franz.: Wiedergeburt, ital. Rinascita] die; Epoche der europäischen Geschichte, die ihren Ursprung im Italien des 14. Jahrhunderts hat, sich bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts erstreckte und sich durch ein wiedererwachendes Interesse an der Kunst und Kultur der klassischen Antike auszeichnete.

Kyffhäusersage

Sage von einem im Zechstein des südlichen Kyffhäusers südöstlich des Unterharzes und der Goldenen Aue an der Grenze Thüringens zu Sachsen-Anhalt gebildete Höhle, in der Friedrich I. Barbarossa schläft, um eines Tages aufzuwachen und die alte efriedrich_barbarossa_kyffhaeuserntschwundene Kaiserherrlichkeit des Reiches zu erneuern. In dieser Höhle soll man den Kaiser sehen können, wie er auf einer Bank sitzt und schläft. Sein roter Bart sei schon durch den steinernen Tisch gewachsen.

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Am Kyffhäuserdenkmal

 

 

 

Abkommen von Dayton

Abkommen, das 1995 den Krieg in Bosnien und Herzegowina und Kroatien nach dreieinhalb Jahren beendete. Der Vertrag wurde unter internationalem Druck durch Vermittlung der USA mit Beteiligung der Europäischen Union und unter der Leitung des damaligen US-Präsidenten Bill Clinton am 21.11.1995 in Dayton (Ohio) paraphiert und am 14.12.1995 in Paris unterzeichnet. Die Unterzeichner waren der serbische Präsident Slobodan Miloševic, der kroatische Präsident Franjo Tudjman und der bosnisch-herzegowinische Präsident Alija Izetbegovic. Gemäß des Abkommens blieben Bosnien und Herzegowina als Gesamtstaat mit der Hauptstadt Sarajevo, einem Parlament erhalten. Dieser Gesamtstaat mußte jedoch große Teile seiner Kompetenzen an die beiden Einheiten, die Muslimisch-Kroatische Föderation und die Serbische Republik, abtreten. Während der Muslimisch-Kroatische Föderation 51 Prozent des Gesamtterritoriums zugeschlagen wurde, verblieben die restlichen 49 Prozent des Landes bei der Serbischen Republik. Allerdings anerkannte der Vertrag die ethnischen Säuberungen nicht und garantierte allen Flüchtlingen das Recht auf Rückkehr in ihre Heimat.

NATO-Doppelbeschluß

Bezeichnung für den am 12.12.1979 vom NATO-Rat verabschiedeten Beschluß über die Modernisierung und Erweiterung der nuklearen Mittelstreckenwaffen in Westeuropa als Gegengewicht zu den bereits installierten sowjetischen Mittelstrecken vom Typ SS-20 bei gleichzeitigem Angebot an die UdSSR, bis zum vorgesehenen Beginn der Stationierung über Mittelstreckenwaffen in Europa zu verhandeln. Das Ergebnis dieser Verhandlungen sollte über die Stationierung der NATO-Mittelstreckenwaffen entscheiden. Der NATO-Doppelbeschluß wurde in den europäischen NATO-Staaten durchgesetzt, obwohl zu heftigen politischen Widerständen besonders auch seitens der Friedensbewegung kam. Es kam schließlich am 8.12.1987 im Rahmen einer ”doppelten Nullösung” zur Unterzeichnung des Vertrages zwischen der UdSSR und den USA über die Beseitigung ihrer Raketen mittlerer und kürzerer Reichweite.

Appeasement

[engl.: Beschwichtigung]; Bezeichnung für die von Neville Chamberlain Mitte der 1930er Jahre verfolgten Politik, einen weiteren Krieg in Europa zu verhindern, indem nach einem Interessensausgleich der Westmächte mit den sog. Mittelmächten Deutschland, Italien und Japan gesucht wurde. Die Verhandlungen, an denen außer dem Premierminister Großbritanniens die Regierungschefs von Frankreich und Italien teilnahmen, gipfelten in dem am 30.9.1938 abgeschlossenen Münchner Abkommen. Berühmt geworden ist die bei Rückkunft in England unmittelbar nach der Landung des Flugzeugs von Chamberlain gehaltenen Rede, die in dem Satz gipfelte: ”This is time in our time”. Hitler hatte das Abkommen jedoch nur geschlossen, um Zeit für weitere Aufrüstung für seinen Überfall auf Polen zu gewinnen.

Berliner Blockade

Die während des ”Kalten Krieges” in die erste Berlinkrise mündende Kraftprobe zwischen den Westmächten und der Sowjetunion als Besatzer West- bzw. Ostberlins. Auslöser für die Blockade war die am 20.6.1948 in den drei Westzonen Deutschlands eingeführte Westmark. Die UdSSR reagierte auf die Währungsreform am 24.6.1948 mit einer vollständigen Blockade Westberlins, die mit der Unterbrechung der Elektrizitätsversorgung aus dem Ostsektor und der sowjetischen Zone begann. Durch die anschließende Sperrung des gesamten Personen- und Güterverkehrs zu Lande und auf dem Wasser zwischen Westdeutschland und Berlin wollte Stalin durch Aushungern der Bevölkerung im Westteil Berlins die Einführung der Westmark verhindern und somit Berlin dem Einfluß der Westmächte entziehen. Die Vereinigten Staaten und Großbritannien konterten auf Initiative des amerikanischen Militärgouverneurs Lucius D. Clay zwischen Westdeutschland und Westberlin mit einer Luftbrücke, einer Versorgung der Bevölkerung mittels der sog. Rosinenbomber (Candy-Bomber), die während der elfmonatigen Blockade mit ca. 200.000  Flüge - es landeten etwa alle zwei bis drei Minuten Flugzeuge - ungefähr zwei Millionen Tonnen an Lebensmittel und Waren aller Art nach Berlin brachten. Um die Kapazität zu erweitern, wurde innerhalb von nur drei Monaten zusätzlich zu dem bereits bestehenden Flughafen Berlin-Tempelhof der Flughafen Tegel aus dem Boden gestampft. Heute erinnern Denkmäler in Berlin und am Rande des Frankfurter Flughafens an die Blockade Westberlins, die von der Sowjetunion nach einem Abkommen der vier Besatzungsmächte am 4.5.1949 in New York abgebrochen und am 12.5.1949 offiziell - ohne daß sie ihr Ziel erreicht hatte - beendet wurde.

Sozialismus

Die Mitte des 19. Jahrhunderts entstandenen konkreteren Ideen des Sozialismus als Gegenbewegung zum bürgerlichen Liberalismus hatten zunächst das Ziel, die Lage der während der zunehmenden Industrialisierung wachsenden Arbeiterschaft zu verbessern, ihr ein politisches Mitspracherecht zu erkämpfen, das ihr Schutz vor Unterdrückung und Ausbeutung, ein sicheres Leben und soziale Gleichheit und Gerechtigkeit bringen sollte. Der Weg, auf dem dieses Ziel zu erreichen wäre, brachte die unterschiedlichsten Denkansätze hervor. Diese reichten von Reformen, mittels deren man auf legalem Wege das Ziel erreichen Reformen wollte, bis hin zu der Vorstellung, man könne nur mittels revolutionärer Aktionen, ja einem gewaltsamen Umsturz eine Gesellschaftsveränderung zu erreichen. Solons Gesetze, die wenn auch gescheiterten Reformen der Gracchen-Brüder oder das Ur-Christentum waren erste historisch belegte Versuche in dieser Hinsicht. Später waren Thomas Morus und Jean-Jacques Rousseau Vordenker der Idee; Frühsozialisten wie François Noël Babeuf (*1760, †1797), Henri Comte de Saint-Simon, Louis-Auguste Blanqui, Charles Fourier (*1772, †1837), Pierre-Joseph Proudhon, William Godwin, Robert Owen, Pjotr Kropotkin und John Stuart Mill legten politische Konzepte von quasi-absolutistischen Diktaturen bis hin zu einem Anarchismus, der jegliche staatliche Einmischung strikt ablehnt, vor. Karl Marx, der im Februar 1848 sein Kommunistischen Manifest veröffentlichte und der Arbeiterklasse die führende Rolle im Kampf um die Verwirklichung der Ziele des Sozialismus zuwies, löste in der Folge eine Bewegung aus, die über die Oktoberrevolution in Rußland mit seinen Auswirkungen auf die europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts bis zur Gründung des kommunistischen Chinas führte. Alle diese Entwicklungen scheiterten, trotz besserer Einsicht, an der menschlichen Natur (”homo homini lupus” [Plautus]), die gemäß Sigmund Freud aggresiv und egoistisch ist.

Punische Kriege

Bezeichnung für die drei vom republikanischen Rom im 3. und 2. Jahrhundert v. Chr. gegen Karthago geführten Kriege.

814 v. Chr. hatte die phönizische Dido nach der Ermordung ihres Gatten mit ihren Anhängern Tyros verlassen und Karthago gegründet. Aufgrund ihrer günstigen Lage im Schnittpunkt der Seehandelswege von Osten nach Westen blühte die Stadt rasch auf. und übte einen erheblichen Einfluß auf die am Thyrennischen Meer gelegene Städte aus. Andererseits war Rom nach der Niederringung des epirotischen Königs Pyrrhos (*~319/18 v. Chr., † 272 v. Chr.) im Jahre 275 v. Chr. in der Schlacht bei Beneventum zu einer Macht in ganz Italien und im Mittelmeerraum geworden, wenngleich der Einfluß auf die socii zunächst nur politischer Natur war, während die wirtschaftliche Einheit später eintrat. Insofern hielten die Karthager, die die Römer Poeni (= Phönizier) nannten, Rom, das noch nicht über eine Handels- und Kriegsflotte verfügte, für ungefährlich. Noch 348 v. Chr. hatten beide Mächte einen seit dem 6. Jahrhundert bestehenden Handelsvertrag erneuert. Die Situation änderte sich erst, als alle Häfen Süditaliens dem römischen Reich angegliedert worden waren und auch die Interessen Neapels und Tarents, alte Widersacher Karthagos, mit denen Roms übereinstimmten. Den Karthagern wurde jetzt bewußt, daß sich Rom auch bald in Angelegenheiten Siziliens einmischen könnte, dessen ganzes westliches Drittel karthagisch war. Es kam zu Spannungen und schließlich zu Konflikten mit der bislang politische und wirtschaftliche Vormachtstellung Karthagos. Die Auseinandersetzungen weiteten sich schließlich auch auf Hispania (Spanien) aus, wohin die Karthago zunächst unter Hamilkar Barkas (*~270, †229 v. Chr.) ihre Interessensphäre, dann unter Hannibal, einem Sohn Hamilkars, ausgedeht hatten. Dennoch ”rutschte” Rom quasi in den Konflikt mit Karthago hinein.

1. Punischer Krieg (264 bis 241 v.Chr.)

Kampanische Söldner, die zuvor in syrakusianische Diensten gestanden hatte, bemächtigten sich nach dem Tode des Tyrannen Agathokles (289) der Stadt Messana (heute Messina) und gründeten dort den Staat der Marmertini. Als diese im Kampf gegen Hieron II., der seit 269 König in Syrakus war, zu unterliegen drohten, wandte sich ein Teil von ihnen an Karthago um Hilfe, ein anderer an Rom. Als Karthago dem Hilferuf folgte und Messana besetzte, sah Rom den wichtigen Handelsweg durch die Meerenge von Messina bedroht und entsandte Truppen nach Sizilien, um die Stadt von den Karthagern zu befreien (vermutlich war das Ziel der Römer jedoch, die Karthager gänzlich von der Insel zu vertreiben). Zwar gelang es den römischen Truppen innerhalb kürzester Zeit, die Karthager mit Hilfe des mächtigen Syrakus, das sich mit Rom verbündete, auf den äußersten Westen der Insel nach Lilybaion (heute Marsala) und Drepanum (heute Trapani) zurückzudrängen; eine vollständige Niederlage konnten sie den Karthagern jedoch nicht beibringen, da es ihnen damals noch an einer schlagkräftigen Seemacht ermangelte. Die Karthager hatten einige schwerwiegende Fehler gemacht: so hatten sie nicht verhindert, daß römische Truppen über die Straße von Messina nach Sizilien übersetzten (was ihnen mit ihrer Seemacht ein Leichtes gewesen wäre), sie hatten zudem kein Heer herbeigeschafft, das in der Lage gewesen wäre, den Truppen effektiv entgegenzutreten, und es gelang ihnen ebenfalls nicht, die Freundschaft Hierons zu erhalten, ohne dessen Hilfe und besonders deren Lebensmittellieferungen das römische Heer nicht hätte reüssieren können. Und sie wurden von einer neuen Kriegstechnik der Römer überrascht, die ihnen unbekannt war: der Enterbrücke. Hiermit versah Rom seine innerhalb kürzester Zeit aufgerüstete Flotte, so daß die erprobten römischen Landtruppen ihre Fertigkeiten auch auf dem Wasser zum Einsatz bringen konnten. So gelang es einer Flotte von 120 Schiffen unter dem Befehl des Feldherrn Gaius Duilius, die Flotte der Karthager in mehreren Seeschlachten zu besiegen: 260 v. Chr. bei Mylai (heute Milazzo), 256 v. Chr. beim Kap Eknomos an der sizilischen Südküste sowie 255 v. Chr. bei Kap Bon im Golf von Tunis (als Erinnerung an den ersten großen Sieg der Römer wurde eine auf dem Forum Romanum aufgestellte Säule mit den erbeuteten karthagischen Schiffsschnäbel geschmückt). Lilybaion blieb als letzter Stützpunkt auf Sizilien allerdings weiterhin in karthagischer Hand. Aufgrund der errungenen Erfolge glaubte Rom, ihren Feind nunmehr in seinem eigenen Land angreifen zu können und entsandten ein Expeditionsheer unter der Führung des Konsuls Marcus Atilius Regulus im Sommer des Jahres 256 v. Chr., das 255 in Nordafrika landete. Zwar konnten die Römer einen Teil des karthagischen Landes zerstören, aber sie verfehlten das Ziel, die Stadt Karthago zu erobern. Im Gegenteil gelang es der unter der Führung des herbeigerufenen griechischen Söldners Xanthippos stehenden Reiterei und Elefanten der Karthager, dem römische Heer eine vernichtende Niederlage beizubringen: Die Masse des Expeditionsheeres geriet in Gefangenschaft, wenigen konnten sich nach Sizilien retten. Regulus, der ebenfalls in Gefangenschaft geriet, wurde - der Sage nach - nach Rom geschickt, um den Austausch der Gefangenen zu vermitteln. Nachdem er selbst und der Senat sich dagegen ausgesprochen hatten, kehrte er nach Karthago in den sicheren Tod zurück. Außerdem gelang es den Römern nicht, die von Land her stark gesicherten Festungen Lilybaion und Drepanum einzunehmen. In dieser Situation erkannten die Römer, daß nur eine starke Flotte eine Entscheidung herbeiführen könne. Mit einer neuen Flotte von 200 Kriegsschiffen gelang dem Konsul Gaius Lutatius Catulus schließlich 241 v. Chr. ein entscheidender Seesieg bei den westlich von Sizilien gelegenen Ägadischen Inseln. Aber auch Rom war schließlich so geschwächt, daß ein relativ milder Frieden geschlossen wurde: Karthago mußte die Gefangenen freigeben, eine Kriegsentschädigung von 3.200 Talenten zahlen und alle seine sizilischen Besitzungen an Rom abtreten. Die Insel fiel 227 v. Chr. als römische Provinz an Rom - lediglich Syrakus blieb als Bundesgenosse Roms selbstständig. Im Zuge dieser Ereignisse besetzte Rom auch Sardinien und Korsika; beide Inseln wurden schließlich 237 v. Chr. ebenfalls römische Provinzen.

2. Punischer Krieg (218 bis 201 v. Chr.)

Die Karthager hatten ihre Aktivitäten nach ihrer Niederlage im 1. Punischen Krieg nach Spanien verlagert, wo Hasdrubal 237 v. Chr. Carthago Nova (heute Cartagena) gründete. Diese Entwicklung beunruhigte die Römer, und sie schlossen mit Saguntum (heute Sagunt) ein Bündnis und setzten mit Hasdrubal eine bis zum Ebro reichenden Interessensphäre fest.

Als der karthagische Feldherr Hannibal 219 v. Chr. das unter römischem Schutz stehende Saguntum angriff und 218 nach 8-monatiger Belagerung eroberte, forderte Rom die Auslieferung Hannibals. Als Karthago sich weigerte, dieser Forderung nachzukommen, erklärte Rom Karthago den Krieg. Noch bevor die Römer ihre Kriegsvorbereitungen hatten beenden können, zog Hannibal von Spanien aus über die Pyrenäen und durch Südfrankreich und überquerte schließlich mit 38.000 Mann, 8.000 Reitern und 37 Kriegselefanten die Alpen (vermutlich über den Col du Clapier im Gebiet des Mont Cenis). Bereits im ersten Kriegsjahr gelang cannaees Hannibal die römischen Truppen am Ticinius (heute Ticino im Tessin) und an der Trebbia und im Jahre 217 v. Chr. in Mittelitalien am Trasimenischen See vernichtend zu schlagen. Dennoch konnte Hannibal keinen vollständigen Sieg gegen Rom erringen, da die Römer die immer wieder angebotenen Schlachten nicht annahmen, sondern unter ihrem Führer, dem zum Diktator ernannten Quintus Fabius Maximus, der deswegen den Beinamen ”Cunctator” (Zauderer) erhielt, immer wieder einer Entscheidung auswichen. So zog Hannibal unbedrängt weiter nach Süden, an Rom vorbei, nachdem dort bereits der Schreckensruf erschallt war: "Hannibal ante portas”. In Süditalien, bei Cannae, kam es Anfang Juni 216 v. Chr. zu Roms die bittersten Niederlage. Dort trafen 80.000 Römer unter der Führung der Konsuln Lucius Aemilius Paulus und Gaius Terentius Varro auf die zahlenmäßig wesentlich unterlegeneren Karthager; allerdings war deren Reiterer in der Überzahl. Die Römer wurden eingekreist, und 50.000 Mann - drei Viertel ihres Heeres - wurden niedergemetzelt. Nun fielen fast alle Städte, außer Neapel, Rhegium (heute Reggio) und Tarent, von Rom ab, zumal Rom schon zuvor keinerlei Maßnahmen zum Schutz seiner Bundesgenossen unternommen hatte. Seinen Sieg konnte Hannibal jedoch nicht vollständig nutzen, um Rom niederzuringen; da er aus Karthago keine weitere Unterstützung mehr erhielt - Karthago befürchtete eine Angriff der Römer in Afrika -, trat die von Quintus Fabius Maximus erhoffte Ermürbung der karthagischen Truppen ein. Außerdem kam auch das mit dem makedonischen König Philipp V. angestrebte Bündnis nicht zustande, mit dessen Hilfe römische Truppen in Makedonien hätten gebunden werden können; Rom hatte rechtzeitig ein griechisches Bündnis gegen Philipp organisiert, das ihn zwang, seine Kräfte auf seine eigene Verteidigung zu bündeln. Schließlich versuchte der römische Konsul Marcus Claudius Marcellus die Stadt Syrakus zu stürmen (die Stadt hatte nach dem Todes des römerfreundlichen Hierons II. (~306 v. Chr., †215 v. Chr.) unter dessen Nachfolger Hieronymus - durch die Siege Hannibals beeindruckt - mit den Karthagern einen Friedensvertrag geschlossen). Er konnte sie jedoch dank der von Archimedes ersonnenen Verteidigungtechnik zunächst nicht einnehmen; erst eine Unachtsamkeit der Verteidiger während des Artemisfestes und die Bestechung eines spanischen Söldnerführers ermöglichte es den Römer, 212 v. Chr. in die Stadt einzudringen (während des Kampfes wurde Archimedes durch einen römischen Soldaten getötet). Schließlich eroberte Rom 211 v. Chr. Capua und 209 v. Chr. Tarent zurück, Städte die zuvor von Rom abgefallen und zu Hannibal übergelaufen waren. 209 v. Chr. schlacht_metaurusgelang es dem Feldherrn und Konsul Publius Cornelius Scipio, später aufgrund seiner Verdienste später Africanus genannt, Carthago Nova (heute Cartagena) in Spanien einzunehmen. Hannibal rief nunmehr Hasdrubal mit dem größeren Teil der Truppen auszama Spanien herbei. Dieser wurde jedoch, nachdem er mit seinen Truppen über Gallien und die Alpen nach Italien kam, ohne daß es ihm zuvor gelungen wäre, sein Heer mit dem seines Bruders zu vereinen, 207 v. Chr. am Metaurus bei Sena Gallica (heute Senigallia in den Marken) von den Römern dank ihrer beweglichen Reiterei vernichtend geschlagen: 10.000 Soldaten auf der karthagischen Seite bleiben auf dem Schlachtfeld. 204 v. Chr. landete Scipio bei Utica in Nordafrika und schlug die Karthager. Die daraufhin eingeleiteten Friedensverhandlungen scheiterten 203 v. Chr., da man in Karthago auf Entsatz durch Hannibal rechnete, der nunmehr, nachdem man ihn zuvor nicht unterstützt hatte, zurückbeordert wurde. Aber schon im Folgejahr konnte Scipio Hannibal in der Entscheidungsschlacht von Zama (im heutigen Nordtunesien) schlagen. 201 v. Chr. schlossen Rom und Karthago Frieden: Karthago mußte auf Spanien und die noch in seinem Besitz befindlichen Mittelmeerinseln verzichten sowie einen Teil seines nordafrikanischen Besitzes aufgeben. Außerdem mußte es seine Kriegsflotte bis auf ein Kontingent von zehn Schiffen an Rom ausliefern und 10.000 Talente Silber an Rom zahlen. Kriege durfte es zudem nur noch mit Zustimmung Roms Krieg führen. Ab sofort war Rom die neue Großmacht im Mittelmehr und den angrenzenden Ländern.

3. Punischer Krieg (149 bis 146 v. Chr.)

Da sich Karthago ständigen Angriffen des benachbarten Numidien unter König Massinissa, der mit Rom verbündet war, ausgesetzt sah, brach es 150 v. Chr. den Friedensvertrag und griff Massinissa an. Rom, das eindeutige wirtschaftliche Interesse verfolgte und ein v.a. wirtschaftlich wiedererstarkendes Karthago - es hatte keine Flotte und kein hochgerüstetes Heer, fürchtete, erklärte Karthago daraufhin den Krieg, zumal Catos der Ältere am Ende jeder Sitzung des Senats die Zerstörung Karthagos mit den Worten ” Ceterum censeo Carthaginem esse delendam” [”Im übrigen bin ich der Meinung, daß Karthago zerstört werden muß”] gefordert hatte. Drei Jahre lang verstand es Karthago standzuhalten; erst 146 v. Chr. gelang es Publius Cornelius Scipio Aemilianus, die Stadt zu erobern und dem Erdboden gleich zu machen. Um ein erneutes Wiedererstarken Karthagos zu verhindern, ließ er den Boden der zerstörten Stadt mit Salz bestreuen und die 50.000 Überlebenden als Sklaven verkaufen.

Fazit: Rom war nach der Niederwerfung der Punier zwar jetzt das mächtigste nationale Staatswesen in der damals bekannten Welt und kontrollierte auf dem Mittelmeer jeglichen Schiffsverkehr; es sah sich in der Folge jedoch über viele Jahrzehnte hinweg erheblichen politischen Umwälzungen und sozialen Problemen gegenüber, die durch mehrere Faktoren ausgelöst würden, so z.B. durch den Wandel von einem bäuerlich geprägten Staat, wie ihn Marcus Portius Cato noch vertrat, zu einem solchen, der weitgehend von reichen Großgrundbesitzern und ihren Vertretern bestimmt wurde, dem Streben nach einem verfeinerten Leben, das die Römer jetzt kennenlernten. Sklaven wurden in Scharen ins Land gebracht, Bürger nach römischen Recht wurden arbeitslos, im Osten reich gewordene italische Kaufleute häuften ihre Reichtümer in Rom an, während auf dem Lande verarmte Bauern ihr Land an die reichen Spekulanten verkaufen mußten und strömten als agrarisches Proletariat in die Stadt und wurde zu einem sozial und wirtschaftlich abhängigen Klientel der angesehenen römischen Familien, während gleichzeitig die Landbevölkerung aufhörte, sich zu vermehren. Folge war die von den Gracchen-Brüdern, Tiberius und Gaius, eingeleiteten sozialrevolutionären Maßnahmen, die sie beide das Leben kosteten: Der eine wurde ermordet, der jüngere nahm sich - verfolgt von seinen Gegnern - das Leben. Auch der zwischen den Demokraten und der senatorischen Partei jahrelang erbittert geführte römische Bürgerkrieg, in dem – unter Mißachtung allen Rechts - ähnlich wie Jahrhunderte später während der Französischen Revolution Hunderttausende von Menschen in kriegerischen Auseinandersetzungen fielen oder schließlich sogar alleine durch proscriptiones, d.h. Aufnahme in Listen, gefangen genommen wurden und zu Tode kommen konnten, war letztendlich eine Folge der durch die Punischen Kriege ausgelöste Veränderung im römischen Staat. Diese katastrophalen Ereignisse endeten erst mit Octavian, dem nachmaligen Kaiser Augustus.

Perserkriege

Sammelbegriff der Kriege zwischen Persern und Griechen in den Jahren 492 bis 449/448 v.Chr..

Ursache:

Seit der Mitte des 6. Jahrhunderts gehörten auch die griechischen Städte in Ionien zum Machtbereich der Perser, die ihnen in kulturellen und religiösen Dingen sehr viel Freiheit ließen, so daß sich die dort lebenden Griechen mit der Herrschaft der Perser arrangiert hatten. .Die Tyrannen der griechischen kleinasiatischen Städte hatten sich sogar durch die Bereitstellung von Schiffen beim Skythenzug des Dareios I. beteiligt, mit dem der persische Einfluß in Thrakien gefestigt wurde, und der griechische Architekt Mandrokles aus Samos hatte die Schiffsbrücke über den Bosporus gebaut. Als aber die griechischen Pflanzstädte an der östlichen Küste Kleinasiens aufgrund der Ausweitung der persischen Macht die wirtschaftliche Konkurrenz der von den Persern begünstigten phönikischen Handelsstädte spürten und sich in ihrer wirtschaftlichen Vormachtstellung bedroht sahen, breitete sich bei ihnen der Wunsch aus, die Unabhängigkeit wiederzugewinnen. Die griechischen Städte in Kleinasien beschlossen daher unter Führung Milets den Aufstand gegen die persische Herrschaft,

Anlaß:

Diese als Ionischer Aufstand (500-494 v.Chr.), den die Mileter 499 v. Chr. begannen, indem sie die StadSardes in Brand setzten, wobei der Satrap Artaphrenes die Burg der Stadt halten konnte, bezeichnete Erhebung wurde auf Bitten von Aristagoras (†497 v. Chr. vor Milet) zwar seitens des griechischen Mutterlandes von Athen und Eretria (auf Euböa) unterstützt, aber von den Persern schließlich blutig niedergeworfen. Zur Sicherung ihrer Herrschaft über die kleinasiatischen Griechenstädte sowie ihres Weltreiches erschien es den Persern unter Dareios I. nach dem Ionischen Aufstand unverzichtbar, auch Griechenland selbst zu unterwerfen; zugleich handelte es sich um eine Strafaktion.

In Athen hatte sich nach dem fehlgeschlagenen Eingreifen in Kleinasien zunächst eine perserfreundliche, auf eine Versöhnung mit den Persern ausgerichtete Partei durchgesetzt; erst Themistokles, 493 v.Chr. Archon in Athen, konnte die Athener von der drohenden Gefahr eines persischen Angriffs überzeugen und sie zu Gegenmaßnahmen veranlassen. 492 v.Chr. unternahmen die Perser unter Mardonios, Schwiegersohn des Dareios, einen ersten Zug über den Hellespont und weiter zur See und zu Lande entlang der Nordküste der Ägäis in Richtung Griechenland. Diese Expedition scheiterte jedoch, als einerseits ein Großteil der persischen Flotte vor dem Berg Athos durch einen Sturm vernichtet wurde und auf der anderen Seite das persische Landheer in Thrakien schwere Verluste erlitt; dennoch konnten die Perser zumindest ihre Herrschaft in Thrakien festigen. 490 v.Chr. entsandte Dareios eine weiteres Heer nach Griechenland, diesmal direkt über die Ägäis und unter der Führung des medischen Feldherrn Datis und des Artaphernes, eines Neffen des Dareios. Die Perser nahmen zunächst Eretria und landeten dann in Attika. Die Athener unter Miltiades zogen ihnen nach Marathon entgegen, besiegten mit ihren Hoplitenphalangen die leichten persischen Truppen, drängten sie auf ihre Schiffe zurück und zwangen sie zum Rückzug nach Persien. In der Folge verklärten die Athener ihren Sieg, den sie im Wesentlichen allein erfochten hatten, als Errettung Griechenlands vor der persischen Oberhoheit. In Persien forcierte nun Dareios und nach dessen Tod 486 v.Chr. sein Sohn und Nachfolger Xerxes I. die Rüstungsanstrengungen; u.a. wurde eine Pontonbrücke über den Hellespont errichtet und ein Kanal durch die Athoshalbinsel gegraben. In Reaktion darauf rüstete Athen – wiederum auf Drängen des Themistokles – ab 483/482 v.Chr. seine Flotte salamisgewaltig auf; innerhalb kurzer Zeit wurde Athen so zur bedeutendsten Seemacht in Griechenland. 481 v.Chr. schlossen sich zudem der Peloponnesische Bund, Athen sowie einige andere Städte unter der Führung Spartas zu einem Bund (Symmachie) gegen die Perser zusammen. 480 v.Chr. stießen die Perser unter der persönlichen Führung ihres Königs Xerxes nach Griechenland vor, diesmal wieder zu Land und zur See entlang der Ägäis-Küste. Eine griechische Abwehrstellung im Tempetal in Thessalien überwanden die Perser ohne Schwierigkeiten, woraufhin sich die Griechen aus Nordgriechenland zurückzogen. Im August 480 v.Chr. besiegten die Perser nach Verrat in einer mehrtägigen Schlacht die Griechen unter Leonidas I. bei den Thermopylen; anschließend rückten sie durch Mittelgriechenland vor, wobei sich ihnen Böotien widerstandslos anschloß, und nahmen schließlich Athen, das zuvor auf Betreiben des Themistokles bis auf auf der Akropolis verbleibenden Priesterinnen, nach der Insel Salamis evakuiert worden war. Nach der Niederlage des Landheeres bei den Thermopylen hatte sich auch die griechische Flotte, die beim Kap Artemision im Nordosten von Euböa auf die persische getroffen war, trotz unentschiedenen Ausgangs der Seeschlacht zurückgezogen, und zwar in den Saronischen Golf bis in die Gegend des Isthmus von Korinth. Im September 480 v.Chr. provozierte Themistokles durch gezielte Indiskretion die Perser zu einem Angriff auf die griechische Flotte, die nun im Sund von Salamis lag, und schlug mit seinen kleinen, aber wendigen Schiffen in dem engen Gewässer die schwerfällige persische Flotte in der Schlacht von Salamis entscheidend. Xerxes und die Reste der persischen Flotte kehrten daraufhin nach Persien zurück; das Landheer unter Mardonios blieb in Griechenland. Im Frühjahr 479 v.Chr. fiel Mardonios erneut in Attika ein und nahm ein zweites Mal Athen, wurde dann aber von den vereinten Griechen unter dem Spartaner Pausanias bei Platää entscheidend geschlagen. Mardonios fiel in der Schlacht, die Perser zogen aus Griechenland ab. Etwa gleichzeitig wurden auch die Reste der persischen Flotte am Vorgebirge Mykale nördlich von Milet in Kleinasien von einer griechischen Flotte unter Leotychidas II. vernichtet. Die kleinasiatischen Griechenstädte und die vorgelagerten Inseln lösten sich daraufhin zum größten Teil griechenland_schlangensauleaus der persischen Oberhoheit und schlossen sich den Griechen an. Mit den griechischen Siegen bei Platää und Mykale endete die erste Phase der Perserkriege, die Phase der persischen Angriffskriege gegen Griechenland. Aus der reichen Kriegsbeute wurde ein goldener Dreifußkessel mit einer schlangenförmigen Säule gefertigt (Bild links), in die die Namen der verbündeten griechischen Staaten eingraviert wurden und der in Delphi geweiht wurde (Kaiser Konstantin hat die aus Erz bestehende Schlangensäule später nach Konstantinopel bringen lassen). Es begann jetzt die Phase der griechischen Gegenoffensiven. 478 v.Chr. lösten die Griechen unter Pausanias die griechischen Städte am Hellespont und Zypern aus der persischen Herrschaft. Als sich dann allerdings die kleinasiatischen Griechenstädte und die vorgelagerten Inseln dem spartanischen Oberbefehl entzogen, schied Sparta aus dem Krieg aus; Athen schloß sich nun mit den kleinasiatischen Städten und den Inseln zum 1. Attischen Seebund zusammen und übernahm die Führung im Krieg gegen die Perser. In den folgenden Jahren gelang es dem Bund unter der Führung des Kimon, die Perser unter Artaxerxes I. völlig aus der Ägäis zu verdrängen. Dann aber wurde die griechische Kriegführung zunehmend planlos, und Athen nutzte den Seebund nun vor allem zur Steigerung seiner eigenen Macht. 469 oder 466 v.Chr. gingen die Perser wieder in die Offensive, wurden jedoch beim Fluß Eurymedon an der kleinasiatischen Südküste von Kimon geschlagen. 460 v.Chr. entsandte der Seebund eine große Flotte nach Ägypten (damals eine persische Satrapie), das gerade durch innere, antipersische Unruhen geschwächt war. Nach anfänglichen Erfolgen erlitten die Griechen jedoch 456 v.Chr. eine schwere Niederlage im Nildelta, und 454 v.Chr. mußten sich die auf einer Nilinsel eingeschlossenen griechischen Truppen schließlich ergeben. 449 v.Chr. errangen die Griechen bei Salamis auf Zypern noch einen letzten Seesieg gegen die Perser; dann berief Perikles die athenischen Streitkräfte nach Athen zurück und schloß 449 oder 448 v.Chr. mit den Persern den Kalliasfrieden. Der gestand den kleinasiatischen Griechenstädten und den Inseln im Bereich des Attischen Seebundes die Autonomie zu, sperrte die Ägäis für die persische Flotte und untersagte den Griechen einen Angriff gegen die Perser. Das eigentliche Ende der Auseinandersetzungen zwischen Persern und Griechen bzw. den griechischstämmigen Kleinasiaten war die Zerstörung des persischen Reiches durch Alexander den Großen im Jahre 333 v. Chr.

Hambacher Fest

Großkundgebung der deutschen Einheits- und Freiheitsbewegung, die vom 27. bis 30. Mai 1832 auf Schloß Hambach bei Neustadt a.d. Weinstraße stattfand. Zu dem Treffen hatten die Publizisten Johann Georg August Wirth, der einer der Hauptredner war, und Philipp Jacob Siebenpfeiffer (*1785, †1849) alle freiheitlich gesinnten Kräfte aufgerufen. Unter den symbolischen Farben Schwarz-Rothambacherfest-Gold versammelten sich etwa 30.000 Menschen - unter ihnen der Schriftsteller Ludwig Börne und zahlreiche Mitglieder der verbotenen Burschenschaften sowie zahlreiche Bürger, Handwerker und Arbeiter. In den Festansprachen, die sich gegen die autokratischen kleinstaatlichen Verhältnisse in Deutschland richteten, wurden Forderung nach einem freien und geeinten Deutschland laut. Zugleich erklärte sich die Versammlung solidarisch mit dem Freiheitskampf in anderen europäischen Staaten, vor allem dem der Franzosen und der Polen. Metternich nahm diese Vorgänge zum Anlaß, im Deutschen Bund weitere verschärfte Maßnahmen durchzusetzen; so wurde die Presse-, Vereins- und Versammlungsfreiheit vollständig regementiert und einige der Initiatoren des Hambacher Festes wurden verhaftet, während es anderen gelang, ins Ausland zu fliehen.

 

 

 

Prätorianergarde

[lat.: cohors praetoria = zum Prätor gehörende Kohorte] seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. ursprünglich als Schutztruppe des Prätors, des kommandierenden Offiziers eingeführt. Kaiser Augustus wandelte sie in seine persönliche Leibwache, bestehend aus neun Kohorten von jeweils 500 Männern. Die Prätorianer, die in Rom - anders als alle anderen römischen Truppenteile - in einer festen Unterkunft untergebracht praetorianer_bdwaren, genossen außerdem zahlreiche Privilegien; so hatten sie eine kürzere Dienstzeit, wurden ausgezeichnet entlohnt und erhielten gesonderte, teilweise üppige Zuwendungen. Als sie beispielsweise nach Nervas Erhebung auf den Thron diese Sonderzuwendung nicht erhielten, sah sich der Kaiser gezwungen, einen der bedeutendsten Heerführer, den Legaten von Obergermanien, den aus Spanien stammenden Marcus Ulpius Traianus zu adoptierten, um sie zu beruhigen. Ansonsten spielten sie - auch später - in der Politik des Reiches und dessen Verwaltung keine Rolle, griffen aber immer wieder in Personalentscheidungen im Kaiserpalast ein, so setzten sie Claudius als Kaiser ein. Kaiser Konstantin der Große löste die Truppe schließlich im Jahre 312 auf.

 

 

 

Mitglieder der Prätorianergarde aus der Zeit Kaiser Hadrians.

 

 

 

Türkenkriege

Im Laufe der europäischen Geschichte gab es immer wieder kriegerische Auseinandersetzungen zwischen dem christlich geprägten Europa und dem Osmanischen Reich. Wir beschränken uns hier auf die Auseinandersetzungen zur Zeit Karls V. und Leopolds I..

Außer dem Königreich Frankreich war Karls einziger Konkurrent in Europa der Sultan des Osmanischen Reichs. Da sich das Osmanische Reich nach Norden und Westen auszubreiten drohte, sah Karl sich gezwungen, gegen dessen Sultan Süleyman (um die Tiara des Papstes noch zu übertreffen, hatte der in Venedig eine vierfache Krone herstellen lassen, was die Venezianer veranlaßten, ihn mit dem Beinamen ”Der Pächtige” zu bezeichnen) mehrere Kriege zu führen. 1521 hatten die Türken Belgrad erobert, besiegten 1526 in Ungarn, wo sie auch Buda erobert hatten, in der Schlacht von Mohács Ludwig II. von Ungarn, Karls Schwager, und rückten 1529 mit einer Armee von 120.000 Mann gegen Wien vor. Lediglich dem ewigen Regen - es war der regenreichste Sommer des Jahrhunderts -, der die Wege fast unpassierbar machte, ist es zu verdanken, daß die Wiener die Zeit fanden, ihre Befestigungsanlagen zu verstärken. Dennoch gelang es den osmanischen Truppen am 29.9.1530 den Belagerungsring um Wien zu schließen, und als am 9. und 13. Oktober Pulverlager explodierten und ein Teil der Mauer zerstört wurde, konnte sie in die Stadt eindringen. Nur Dank der spanischen Arkebusiere konnten die Osmanen schließlich abgewehrt werden, so daß Süleyman nach weiteren fruchtlosen Versuchen am 14.10. den Rückzug befahl. Karl selber konnte seinem Bruder Ferdinand I. nicht zu Hilfe eilen, da er in Italien gebunden war, aber er schloß wegen der ”Türkengefahr” 1532 auch mit den protestantischen Reichsständen den Nürnberger Religionsfrieden. Im April 1532 verließ Süleyman Istanbul, um sich auf seinen dritten Balkanfeldzug zu begeben. Seine Truppen rückten bis Güns (heute Köszeg), nur 100 Kilometer südlich von Wien gelegen vor, und wurden vor einem Weitermarsch auf Wien nur abgehalten, weil sich die Eroberung so lange hinzog und die Jahreszeit zu weit fortgeschritten war; so zogen sie sich plündernd durch die Steiermark zurück. Als Süleyman bei seiner Ankunft in Istanbul vom Sieg des venezianischen Admirals Andrea Doria über seine im westlichen Mittelmeer operierende Flotte vernahm, bot er dem Kaiser einen Waffenstillstand an, um den Karl sich zuvor vergebens bemüht hatte. Als der Piratenkapitän Chaireddin Barbarossa, vom Sultan beauftragt und mit neuen Schiffen ausgerüstet, im August 1534 das mit Spanien verbündete Tunis besetzte und den Handelsverkehr zwischen dem östlichen und westlichen Mittelmeer kontrollierte, landete im Juni 1535 ein Kreuzfahrerheer von ca. 35.000 Mann auf 400 Schiffen von Sardinien kommend, wo sie sich mit päpstlichen, genuesischen und italienischen Truppen vereint hatten, in der Nähe von Karthago. Barbarossa gelang es nicht, die Landung zu verhindern, und so gelang es der spanischen Infanterie La Golette (heute La Goulette), wo die osmanische Flotte lag, zu erstürmen und zu plündern und konnte mit Hilfe der sich erhebenden ca. 18 bis 20.000 versklavten Christen Tunis einnehmen. 1536 verbündete sich Franz I. mit Süleyman gegen Karl, 1537 trat Venedig in den Krieg ein, 1538 wurde seine von Andrea Doria befehligte Flotte in der Seeschlacht vor Preveza von den Türken geschlagen; Venedig schloß, wiederum um seine Handelsprivilegien zu retten, 1540 einen Separatfrieden, in dem es Dalmatien, die Ägäis und die letzten Städte auf Morea (Peloponnes) an die Türken abtrat. Ein 1543 mit Heinrich VIII. von England gebildetes Bündnis drängte Franz zum Waffenstillstand 1544 im Frieden von Crépy. Um einen Aufschub für die hohen Kosten ihres Krieges zu erreichen, unterzeichnete Karl später einen demütigenden Vertrag mit den Osmanen. 1552 siegten die Osmanen über die Habsburger bei Palast; das Königreich Ungarn wurde dreigeteilt, Kaiser Ferdinand I. mußte einen jährlichen Tribut von 30.000 Dukaten an die Osmanen zahlen.

Im 17.Jahrhundert beherrschte das Osmanische Reich mit der Balkanhalbinsel und dem größten Teil Ungarns ganz Südosteuropa. Da ein weiteres Vordringen der islamischen Türken einen schweren Rückschlag für das Christentum bedeutet hätte, war ihre Zurückdrängung Aufgabe aller christlichen Herrscher Europas. Beim Kampf gegen die Türken fielen für den Kaiser die Interessen seines eigenen Landes, des dem Osmanischen Reich benachbarten Österreich, mit seinen kaiserlichen Pflichten als Schirmherr der Christenheit zusammen. Die französischen Könige hingegen unterhielten seit langem gute Beziehungen zu den Türken, da sie die Frankreich umschließende habsburgische Macht als ihren Hauptfeind betrachteten.

Kaiser Leopold I. hatte 1664 einen zwanzigjährigen Waffenstillstand mit dem Sultan geschlossen. Doch als im österreichischen Teil Ungarns ein Aufstand der Kuruzzen (Kreuzfahrer) gegen die habsburgische Herrschaft ausbrach, marschierte 1683 ein 200.000 Mann starkes türkisches Heer unter dem Großwesir Kara Mustafa fast unbehelligt bis vor Wien und belagerte die österreichische Hauptstadt, aus der der kaiserliche Hof geflohen war. Die Eingeschlossenen vermochten unter dem Stadtkommandanten Ernst Rüdiger Graf von Starhemberg der Belagerung zwei Monate lang standzuhalten, bis ein Entsatzheer heranrückte. Die akute Gefahr führte die große Mehrheit der Reichsfürsten und darüber hinaus, vor allem unter dem Einfluß des Papstes, den mit Frankreich verbündeten polnischen König Johann Sobieski an die Seite des Kaisers. Während der Kurfürst von Brandenburg vertraglich an Frankreich gebunden war, nahmen die Kurfürsten von Bayern und Sachsen persönlich am Türkenkrieg teil. Besondere Verdienste erwarb sich neben ihnen und dem mit dem Oberbefehl beauftragten König von Polen der kaiserliche Feldherr Herzog Karl V. von Lothringen. Das den Türken zahlenmäßig unterlegene Entsatzheer befreite Wien am 12.9.1683 mit dem Sieg am Kahlenberge.

Dieser Sieg führte den Wendepunkt des Krieges herbei, in dem die kaiserlichen Truppen nun ihrerseits zum Angriff übergingen und in den folgenden Jahren, trotz der gleichzeitigen Belastung durch den Pfälzischen Krieg, unter Kurfürst Max Emanuel von Bayern, Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden und Prinz Eugen von Savoyen bedeutende Siege erfochten. Im Frieden von Karlowitz mußten die Türken 1699 Siebenbürgen sowie den größten Teil des von ihnen beherrschten Ungarn an Österreich abtreten. Die Befreiung der Balkanchristen von der türkischen Herrschaft wurde fortan eines der Hauptziele der österreichischen Politik.

Brigate Rossi (Rote Brigaden)

Entwickelten sich aus der Unzufriedenheit der Studenten in den Jahren um 1968, die sich - wie in anderen westlichen Demokratien auch - zunächst gegen die schlechten Studienbedingungen und autoritären Strukturen der Universitäten richteten, sich später auch in der Unzufriedenheit mit dem Eingreifen der Vereinigten Staaten, die zu einem Feindbild wurden, in Vietnam ausdehnten. Die linksextremistische Terrororganisation war nach ihrer Entstehung 1969/70 bis 1972 zunächst ausschließlich in Mailand aktiv. Nach weiterer Radikalisierung unternahmen die Brigate Rossi zahlreiche Anschläge auf Militärs und Politiker, u.a. 1978 die Entführung und Ermordung Aldo Moros, sowie Sprengstoffattentate, Raubüberfälle u.a. Gewalttaten, um die italienische Demokratie zu schwächen und ihr eigenes politisches und wirtschaftliches System zu errichten. Zwischen 1970 und 1987 verübte die Gruppe 73 Mordanschläge und organisierte zahlreiche Entführungen und Banküberfälle.

Utilitarismus

Eine Richtung der Philosophie Jeremy Benthams, die auf der Grundlage beruht, daß das größte zu erreichende Gut dasjenige wäre, welches ”das größtmögliche Glück für die größtmögliche Zahl” erreichte (Greatest happiness for the greatest number). Später schränkte Bentham das zweite Prinzip etwas ein, indem er vom ”greatest happiness principle” sprach. Er schlug auch eine Methode (”felicific calculus”) vor, um den moralischen Status verschiedener Tätigkeiten abzuschätzen und zu verbessern. Sie hat Ähnlichkeiten mit heutigen Encounter-Leitlinien. Dabei ist der Begriff des qualy von großer Bedeutung, da sich so das Glück des Menschen berechnen läßt. Später wurde der Utilitarismus überarbeitet und weiter ausgebaut. Durch diesen wurde der ”Benthamismus” eine wichtige Argumentationshilfe für liberal ausgerichtete Konzepte staatlicher Aufgaben. Bei der Frage, ob eine Handlung richtig sei, solle der Handelnde die Konsequenzen aller von der Handlung Betroffenen beachten und das jeweils entstehende Glück oder Unglück gleichmäßig abwägen. Zusätzliche Kriterien sollen Intensiät (Stärke), Dauer, Gewissheit/Ungewissheit, Reinheit (bezüglich der Annahme, dass auf eine bestimmten Emotion, zum Beispiel Glück, nicht eine gegenteilige Emotion folgt, zum Beispiel Pech), Ausmaß und Folgeträchtigkeit sein.

Petersburger Blutsonntag

Ausgelöst durch ein relativ unbedeutendes Ereignis, der Entlassung von vier Arbeitern der Petersburger Putilow-Werke, weitete sich der anschließende Streik am Sonntag, dem 9.1.1905 zu einem Aufstand aus. Unter der Führung des orthodoxen Priesters Georgij Gapon marschierten Zehntausenden von Arbeitern friedlich zum Winterpalast, der Residenz des auf seinen Landsitz nach Zarskoje Zelo geflohenen russischen Zaren Nikolaus’ II., um auf ihre bedrückende ökonomische Situation hinzuweisen und ihn um eine Verbesserung ihrer politischen und wirtschaftlichen Lage zu bitten. Obwohl der Sternmarsch angekündigt worden und sowohl der Polizei als auch dem Zaren bekannt war, wurden ca. 500 Demonstranten von Gardetruppen niedergeschossen und zahlreiche verletzt. Als das Massaker bekannt geworden war, kam es im gesamten Reich zu Aufständen und Streiks. Der Blutsonntag gilt als Auslöser für die Revolution von 1905.

1925 nachgestellte Szene der vor den Soldaten fliehenden Demonstanten

 

 

Sowjet

[russ.: Совет = Rat] der; dieser Begriff wurde ursprünglich auf die Arbeiter- und Soldatenräte in Rußland angewandt, die unter dem Einfluß Trotzkijs und Lenins während der 1. Russischen Revolution (1905) entstanden. Im Jahr 1917 entstanden während der Revolution überall in Rußland erneut Arbeiter- und Soldatenräte, die nach der Oktoberrevolution von den Bolschewiki zu formell beschließenden Organen der Sowjetunion und ihre Untergliederungen umgewandelt wurden. Auch in Deutschland entstanden Arbeiter- und Soldatenräte im Zuge der revolutionären Umwälzungen von 1918/19.

Vaudeville

[franz. vermutlich von voix de ville = Stimme der Stadt] der Begriff bezeichnet eine Form der Komödie, entspricht in etwa einer Posse oder einem Schwank, oftmals mit Gesangseinlagen. Ursprünglich handelte es sich um in die Volkskomödien eingefügte populäre Lieder, später nur noch um die in den Komödien üblichen abschließenden Rundgesänge, dann die Singspiele in den Volkstheatern. Schließlich wurde der Begriff auf das Theater selber, in dem dergleichen Aufführungen stattfanden, übertragen. Im Laufe des 19. Jahrhunderts entstanden daraus Varieté, jedoch mit stärkerem Akzent auf einer musikalischen Darbietung, wie z.B. die Music-Halls in England. In den Vereinigten Staaten verwischten sich allerdings die Grenzen zwischen der britischen Music-Hall, dem französischen Vaudeville und dem Varieté. Die amerikanischen Vaudeville Theater, die gelegentlich auch Music-Hall genannt wurden und zumeist eigentlich Varieté betrieben, gingen schließlich in den späteren Musical-Bühnen (Musical), den Nightklubs und Cabarets auf.

Godesberger Programm

Parteiprogramm der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD), welches deren Mitglieder mit großer Mehrheit am 15.11.1959 in der Stadthalle von Bad Godesberg (heute zu Bonn) beschlossen. Die SPD gab die marxistischen Positionen auf und wandte sich einem demokratischen Sozialismus zu, der sich an Wertvorstellungen christlicher Ethik, an klassischer Philosophie und Humanismus orientiert. Mit diesem Wandel zog die Partei, für die bisher das Heidelberger Programm von 1925 gegolten hatte, die Lehren aus den veränderten gesellschaftlichen Bedingungen der Nachkriegszeit in der Bundesrepublik sowie ihren Niederlagen bei den Wahlen der Jahre 1953 und 1957 und wandelte sich weg von einer sozialistischen Arbeiterpartei hin zu einer Volkspartei. Bis heute gelten die zentralen Elemente des Godesberger Programms.

(Zweiter) Japanisch-Chinesischer Krieg

Seit seinem Sieg über das russische Kaiserreich im Jahre 1905 hatte Japan sowohl über die Koreanische Halbinsel als auch die Manschurei eine beherrschende Stellung erlangt. Als Teile der sog. Kwantung-Armee, eine Heeresgruppe der Kaiserlich Japanischen Armee, 1919 einen unabhängigen Status erlangt hatte, für eine gewaltsame Abtrennung der Mandschurei von China eintraten, regte sich unter den chinesischen Militärs ein wachsender Widerstand gegen den zunehmenden japanischen Einfluß. Nachdem Offiziere der Kwantung-Armee am 18. September 1931 einen ”Zwischenfall”, eine Explosion auf dem Gelände der Südmandschurischen Eisenbahn, inszeniert hatten, der den Chinesen in die Schuhe geschoben wurde, gab das der Kwantung-Armee den Vorwand, Mukden (heute Shenyang) sowie andere Teile der Mandschurei zu besetzen. Und obwohl die Regierung Japans zunächst keine Expansion wünschte, wurde Anfang 1932 der ”unabhängige” Staat Mandschukuo geschaffen, als dessen Kaiser Japan 1934 Pu Yi, den letzten Kaiser Chinas, eingesetzt. Nach diversen weiteren militärischen Zwischenfällen führte der Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke bei Peking am 7. Juli 1937 schließlich zum offenen Krieg. China unter General Chiang Kai-shek, nicht mehr bereit, die Provokationen der Japaner hinzunehmen, setzte sich nun zur Wehr. Nach anfänglichen Erfolgen glaubten die Japaner, der Feldzug in China werde sich rasch beenden lassen; doch nachdem die Kuomintan ( KMT) und die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) eine Einheitsfront gebildet hatten und gemeinsam gegen die Japaner kämpften, etwa ein Drittel der kampffähigen Truppen im September 1937 in der Schlacht um Shanghai eingebüßt und weitere Verluste erlitten hatten, sahen sie ihre Hoffnung auf eine Strategie der schnellen Eroberung gescheitert Anfang. Dezember 1937 erreichten die japanischen Truppen Nanjing, die Hauptstadt der Kuomintang, die sie am 13. Dezember besetzten. In den folgenden drei Wochen wurden im sog. Massaker von Nanking vermutlich mehr als 300.000 chinesische Zivilisten und in Zivil gekleidete Soldaten ermordet. Im Oktober 1938 nahmen die Japaner auch Kanton ein und kontrollierten fast ganz Ostchina und deren wichtigste Häfen. 1940 setzten sie eine Marionettenregierung ein . Da iim Norden kommunistische Guerilla-Truppen hinter den japanischen Linien operierten und auch die Nationalchinesen unter Führung von Chiang Kai-shek den Widerstand aufrecht hielten, sahen die Japaner von weiteren Vorstößen ins Landesinnere ab und richteten ihr Interesse jetzt verstärkt auf Südostasien. Als sich die Niederlage Japans abzeichnete, erklärte Rußland Japan den Krieg und besetzte die Mandschurei. In der kriegerischen Auseinandersetzung verloren rund 3,2 Millionen chinesische Soldaten und ca. 5,8 Millionen Zivilisten ihr Leben.

Bücherverbrennung

von der jeweiligen Obrikeit angeordnete Vernichtung von gedruckten Materialien, die bereits bereist in der Antike, im Alten China und im christlichen Abendland stattgefünden hat. Alle diese Bücherverbrennungen heben eine ideologischen Hintergrund. So auch die von den Nazis mit Hilfe der Deutschen Studentenschaft inszenierten Verbrennung von Werken jüdischer solcher als marxistisch oder pazifistisch eingestuften, sowie oppositioneller Autoren auf dem Opernplatz in Berlin am 10 Mai 1933, kurz nach der “Machtergreifung“, die das Fanal auch für Verbrennungen in vielen weiteren deutschen Städten war, die unmittelbar folgten. Die angeordneten Verbrennungen bildeten den Auftakt zur systematischen Verfolgung der jüdischen Bevölkerung und aller oppositioneller Kräften im Deutschen Reich und später in den von der Wehrmacht besetzten Gebieten.

Habeas-Corpus-Akte (Habeas Corpus Act)

[lat.: “du mögest den Körper haben”], englisches Gesetz, das aufgrund willkürlicher Verhaftungen unter dem englischen König Karl II. 1679 entstand und den Schutz der Untertanen ganz wesentlich gegenüber den 1215 in der Magna Carta und 1628 in der Petition of Rights (1628) formululierten Rechten erweiterte. U.a. sah es vor, daß innerhalb von drei Tagen über die Rechtmäßigkeit der Inhaftierung zu entscheiden sei; Verstöße dagegen wurden schwer bestraft.

Große Remonstranz

[engl. Grand Remonstrance, (Remonstration, etwa Gegenvorstellung)], eine Beschwerdeschrift des Unterhauses gegen die Regierung König Karls I. von England, die am 23. November 1641 verabschiedet wurde und einer der auslösenden Faktoren des Englischen Bürgerkriegs werden sollte. In ihr werden in 204 Artikeln Verfehlungen aufgelistet, die aus Sicht des Parlaments von der Regierung des Königs seit ihrem Antritt im Jahr 1625 begangen worden waren sowie die daraus resultierenden Forderungen.

Große Pest (später Schwarzer Tod genannt)

[aus altgriechisch: πᾶν, pan (alles) und δῆμος demos (Volk): Bezeichnung für die die verheerendste, größte Pandemie, die - aus Nordafrika über Sizilien auf Europa übergreifend - im Zeitraum zwischen 1347 und 1352 über den ganzen Kontinent ausbreitete. Sie gilt als die  größte Katastrophe, die je über die Menschen in Europa hereinbrach, ihr fielen mindestens 25%, möglicherweise sogar ein Drittel der Bevölkerung, d.h. schätzungsweise 25 Millionen Menschen zum Opfer, so daß ganze Landstriche entvölkert waren, was zu tiefgreifenden Auswirkungen nicht nur auf ds Wirtschaftsleben, sondern auch das Weltbild der mittelalterlichen Menschen und auf das Wirtschaftsleben nach sich zog. Die Angst vor der in der Regel tödlich verlaufenden Pest hielt sich bis in die Neuzeit, dadas Pestbakterium Yersinia pestis erst im Jahre 1894 von dem Schweizer Mediziner Alexandre Yersin entdeckt wurde und erst viel mittels Antibiotika bekämpft werden konnte. 

Erstellt unter teilweiser Verwendung von Texten aus der PC-Bibliothek 3.0. sowie wikipedia.org.

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Stichworte II

Omnibus salutem!