Was verbirgt sich eigentlich hinter dem Begriff:

Peronismus

Eine auf den ehemaligen Präsidenten Argentiniens, Juan Perón, zurückgehende politische und soziale Bewegung. Seinen Ursprung hatte sie 1945 durch den Zusammenschluß von Mitgliedern der Gewerkschaftsorganisation CGT zum ”Partido Laborista” (Arbeiterpartei), die zwischen 1946 und 1955 die maßgebliche Partei Argentiniens war, und hatte das Ziel die unteren Schichten in die Gesellschaft unter nationalistischen Vorzeichen durch staatliche Sozialmaßnahmen zu integrieren. Auch nach dem Sturz Peróns im Jahre 1955 bestanden die peronistischen Gruppierungen weiter. Nachdem das unter General Juan Carlos Onganía eingeführte Parteienverbot von 1966 aufgehoben war, gründete sie 1971 die ”Frente Justicialista de Liberación” (Gerechtigkeitspartei). Seit 1973 vertritt der ”Partido Justicialista” die Peronisten.

Julirevolution

Die zunehmend reaktionäre Politik des französischen Königs Ludwigs XVIII., besonders aber diejenige seines Bruders und Nachfolgers Karl X., der die Wiederherstellung des Ancien Régime anstrebte und die Vorherrschaft des Adels wiederherstellen wollte, führte 1830 zum endgültigen Sturz der Bourbonen in Frankreich und zur erneute Machtergreifung des Bürgertums in einem liberalen Königreich. Als der Innenminister am 26.7. Verordnungen, die ”Vier Ordonanzen”, erließ, deren Ziel es war, die Pressefreiheit aufzuheben und das Ergebnis der gerade durchgeführten Neuwahlen für nichtig zu erklären und der König versuchte, das Parlament aufzulösen, erhoben sich in der Hauptstadt Handwerker, Arbeiter und Studenten. Nachdem daraufhin am 27.7. die Barrikadenkämpfe begonnen und die Aufständigen am 29.7. die Herrschaft in der gesamten Stadt übernommen hatten, zog der König die getroffenen Anordnungen zwar zurück - zu spät allerdings, um die Situation noch zu seinen Gunsten hätte wenden zu können: Karl X. mußte abdanken und ging ins Exil nach England. An die Spitze einer konstitutionelle Monarchie, die Dank des Einfusses des Generals La Fayettes - Altgedienter aus der Französische Revolution und Teilnehmer am US-amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - erhalten blieb, wurde Ludwig Philipp I., Herzog von Orléans, am 9.8. zum König gewählt, aber nicht wie seine Vorgänger, in der Kathedrale von Reims gekrönt, sondern vor dem Parlament vereidigt.

pinxit Eugène Delacroix (1830): La Liberté guidant le peuple [Die Freiheit führt das Volk an]

 

 

Sozialdarwinismus

Nach der Evolutionstheorie Charles Darwins überleben nur diejenigen Lebewesen, die sich aufgrund einer ”natürlichen Auslese” den jeweiligen Umweltbedingungen am besten anpassen konnten. Der Begriff wurde ideologisch immer wieder als Sozialdarwinismus verfälscht und diente der Rechtfertigung soziologischen Geschehens, das als ”natürlich”, d.h. unvermeidbar galt und letztlich zu einer wertvolleren Lebensform führe. Diese Auffassung hat insbesondere mit unmenschlichen Folgen in der nationalsozialistischen Rassentheorie Platz gegriffen und diente als Alibi für die Ausrottung ”unwerten” Lebens. Als Begründer des eigentlichen Sozialdarwinismus wird der britische Anthropologe und Begründer der Kulturanthropologie Edward Tylor (*1832, †1917) angesehen.

Höhlengleichnis des Platon

Ein Beispiel Platons in seiner πολιτεία (Politeia, ~370 v. Chr., dt. Der Staat), das ihm zur Erläuterung der Erkenntnis in Bezug auf das wahre Wesen der Dinge dient:

Personen sitzen in einer Höhle, die sie niemals verlassen haben, mit dem Rücken zu einer Lichtquelle. Da sie gefesselt sind, können sie ihren Blick nur auf die Höhlenwand vor sich richten. Zwischen einer Lichtquelle und den Personen werden Gegenstände vorbeigetragen, deren Schatten auf die Höhlenwand geworfen werden. Die Erkenntnisse der Höhlenmenschen über das Wesen dieser Gegenstände resultieren ausschließlich aus den entstehenden Schattenrissen. Insofern übersteigt jeder Bericht über ein anderes als des gedachten Wesen der Gegenstände ihren Erkenntnisstand. Erst wenn die Höhlenmenschen sich frei bewegen und die Gegenstände selber in Augenschein nehmen können, besteht die Möglichkeit, dem wahren Wesen der Dinge näher zu kommen.

Konstantinische Schenkung (donatio Constantini)

Gemäß einer Urkunde hatte Konstantin der Große dem Papst die Herrschaft über Rom und alle abendländischen Provinzen zugestanden. Die Urkunde war von besonderem weltpolitischem Gewicht, da sie in den Auseinandersetzungen der Päpste mit dem Kaisertum zur Legitimierung der päpstlicher Herrschafts- und Besitzansprüche diente. Erst der italienische Humanist Lorenzo Valla (*1407, †1457) erkannte die Urkunde als Fälschung und deckte den Betrug in seiner Schrift Declamatio de falso credita et ementita donatione Constantini (1440, dt. Vortrag über die zu Unrecht anerkannte, erlogene Konstantinische Schenkung) auf. Fast zeitgleich mit ihm entdeckte auch Nikolaus von Kues die Fälschung.

Bildersturm

Zerstörung bildlicher Darstellungen von Gott, Christus und den Heiligen durch Gegner der Bilderverehrung während der Reformation. Martin Luther hatte die traditionellen Bilderverehrung in der katholischen Kirche zwar kritisiert, mißbilligte allerdings die Zerstörung der Bilder. Dennoch fand im Januar 1522 ein erster großer Bildersturm unter der Führung des radikalen Reformators Karlstadt in Wittenberg statt, 1523 gefolgt von Bilderstürmen in Zürich unter Ulrich Zwingli sowie in Danzig. 1559 kam es unter dem Einfluß des Reformators John Knox zu einem Bildersturm im schottischen Perth. Seinen Höhepunkt erreichte der Bildersturm 1566 in den Niederlanden mit Schwerpunkt in den flandrischen Städten Gent und Brügge als Ausdruck des Protests gegen die von der spanischen Herrschaft eingeleitete Inquisition und Gegenreformation und markierte den Auftakt zum 80-jährigen Krieg, der mit dem Ende der spanischen Herrschaft über die Niederlande endete. Dem Bildersturm fielen zahlreiche wertvolle Gemälde, Skulpturen, Kirchenfenster und andere Bildwerke zum Opfer.

Edikt von Nantes

Ein von Heinrich IV., König von Frankreich, 1598 initiierter Erlaß, der den Hugenotten freie Religionsausübung und politische Sonderrechte garantierte. Heinrich, von Hause aus protestantischen Glaubens, trat aus Sorge um die nationale Einheit und die Integrität Frankreichs 1593 zum Katholizismus über; um jedoch die Hugenotten zu schützen und ihnen eine gewisse Freiheit zu erhalten, suchte er sie durch das Edikt abzusichern. Richelieu nahm ihnen die politischen Sonderechte, als die Hugenotten sich in den Kriegen von 1621/22 und 1625-29 erneut der Krone entgegenstellten, ließ ihnen jedoch ihre religiöse Freiheit. De facto wurde diese Duldung mit der offiziellen Aufhebung des Edikts von Nantes durch Ludwig XIV. durch das Edikt von Fontainebleau (rechts) im Jahre 1685, so stark eingeschränkt, daß sich mehr als 200.000 Hugenotten gezwungen sahen, Frankreich zu verlassen. Ihre Auswanderung wirkte sich katastrophal auf die Wirtschaft des Königreiches aus und war eine der Ursachen des wirtschaftlichen Niedergangs Frankreichs gegen Ende des 17. Jahrhunderts.

 

 

 

 

 

 

Dekabristen

[von russ. Декабрь = Dezember] waren überwiegend liberal gesinnte, in Geheimbünden organisierte Personen aus der Oberschicht, Adlige und Gardeoffiziere, die an einem kurz nach dem Tod Alexanders I. am 26.12.1825 auf dem Platz vor Senat und Synode in Sankt Petersburg stattfindenden Aufstand mit dem Ziel die Autokratie zu stürzen, teilnahmen.

Die Dekabristen, die sich auf die französischen liberalen Ideen beriefen, forderten u.a. die Abschaffung der Leibeigenschaft, der Polizeiwillkür und der Zensur. Ihre Forderungen richteten sich gegen den mit absoluter Macht regierenden Zaren, der - ebenso wie der Großteil des landbesitzenden russischen Adel - nicht bereit war, Privilegien aufzugeben, um dem leidenden Volk ein besseres Leben zu ermöglichen. Bereits nach dem Sieg der “Heiligen Allianz” und der Rückkehr der russischen Truppen aus den Napoleonischen Kriegen war die Hoffnung entstanden, es könnte zu einer Verbesserung der Umstände kommen. Aber schnell stellte einer der Teilnehmer enttäuscht fest: “Wir haben das Vaterland vom Tyrannen befreit, und uns tyrannisieren erneut die Herren”. So bildeten sich bald aus Offizieren zusammengesetzte Geheimorganisationen. Nachdem Alexander I. am 19.11./1.12.1825 unerwartet gestorben war, und es kurzzeitig zu einem Machtvakuum kam (Großfürst Konstantin, der Statthalter in Polen war, hatte bereits 1823 auf die Krone verzichtet, und wiederholte jetzt diesen Verzicht, und Nikolaus sich zunächst geweigert, den Thron zu besteigen), nutzten die Offiziere die Situation zu einer Revolte in Sankt Petersburg. Sie verweigerten dem neuen Zar Nikolaus I. den Treueeid. (im Januar 1826 folgtePaul Pestel in Südrußland eine weitere Erhebung). Die Revolte wurde von Nikolaus I. niedergeschlagen; 600 Dekabristen wurden vor Gericht gestellt, davon 120 weitere nach Sibirien verbannt. Der Kopf der Aufständischen, Oberst Pawel (Paul) Pestel (*1793), Sohn des Generalgouverneurs von Sibirien, in Hamburg und Dresden erzogen, war unmittelbar vor dem Aufstand verhaftet worden. Auch er wurde gemeinsam mit vier Hauptschuldigen am 14.6.1826 in der Peter-und-Paul-Festung öffentlich gehängt. Der bedeutende russische Schriftsteller Alexander Herzen nannte die Dekabristen später eine “Phalanx von Helden, die bewußt in den Tod gingen, um die junge Generation aufzurütteln und um die Kinder zu läutern, die inmitten von Henkertum und Knechtseligkeit geboren werden”.

 

Dekabristenaufstand (im Hintergrund das Denkmal Peters I., des Großen)

 

 

  

Denkmal an der Stelle in Sankt Petersburg, an der die fünf Hauptbeteiligten hingerichtet wurden: P. Pestel, K. Rylejew, P. Kachowckij, S. Murawjow-Apostol, M. Bestuschew-Rjumin.

 Bilder: Mark A. Wilson no_copyright

 

Spanische Armada

[span.: bewaffnete Macht] starke Kriegsflotte; im engeren Sinne die im Jahre 1588 von König Philipp II. gegen England unter der Führung des in maritimen Dingen völlig unerfahrenen Herzogs von Medina Sidonia ausgesandte große spanische, aus 130 Kriegsschiffen bestehende Flotte. Im Zuge des Versuchs, den protestantischen Norden Europa für den Katholizismus zurückzugewinnen, trachtete Philipp II. u.a. danach, England mittels dieser Flotte zu erobern. Während die Taktik der Spanier darauf abzielte, die feindlichen Schiffe zu entern und die Mannschaften anschließend im Kampf Mann gegen Mann niederzuringen, hatten die Engländer ihre wendigeren Kriegsschiffe mit weitreichender Artillerie ausgerüstet, die die spanischen Schiffe, bevor es überhaupt zur Annäherung kommen konnte, außer Gefecht setzen sollten; außerdem verfügten die Engländer über zahlreiche schnelle Küstensegler. Die Spanier hatten gemäß ihrer Strategie neben den 8.000 Seeleuten auch fast 19.000 Soldaten an Bord; in den Niederlanden stand außerdem eine spanische Invasionsarmee unter dem Herzog von Parma Alexander Farnese, dem Neffen Philipps II. bereit, das von der Armada nach der gewonnenen Seeschlacht an Bord nehmen und nach England übersetzen sollte. Francis Drake hatte im Auftrag von Königin Elisabeth I. im Vorfeld des kriegerischen Zusammentreffens im Kanal bereits durch Streif- und Raubzüge an der Algave und der spanischen Küste nicht nur reiche Beute gemacht, sondern auch spanische Kriegsschiffe erbeutet, so daß die Engländer genau über die zu erwartenden Taktik und Ausrüstung des Gegners unterrichtet war. In den zwischen dem 31.7. und 8.8.1588 stattfindenden Kanalschlachten wurden die Spanier dann auch von der nach der Zahl der Schiffe unterlegenen Engländern unter dem Oberbefehlshaber Charles Howard und Francis Drake niedergerungen, während ein Teil der Flotte auf der Rückfahrt durch Stürme zugrunde ging, und etwa zwei Drittel der Schiffe Spanien wieder erreichten. Die Katastrophe hatte begonnen, als die in Calais ankernden spanischen Schiffe in der Nacht von 7. auf den 8. August 1588 mit sechs englischen Feuerschiffen, d.h. brennenden, führerlosen Schiffen, angegriffen wurden, so daß sie den Hafen fluchtartig verlassen mußten ohne sich zu einer Schlachtordnung zu finden und damit in der anschließenden Seeschlacht von Gravelines ohne Schlachtordnung antrat. Mit der Niederlage der spanischen Armada begann Englands Aufstieg Englands zur überseeischer Macht.

Pfälzischer Erbfolgekrieg (auch Orléansscher Krieg)

Von 1688 bis 1697 zwischen Frankreich und dem Heiligen Römischen Reich in der Region der Kurpfalz sowie großen Teilen Südwestdeutschlands g1689eführter Krieg um Teile der Pfalz, ausgelöst durch die Erbansprüche, die Ludwig XIV. für seine Schwägerin, Herzogin Elisabeth Charlotte von Orléans (Liselotte von der Pfalz), nach dem Tod des pfälzischen Kurfürsten Karl II. (1685) erhob, obwohl Elisabeth Charlotte auf ihre Erbanspüche im Ehevertrag ausdrücklich verzichtet hatte. Unmittelbarer Anlaß war das Übersetzen französischer Truppen über den Rhein und deren Vordringen in die Pfalz und bis nach Schwaben, nachdem Ludwig XIV. darüber verärgert war, daß sein Kandidat Wilhelm von Fürstenberg bei der Kölner Bischofswahl von 1688 nicht zum Zuge kam. Am 3.4.1689 erklärte Kaiser Leopold I. im Namen des Reichs Frankreich den Krieg; am 12.5.1689 rief er die ”Große Allianz” mit den Niederlanden ins Leben und verbündete sich England, Spanien und Savoyen. Im Januar 1689 wurden Heilbronn und Heidelberg, dessen Schloß bis heute eine Ruine ist, zerstört, im März Mannheim und im Mai drangen die französischen Truppen in Frankenthal, Speyer, Worms und Oppenheim ein, die ebenfalls zerstört wurden. Sie brandschatzten und vergewaltigten, schlitzten Schwangeren den Bauch auf; die Bevölkerung wurde buchstäblich dahingeschlachtet. Im Speyerer Dom erbrachen sie die Kaisergräber und besudelten sie. Nach anfänglichen Erfolgen über die Allianz, auch in den Niederlanden, wendete sich das Blatt, als es der englisch-niederländischen Flotte 1692 gelang, die französische bei La Hogue zu zerstören. Die französischen Einheiten konnten zwar 1693 zurückgeschlagen und so von einer dauernden Besatzung abgehalten werden, aber sie zerstörten auf ihrem Rückzug ein weiteres Mal die bereits geplünderten Städte, darunter erneut Heidelberg sowie Württemberg. Den Befehl an die unter dem Grafen Ezéchiel de Mélac (*~1630, †1704) stehenden französischen Truppen zu dem grausamen Vorgehen in diesem Krieg gab zwar der französische Kriegsminister Louvois, die Verantwortung aber liegt eindeutig Ludwig XIV.. 1696 schloß Frankreich in Turin Frieden mit Savoyen, das damit aus der Allianz ausschied, und im September/Oktober des Folgejahres kam unter schwedischer Vermittlung der Friede von Rijswijk (20.9./30.10.1697) zwischen Frankreich einerseits, England, dem Reich, den Niederlanden und Spanien andererseits zustande. Frankreich verzichtete auf seine Ansprüche auf die Pfalz und gab die besetzten niederländischen und rechtsrheinischen Gebiete sowie Lothringen zurück; der Besitz Straßburgs und der elsässischen Reunionen wurde jedoch bestätigt.

Mélac, der Mordbrenner (Deutscher Kupferstich)

 

 

Junges Deutschland

literarische Bewegung in der Restaurationszeit des 19.Jahrhunderts zwischen 1830 und 1840, nach der französischen Julirevolution von 1830, deren Hauptvertreter die Schiftsteller Karl Gutzkow, Heinrich Laube, Theodor Mundt (*1808, †1861) sowie Christian Ludolf Wienbargs (*1802, †1872) waren, von dessen Titel Ästhetische Feldzüge. Dem jungen Deutschland gewidmet (1834) sich der Begriff ableitet (allerdings verwendeten Laube und Gutzkow schon vorher den Begriff ”la jeune Allemagne” in Anlehnung an politisch-revolutionäre Geheimorganisationen wie der von Guiseppe Mazzini 1831 gegründeten Giovine Italia und 1834 in der Schweiz gegründeten ”Junges Europa”). Sie und in deren NachfolgeLudwig Börne und Heinrich Heine, deren Werke bei Julius Campe erschienen, versuchten, einen neuen, politischen Literaturbegriff durchzusetzen: Das Junge Deutschland setzte sich für die Freiheit des Geistes, des Wortes und des Individuums ein, forderte eine demokratische Verfassung und Demokratie, wandte sich gegen Konvention und Absolutismus. Unmittelbarer Anlaß der einsetzenden Verfolgung des Jungen Deutschlands durch Staatsorgane war 1835 Wolfgang Menzels (*1798, †1873) denunziatorische Kritik von  Gutzkows Roman Wally, die Zweiflerin (1835). Daraufhin wurden am 10.12.1835 seitens der Bundesversammlung des Deutschen Bundes die Schriften des Jungen Deutschlands als staatsgefährdend verboten.

1. Konzil von Nicaea

wurde von Kaiser Konstantin I. im Jahr 325 in der kleinasiatischen Stadt Nicaea (heute Iznik, Türkei) einberufen, um einen in Alexandria zwischen christlichen Parteien ausgebrochenen Streit um das Wesen Jesu Christi zu schlichten. Auf ihm wurde das nicänische Glaubensbekenntnis (lat. Symbolum Nicaenum) als Abgrenzung gegen den Arianismus beschlossen, das 381 in Konstantinopel auf einem von Theodosius I. einberufenen Konzil durch eine erweiterte Fassung, dem Nicänisch-Konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnis (lat. Symbolum Nicaeno-Constantinopolitanum), abgelöst wurde.

 

 

 

 

 

Kaiser Konstantin entrollt den Text der ersten Hälfte des Nicänischen Glaubensbekenntnis

 

 

 

Alhambra Edikt

Das von den Katholischen Königen Isabella von Kastilien und Ferdinand II. von Aragon im März 1492 erlassene Edikt, demzufolge alle in den spanischen Territorien lebenden Juden, die bis zum 31. Juli 1492 nicht zum Christentum übertreten würden, Spanien verlassen mußten. Damit begann eine bis dahin beispiellose Vertreibung einer Bevölkerungsgruppe, die seit Jahrhunderten auf der Iberischen Halbinsel ansässig und wohlintegriert war. Erst im Jahre 1968 wurde das Alhambra Edikt von der spanischen Regierung für unwirksam erklärt und erst am 1.4.1992 durch König Juan Carlos I. unwiderruflich außer Kraft gesetzt.

Apokalypse

[griech.: ἀποκάλυψις Offenbarung] prophetische Schrift über das Weltende. Synonym für das Ende der Welt. Besonders bekannt ist die Apokalypse des Johannes (Offenbarung des Johannes), ca. 96 n. Chr. entstanden und aufgezeichnet im letzten Buch des Neuen Testaments. In prophetische Bildfolgen wird der Ablauf des Handeln Gottes Handeln. verdeutlichen. Hiermit soll die Christenheit auf ein neues Zeitalter vorbereitet werden, nachdem Jesus Christus über den Antichristen (Teufel) gesiegt habe. Zuvor aber würde sich das Böse in der Welt bis zu einem Zusammenbruch der Welt noch steigern; dann erfolge die Vollendung des Gottesreiches.

Häufig findet die Apokalypse des Johannes Darstellung in der Kunst, so in dem Holzschnitt Die Apokalyptischen Reiter (1498) von Albrecht Dürer, die Pest, Krieg, Hunger und Tod versinnbildlichen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Requerimiento

[span.: Aufforderung, Mahnung] Nachdem Christoph Kolumbus - ohne es zu wissen - die ”Neue Welt” entdeckt hatte, ordnete Papst Alexander VI. in der Bulle Inter Caetera vom 4. Mai 1493 an, daß die Völker in den neuentdeckten Länder im katholischen Glauben zu unterweisen und zu bekehren seien, damit ihre Seelen gerettet werden könnten, denn auch sie seien aus den beiden Menschen hervorgegangen, die Gott erschaffen habe und deren Nachkommen sich über die ganze Welt verteilt hätten. Der spanische Indien-Rat verfaßte daraufhin 1494 ein requerimiento, das von den Konquistadoren in allen Länden des Kolonialreiches zu verlesen und zu erläutern sei. Sollten diese sich nicht zu dem Glauben bekehren lassen, gelte das als Auflehnung gegen die Krone und müßten Strafe erleiden oder würden zu Sklaven gemacht werden. Damit wurden Kriegsverbrechen und Sklaverei sozusagen sanktioniert. Die furchtbarsten Auswirkungen zeitigte diese Regelung bei der Eroberung Mexikos durch Hernando Cortez.

Templer

Angehörige der um 1118 von Hugo von Payens (†1136) gegründeten Armen Ritterschaft  Christi und des salomonischen Tempels zu Jerusalem (Pauperes commilitones Christi templique Salomonici Hierosalemitanis), des Templerordens, der in der Folge des ErstenKreuzzüges entstand und dessen Ordensregel 1128 päpstlich bestätigt wurde. Die Ordenstracht war ein weißer Mantel mit einem roten Tatzenkreuz. Seinen Namen führt der Templer Orden auf den Salomontempels in Jerusalem zurück, auf dessen Ruinen das Hauptquartier der Templer sich befand. Seine Aufgabe war, die von den Kreuzrittern eroberten Stätten im Heiligen Land zu schützen. Im Laufe der Zeit übernahmen sie allerdings zusätzlich zu ihren militärischen weitere Aufgaben, so betrieben sie Verleihgeschäfte und kassierten hierfür - obwohl für Christen verboten - Zinsen. Als zuverlässig bekannt, vertrauten ihnen auch Muslime ihr Geld an. Der Templer Orden mit ca. 15.000 Ordensmitglieder verwaltete etwa 9.000 über ganz Europa verstreute Besitzungen. Nachdem die von ihnen gesicherten Heiligen Stätten nach und nach wieder an die Osmanen verloren gingen und die Templer somit ihrer ursprünglichen Aufgabe beraubt waren, gerieten sie mehr und mehr in Verdacht, einen Staat im Staate zu bilden. Der französische König Philipp IV. - vermutlich, weil er sich das Vermögen des Ordens aneignen wollte - ging gegen ihn vor und ließ 1307 u.a. dessen Großmeister Jacques de Molay und andere führende Persönlichkeiten des Ordens verhaften und veranlaßte den von ihm abhängigen Papst Klemens V. zur Aufhebung des Templerordens im Jahre 1312.

Korinthischer Bund

Bezeichnung für mehrere Staatenbünde in der griechischen Antike, so der für die Perserkriege gegen Persien verbündeten Griechen im Jahr 480 v. Chr. Der bedeutendste jedoch war der nach der am 2. August 338 v. Chr. gegen Athen durch makedonische Truppen (insbesondere durch den Einsatz Alexander des Großen) errungene Sieg in der Schlacht von Chaironeia im Jahr 337 v. Chr. in Korinth erfolgte Zusammenschluß (auch Panhellenischer Bund), der von Philipp II. von Makedonien erzwungen worden war. Lediglich Sparta trat dem Bund nicht bei. Er enthielt das ausdrückliche Verbot, mit Gewalt in die Verfassungen der Mitgliedsstädte einzugreifen, ein generelles Verbot von Fehden und Kaperei sowie eine Garantie der freien Schiffahrt.

Halsbandaffaire

war ein Betrugsskandal am französischen Hof von 1785/86. Das ursprünglich für Madame Du Barry, Mätresse von Ludwig XV. angefertigte Halsband, war Marie Antoinette, deren Vorliebe für Schmuck bekannt war, bereits zweimal angeboten worden; sie hatte aber den Erwerb des Halsbandes wegen des enorm hohen Preises abgelehnt. Als die Comtesse de La Motte née Jeanne De Saint-Remy De Valois (*1756, †1791) behauptete ein besonders gutes Verhältnis zu Königin Marie Antoinette zu unterhalten, dies mit La Mottegefälschten, an sie gerichteten Briefen der Königin dokumentierte und andeutete, die Königin sei am diskreten Erwerb des Kolliers interessiert, sah Louis Kardinal Rohan, der sie einst in Straßburg empfangen hatte und später ihre Tochter und auch ihren Sohn taufte und sich zuvor als Botschafter Frankreichs in Wien am Hofe Maria Theresias, deren Mißfallen zugezogen hatte, und von ihr keines Blickes gewürdigt worden war, eine Möglichkeit sich erkenntlich zu zeigen, um die Zuneigung letzterer zurückzugewinnen. Als die Gräfin am 21.1.1785 erklärte, die Königin wolle das Halsband nun doch erwerben, aber nicht direkt als Käufer auftreten, vielmehr solle der Kauf über den Kardinal abgewickelt werden, erschien dieser eine Weile später bei den aus Sachsen stammenden, in Paris angesiedelten Juwelieren Böhmer und Bassenge zu Verhandlungen über den Kauf des Diamanthalsbandes, für deren Preis von 1,6 Million Livres eine Ratenzahlung vereinbart wurde. Rohan behauptete, eine Vollmacht der Königin zu besitzen, und zeigte den Juwelieren eine Bestätigung der Kaufbedingungen - scheinbar von der Königin Marie Antoinette selbst unterschrieben. Rohan brachte das Kollier in das Haus der Gräfin, wo es ein Mann in Empfang nahm, den er für einen Kammerdiener der Königin hielt. De La Motte und ihr Mann, Rittmeister eines Dragonerregiments, der sich selbst zum Grafen ernannt hatte, brachen die Steine aus dem Kollier heraus und veräußerten sie in London. Von dem nicht unbeträchtlichen Erlös kauften sich die De La Mottes ein Anwesen in Bas-sur-Aube und stellten dort ihren neuen Reichtum ungehemmt zur Schau. Als nach Erreichen des Termins zur Zahlung der ersten Rate am 1.8. kein Zahlungseingang festgestellt wurde, kam Bewegung in den dreisten Betrug. Die Juweliere wandten sich zunächst erfolglos an die Gräfin, die Ausflüchte parat hatte, dann an die Königin selber, die ausrichten ließ, sie habe das Kollier weder bestellt noch auch erhalten. Schließlich flog der Coup auf, und Kardinal Rohan wurde am 15.8., an Maria Himmelfahrt, dem Namenstag der Königin, im Palast des Königs verhaftet. Jeanne de La Motte wurde in Bas-su-Aube festgenommen, während ihrem Mann die Flucht nach England gelang. Der ebenfalls in Verdacht geratene Alessandro Graf von Cagliostro (*1743, †1795) - De La Motte hatte behauptet, er habe den Schmuck an sich gebracht - wurde entlastet. De La Motte, zu lebenslänglicher Haft verurteilt, gelang 1787 die Flucht aus der Salpêtrière nach England, wo sie später Memoiren veröffentlichte, in denen sie Marie Antoinette der Lüge bezichtigte. Obwohl Marie Antoinette in keiner Weise an diesem Kauf beteiligt war, schadete ihr Verhalten in der Halsbandaffaire ihrem und dem Ansehen des Königtums sehr.  

Literarisch wurde der Stoff u.a. von Johann Wolfgang von Goethe in dem Lustspiel Der Groß-Cophta (1792) und Alexandre Dumas (père) in Le collier de la reine (dt. 1848-50, Das Halsband der Königin) behandelt.

Doppler-Effekt

Effekt - benannt nach dem Entdecker Christian Doppler - kann beobachtet werden, wenn die Quelle von sich ausbreitende Wellen (Schall-, Lichtwellen u.a.), sich in Relation zum Beobachter bewegt. So erscheint der Ton einer näherkommenden Tonquelle höher, niedriger beim Entfernen der Quelle von Hörer. Dieser Effekt wird auch in der Astronomie ausgenutzt, um festzustellen, ob Licht- oder Radioquellen sich von der Erde weg- oder auf sie zubewegen. Man beobachtet dabei die Spektrallinien in den Spektren der Himmelskörper: Bewegt sich z.B. ein Himmelskörper auf den Beobachter zu, erfolgt eine Verschiebung in den Blau- (Violett-) bereich, bei gegenläufiger Bewegung in den Rotbereich

Sacco di Roma

Bezeichnung für die Eroberung und Plünderung Roms durch deutsche Landsknechte und spanische Söldner im Mai des Jahres 1527. Hintergrund waren die Auseinandersetzungen um die Vorherrschaft in Italien zwischen Kaiser Karl V. und König Franz I. von Frankreich. Unmittelbarer Auslöser war das Bündnis Papst Klemens’ VII. und anderer mit Frankreich (1536) in der “Heilige Liga von Cognac”. Im Frühjahr des Jahres 1527 wandte sich das unter Führung von Herzogs von Bourbon in Oberitalien stehende kaiserliche Heer, dessen Soldzahlungen ausstanden, nach Süden und marschierte auf Rom. Nach einem nur kurzen Kampf drangen am 6.5.1527 die Truppen in die Stadt ein. Während sich Klemens in die Engelsburg retten konnte, wurde die Heilige Stadt tagelang geplündert und verwüstet. Anfang des Folgejahres soll die Bevölkerung Rom nur noch Hälfte der des Vorjahres betragen haben. Im Januar des Jahres 1528 soll Rom nur noch halb soviele Einwohner wie vor der Plünderung gehabt haben. Der Sacco di Roma markiert einen tiefen Einschnitt auch in der kulturellen Entwicklung Roms.

Der Sacco di Roma hatte auch eine indirekte Auswirkung auf die Situation in England unter dessen König Heinrichs VIII.. Wegen der Nicht-Verfügbarkeit des Papste wurden die Verhandlungen über eine eventl. Annullierung Heinrichs Ehe mit Katharina von Aragón auf das kommenden Frühjahr verschoben; der ungeduldige englische König löste sich daraufhin von der katholischen Kirche.

Merkantilismus

Bezeichnung für die zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert erfolgten dirigistischen und intervenierenden Eingriffe der absolutistischen Staates in den Wirtschaftsprozeß, um die Wirtschafts-, Handels- und Finanzkraft in seinem Sinne zu beeinflussen und somit die Finanzkraft des Staates zu stärken. Der französische Merkantilismus, nach seinem Mitbegründer Jean-Baptiste Colbert auch Colbertismus genannt, war gekennzeichnet durch staatliche Eingriffe zum Vorteil der gewerblichen Wirtschaft, während gleichzeitig die Belange der Landwirtschaft vernachlässigt wurden. Steuerungselemente waren insbesondere Ausfuhrbeschränkungen bzw. - verbote und Steuersysteme; gleichzeitig wurde die Vereinheitlichung von Mess- und Maßsysteme gefördert. Im englischen Merkantilismus lag der Schwerpunkt auf der Ausweitung des Außenhandels, gefördert auch durch die Zunahme der Kolonien, zugleich der Abschottung gegen Importe um die Nachfrage insbesondere nach Produkten der einheimischen Textilindustrie zu fördern.

Erster griechischer Bundesgenossenkrieg

in den Jahren 357 bis 355 v. Chr. von Athen und den mit ihm verbündeten gegen die vormals dem 378 gestifteten Zweiten Attischen Seebund angehörenden Städten Chios, Rhodos und Kos sowie das unabhängige Byzantion geführt. Der Krieg endete mit einer Niederlage Athens und der Unabhängigkeit der gegnerischen Städte. Der Ungerechtigkeiten Athens und der Erpressungen der athenischen Söldner müde, fielen diese Staaten, aufgereizt von den Thebanern, von Athen ab, um mit Hilfe des persischen Lehnsfürsten Mausolos von Karien sich unabhängig zu machen. Der Kampf begann für die Athener sehr unglücklich, indem ihr Feldherr Chabrias bei Chios Schlacht und Leben verlor, ein um so schwererer Verlust, als bald darauf die zwei andern tüchtigen Feldherren Athens, Iphikrates und Timotheos, auf die von ihrem Kollegen Chares wegen Verrats und Bestechung gegen sie erhobene Anklage hin abgesetzt wurden. Da sodann im Verlauf des Kriegs die Perser Anstalten machten, die Bundesgenossen zu unterstützen, und da die Athener überdies durch das Vordringen Philipps von Makedonien im Norden bedroht waren, so sahen sich diese genötigt, die Unabhängigkeit der abgefallenen Bundesgenossen anzuerkennen, was für die politische Stellung und die Finanzen Athens ein harter Schlag war.

NATO-Doppelbeschluß

Bezeichnung für den am 12.12.1979 vom NATO-Rat verabschiedeten Beschluß über die Stationierung neuer bodengestützter nuklearer Mittelstreckenwaffen in Europa zu Ende des Jahres 1983. Absicht war, mit diesen Waffen ein Gegengewicht zu den bereits installierten neuen sowjetischen Mittelstreckensystemen vom Typ SS-20 zu schaffen. Gleichzeitig wurden der Sowjetunion Verhandlungen mit der Aussicht angeboten, von der Aufstellung der Waffen für den Fall abzusehen, daß SS-20-Raketen wieder abgebaut würden. Trotz des intensiven Widerstandes seitens der Friedensbewegung, aber auch der politischen Diskussionen wurde der NATO-Doppelbeschluß in den europäischen NATO-Staaten ausgeführt (auch der damalige Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, Helmut Schmidt (SPD) stimmte dem Beschluß zu. Das Ergebnis dieses Handelns war die Einleitung neuer Abrüstungsverhandlungen, die am 8.12 1987 im Rahmen einer “doppelten Nullösung” zur Unterzeichnung des Vertrages zwischen der UdSSR und den USA über die Beseitigung ihrer Raketen mittlerer und kürzerer Reichweite (INF-Vertrag) führten.

Simonie

Kauf oder Verkauf eines geistlichen Gutes (z.B. eines kirchlichen Amtes) oder geistlich-weltlichen Gutes (z.B. eines kirchlichen Benefiziums). Der exsessive simonistischen Mißbrauch im Früh- und Hochmittelalter ist eine der Ursachen des Investiturstreits. Der Begriff “Simonie” leitet sich von dem Namen des biblischen Zauberer Simon Magus ab, der vom Apostel Petrus die Gabe Gotte gegen Geld erwerben wollte (Apostelgeschichte 8, 18-24): “Petrus aber sprach zu ihm: Dein Geld fahre mit dir ins Verderben, weil du gemeint hast, daß die Gabe Gottes durch Geld zu erlangen sei!”).

Heilige Liga, auch Katholische Liga (1576)

[span. Bündnis zu lat. ligare, verbinden] Bezeichnung mehrerer Bündnisse im 15. bis 17. Jahrhundert, meist mit Unterstützung des Heiligen Stuhls geschlossen, hier die auch Katholische Liga genannte Heilige Liga von 1576): Liga von Péronne, auch Katholische Liga, zu der sich 1576 die Prozession der Heiligen Liga in Paris 1590katholische Partei in Frankreich zunächst unter Leitung von Henri I. de Lorraine, 3. Duc de Guise gegen die Hugenotten zusammenschloß und während der Hugenottenkriege Partei ergriff gegen die französischen Calvinisten (Hugenotten). Der Herzog Heinrich von Guise überspannte jedoch den Bogen, als er dem König im Januar 1588 ein Ultimatum stellte, im Mai einen Volksaufstand anzettelte und ihn einen Monat später zu einem Vergleich nötigte. Der Versuch, die Liga durch die Ermordung des Herzogs von Guise entscheidend zu schwächen, hatte allerdings keinen Erfolg. Im Gegenteil, König Heinrich III. wurde 1589 selbst von dem durch Liga-Propaganda aufgestachelten Dominikanermönch Jacques Clément ermordet. Erneut wurde die Liga nach dem Tode Heinrichs III. von Frankreich aktiv, als der Hugenotte Heinrich von Navarra nach salischem Recht seinen Anspruch auf den französischen Thron anmeldete, während Philipp II. von Spanien seine Tochter präsentierte. Die Liga konnte zwar nicht verhindern, daß Heinrich als Heinrich IV. Thronfolger wurde, bekämpfte ihn aber weiterhin. Erst nachdem Heinrich IV. 1593 zum Katholizismus konvertiert war, schwand der Einfluß der Heiligen Liga und wurde 1595 aufgelöst.

Heilige Liga (1495)

Von Papst Alexander VI. am 31.3.1495 gegen die in Italien unter Karl VIII. einmarschieren französischen Truppen arrangierte Allianz zwischen Ferdinand II. von Aragón, König, dem späteren Kaiser Maximilian I., dem Herzogtum Mailand und der Republik Venedig.

Morganatische Ehe

[mittellat.: matrimonium ad morganaticum “Ehe auf bloße Morgengabe”; gebildet aus dem althochdeutschen morgangeba i.e. Morgengabe; auch als “Ehe zur linken Hand” bezeichnet; eine Ehe in Kreisen des Hochadels, bei der einer der beiden Ehepartner von niedrigerem Stand als der andere war. Dieses Verfahren diente der Legalisierung von beabsichtigten Ehen z.B. mit Mätressen. Sie wurde aber auch eingegangen, um Kinder aus einer vorherigen Ehen deren Thronfolge auch dann zu sichern, wenn es zu in einer weiteren Ehe weitere Kinder geboren würden. Aus diesem Grunde wurden die vermögens- und erbrechtliche Wirkungen durch Ehevertrag ausdrücklich festgesetzt, Die morganatische Ehe wurde 1919 abgeschafft.

Verismo

Mitte des 19. Jahrhunderts in Italien aufkommende, vom französischen Naturalismus angeregte literarische Strömung, deren Hauptvertreter Giovanni Verga ist, und die auch in die Oper eingeflossen ist. Er beinhaltet soziale Probleme der Zeit. In der Oper Italiens warenPuccini, Mascagni und Leoncavallo die hervorragenden Hauptvertreter dieser Strömung, in Deutschland war d'Albert deren Vertreter.

Individualpsychologie

Dynamisches, von Alfred Adler begründetes Konzept einer nicht-mechanistischen, verstehenden Psychologie, die die den Menschen als Einzelwesen und dessen Beziehungen in den Mittelpunkt stellt. Sie gilt als Wegbereiterin der Neopsychoanalyse.

Trauung per Stellvertreter (per procurationem)

Eine besonders früher in Adelskreisen weit verbreitete Eheschließung, die in Abwesenheit eines der Ehepartner formgültig vollzogen wird. sie wurde oftmals auf diese Weise vollzogen, wenn einer oder beide Ehepartner noch minderjährig waren.

Prädestination

[lat. Vorbestimmung] eine auf den aulinischen Schriften des Neuen Testaments (Römer 8,2830, Epheser 1,314), aufbauende und durch Augustinus in der Auseinandersetzung mit dem Pelagianismus begründete Auffassung, derzufolge Gott von Anfang an das Schicksal des Universums und aller Menschen vorherbestimmt hat (s.a. Jansenismus).

Renaissance

[franz. Wiedergeburt], Prägung des Begriffes erfolgte erst im 19. Jahrhundert u.a. durch Jules Michelet und Jacob Burckhard]. Seit der 2 .Hälfte des 14.Jahrhunderts entwickelt sich zunächst an den Fürstenhöfen und Stadtrepubliken Norditaliens und Mittelitaliens, geprägt durch ein wiedererwachendes Interesse an der Kunst und Kultur der Antike, ein neues Lebensgefühl und eine neue Staatskunst. Die bislang hierarchisch gegliederte Feudalgesellschaft des Mittelalters löst sich von der mittelalterlichen allumfassende kirchlichen und der feudalen Ordnung sowie der agrarisch strukturierten Wirtschaft. Die Historiker der Renaissance lehnen die bisherige christliche Einteilung der Geschichte in Schöpfung, Menschwerdung Christi und das Warten auf das Jüngste Gericht ab, und der Mensch rückt in allen Bereichen des menschlichen Lebens in den Mittelpunkt. Die neue Entwicklung breitet sich auf alle Bereiche des Lebens aus, auf die Malerei und Architektur, die Musik und die Literatur, die Wissenschaften. Durch den aufblühenden überregionalen Handel und die Verbesserung der Infrastruktur entsteht ein Reichtum, der die von den Zwängen befreiten Nutznießern dieses Wohlstands zu verfeinertem Lebens- und Sinnengenuß führt. Auf der anderen Seite aber verlieren die Menschen die ihnen vertrauten und leitenden Orientierungsmerkmale, was zu weitreichenden Veränderungen in Moral und zwischenmenschlichem Verhalten führt. Insbesondere in der herrschenden Klasse und der Kirche entsteht eine Skrupellosigkeit, die alles Bisherige in den Schatten stellt. Der Macht, dem Ruhm und der Gier wird alles geopfert: Familie und Freundschaft, Glaubwürdigkeit und Treue: Jetzt kommt es nicht mehr auf die Moral an, sondern alles was zählt, ist der Erfolg. So ist Niccolò Macchiavelli, der eine Zeitlang am Hofe des skrupellosen Cesare Borgias lebte, überzeugt, daß sich ein Herrscher nicht an die überlieferten ethischen Normen halten muß. Die Renaissance brachte aber auch den Humanismus hervor, bedeutende Leistungen in der Kunst und in der Wissenschaft.

Durch die Feldzüge der französischen Könige Karls VIII. und Ludwigs XII. in Italien gelangt die Kultur der Renaissance auch nach Frankreich. In den Ländern nördlich der Alpen tragen Wissenschafter und Gelehrte wie Kopernikus und Agricola, und Johannes Gutenberg durch seiner Erfindung des Buchdrucks, zur Verbreitung der neuen Ideen bei; Kaiser Maximilian I. fördert im Heiligen Römischen Reich Kunst und Kultur.

Sizilianische Vesper

Aufstand der Bürger Palermos am Ostermontag, dem 30. März 1282, zur Vesperzeit (liturgische Abendgebet) gegen Karls I. von Anjou, Bruder König Ludwigs IX. von Frankreich und seit 1265 König von Neapel-Sizilien, der den schon lange schwärenden Konflikt um die Herrschaft im Königreich Sizilien beendete. Bereits die auf Veranlassung Karls I. von Anjou am 29.10.1268 in Neapel erfolgte öffentliche Enthauptung des Staufers Konradins war vom sizilianischen Volk nicht nur als ungerecht, sondern als ein unglaublicher Gewaltakt empfunden worden. Und nachdem die Franzosen die Bevölkerung Palermos über die Jahre durch ihre mit harter Hand geführten Machtausübung (u.a. Durchsetzung der Ämter durch französische Beamte, durch hohe Steuern) immer mehr aufbrachten, wuchs die Unzufriedenheit derart, daß sie mitPeter III., König von Aragonien, Schwiegersohn des Staufers Manfred, Sohn von Kaiser Friedrich II., der Ansprüche auf das Königreich geltend machen konnte, in Verbindung traten, um mit dessen Hilfe die französische Herrschaft zu beenden. Der Aufstand breitete sich über ganz Sizilien aus und führtezu einem Massaker an den dort herrschenden Franzosen. Peter III. besiegt Karl und erhielt dadurch das Königreich Sizilien, während Karl den festländischen Teil des Reiches, das Königreich Neapel, behielt. Die folgenden 20  Jahre waren geprägt von kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Aragonien und Neapel zur Durchsetzung der aragonischen Erbansprüche, die schließlich zur Bestätigung der Herrschaft Aragoniens über Sizilien führten.

Fronde

[franz. Schleuder] die in Frankreich zwischen 1648 und 1653 politische, gegen den Absolutismus der Regentin Anna von Österreich und v.a. ihres Ministers Jules Mazarin gerichtete Bewegung des Hochadels und der Parlamente (Gerichtshöfe) während der Minderjährigkeit Ludwigs XIV. Hauptakteur der Fronde war Louis II., Prinz von Condé. 1648 lehnten das Pariser Parlament sowie sechs weitere Parlamente in der Provinz, u.a. in der Dauphiné und im Languedoc, ein Steueredikt ab, das einer Anhebung der Steuern dienen sollte, mit dem die Kosten für denDreißigjährigen Krieg und den Krieg gegen Spanien finanziert werden sollten. Im Zuge der permanenten Steuererhöhung hatte sich unter dem einfachen Volk in den Städten, aber insbesondere unter der Landbevölkerung ein unvorstellbares Elend ausgebreitet, das von der Regentin und ihrem Sohn Ludwig XIV. nicht zur Kenntnis genommen wurde. Als der Sprecher der Grand’ Chambre, Pierre Broussel, verhaftet wurde, kam es in Paris zu Aufständen, die in Barrikadenkämpfe mündeten. Während Truppen unter Louis II., Prince de Condé, in der Folge der Unruhen die Stadt einschlossen und sie aushungerte, floh der gesamte Hofstaat aus dem aufständischen Paris nach Saint-Germain. Erst im März des Folgejahres kam es nach Reformversprechungen seitens der Krone im Frieden von Rueil zu einem Ausgleich. Die Erfahrungen der Fronde bestimmten Ludwig XIV. in hohem Maß zum Ausbau seiner absoluten Herrschaft.

Über die Herkunft des Begriffes Fronde für die Rebellion gegen den König gibt Jean-François Paul de Gondi, Kardinal Retz (*1613, †1679) in seinen Memoiren folgende Erklärung: “Eines Tages bemerkte Bachaumont (gemeint ist der Dichter François Le Coigneux de Bachaumo,*1624, †1702), scherzend, das Parlament verhalte sich wie Schuljungen, die in den Festungsgräben von Paris mit ihrer Schleuder hantieren, die auseinanderlaufen, sobald sie den Gendarmen kommen sehen und wieder zusammenkommen, sobald er außer Sichtweite ist...“

Vertrag von Rapallo

ein am 16. April 1922 zwischen dem Deutschen Reich und der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik im italienischen Küstenort Rapallo am Rande der von dem englischen Premierminister David Lloyd George in Genua einberufenen Wirtschaftskonferenz geschlossenes Sonderabkommen.

Als den deutschen Teilnehmern klar wurde, daß Deutschland nicht gleichberechtigt behandelt werden würde und insbesondere das Thema der Reparation auf Veranlassung Frankreichs von der Tagesordnung gestrichen wurde, trafen sich die sowjetische und die deutsche Delegation im benachbarten Rapallo und unterzeichneten einen Vertrag, in dem beide Seiten auf den Ersatz ihrer Kriegskosten und Zivilschäden verzichteten. Für den künftigen Handels- und Wirtschaftsverkehr sollte der Grundsatz der Meistbegünstigung gelten .Außerdem wurde die diplomatischen und konsularischen Beziehungen wieder aufgenommen.

Münchner Abkommen

am 29.  September 1938 in München zwischen dem Deutschen Reich, Italien, Frankreich und Großbritannien geschlossenes und am 30. September unterzeichnetes Abkommen zur Beilegung der Sudetenkrise. In diesem Abkommen stimmten Großbritannien und Frankreich der Abtretung des überwiegend von Deutschen besiedelten böhmischen Grenzgebietes Sudetenlandes zu; außerdem garantierten alle Vertragspartner, auch das Deutsche Reich, den territorialen Bestand und die Sicherheit der Rest-Tschechoslowakei. Frankreich und Großbritannien gingen irrigerweise davon aus, daß mit der Angliederung des Sudetenlandes an das Deutsche Reich nach dem Anschluß Österreichs im März 1938 die territorialen Ambitionen Hitlers und die deutschen, aus dem Versailler Vertrag resultierenden Revisionsforderungen befriedigt seien und damit eine Kriegsgefahr in Europa gebannt sei. Tatsächlich aber marschierten deutsche Truppen im März 1939 in der Rest-Tschechoslowakei ein und errichteten das Reichsprotektorat Böhmen und Mähren. Damit war das Münchner Abkommen null und nichtig, und die englisch-französische Appeasement-Politik gegenüber dem nationalsozialistischen Deutschland gescheitert. Nachdem Deutschland und die UdSSR am 23.8.1939 einen Nichtangriffspakt, den Hitler-Stalin-Pakt geschlossen hatten und Hitler am 1. September 1939 Polen angriff, erklärten Großbritannien und Frankreich dem Deutschen Reich jedoch sofort den Krieg. Am 5.8.1942 erklärten der britische Außenminister Anthony Eden und der Chef der tschechoslowakischen Exilregierung, Edvard Beneš, in einem Briefwechsel das Münchner Abkommen für aufgehoben.

Großer Nordischer Krieg, auch Zweiter Nordischer Krieg (1700-21)

Kriegerische Auseinandersetzung Rußlands, Sachsen-Polens und Dänemarks auf der einen, Schwedens auf der anderen Seite um das schwedische Übergewicht in Nordeuropa zu brechen. Der schwedische König Karl XII. ging zunächst gegen die Dänen vor und schlug sie, worauf diese aus der Koalition ausschieden. Als nächstes besiegte er die Russen in der Schlacht bei Narwa am 30.11.1700) und drang siegreich in Polen ein, wo er Stanislaus I. Leszczynski 1704 zum König wählen ließ, während August II. der Starke im Frieden von Altranstädt (24.9. 1706) auf die polnische Krone verzichten mußte. Danach zog Karl XII. in die Ukraine, verlor aber am 8.7.1709 entscheidende Schlacht bei Poltawa und floh ins Osmanische Reich. 1710 unterwarf Peter der Große Livland. Nachdem Karl XII. die Osmanen zu einem Angriff auf Rußland veranlaßte, schlugen die Osmanen die Russen 1711 am Pruth und schlossen gegen die Abtretung von Asow Frieden. Nach Beendigung desSpanischen Erbfolgekrieges im Jahre 1713 schlossen sich Preußen und Hannover der antischwedischen Koalition an und und gingen zusammen mit Dänemark in Norddeutschland gegen die Schweden vor, die sich nach und nach zurückziehen vom Festland zurückziehen mußten; unterdessen eroberte Peter 1713/14 Finnland. Karl XII. fiel 1718 bei der Belagerung der Festung Fredrikshald. Im Frieden von Stockholm trat Schweden 1719 Bremen-Verden an Hannover, 1720 das östliche Vorpommern mit Stettin an Preußen und im Frieden von Nystad (10.9.1721) Livland, Estland, Ingermanland und Karelien mit Wiborg an Rußland ab. Rußland war zur europäischen Großmacht aufgestiegen.

Reconquista

[span.& port. Rückeroberung]; Bezeichnung für die ab 711 durch christliche Heere erfolgte Rückeroberung der von den Mauren besetzten Iberischen Halbinsel; sie nahm ihren Ausgang inpinxit Francisco Pradilla y Ortiz (1882) Asturien, hatte größere Erfolge seit dem 10./11. Jahrhundert, bis ihr schließlich im 15. Jahrhundert der endgültige Erfolg beschieden war: 1236 wurden Córdoba und 1248 Sevilla durch Kastilien, 1238 Valencia durch Aragón und 1250 die Algarve durch Portugal erobert; die endgültige Eroberung Murcias durch Kastilien und Aragón erfolgte 1265. Im Januar 1492 war mit der der Eroberung des Königreichs Granada durch Isabella I. von Kastilien und Ferdinand II. von Aragonien die Iberische Halbinsel von den arabischen Herrschern befreit. Im selben Jahr erließen die Könige das Alhambra-Edikt, in dem die Vertreibung der Juden aus allen Territorien der spanischen Krone zum 31. Juli des Jahres angeordnet wurde, sofern sie bis dahin nicht zum Christentum übergetreten waren.

1492 - Muhammad XII. kapituliert und übergibt die Stadt an Königin Isabella I. von Kastilien und König Ferdinand II. von Aragón

 

 

 

Deutscher Orden

[auch gen. Deutschritterorden, Deutschherrenorden, Kreuzritterorden] geistiger Ritterorden, der 1198 einer Hospitalgenossenschaft hervorging, die deutschordennorddeutsche Kaufleute während des 3. Kreuzzuges 1190 bei der Belagerung von Akko gründeten. Geführt wurde der Orden, dessen Emblem ein schwarzes Kreuz auf weißem Grund ist, von einem auf Lebenszeit gewählten Hochmeister; dieses war kein Reichsfürst, aber reichszugehörig. Bis 1291 hatte der Orden seinen Sitz in Akko, verlagerte aber bereits ims 13. Jahrhundert seinen Tätigkeitsschwerpunkt nach Osteuropa. Unter dem Hochmeister Hermann von Salza (*1210, †1239) besaß der Orden von 1211 bis 1225 als ungarisches Lehen das siebenbürgische Burzenland. 1226, von Herzog Konrad von Masowien, den Orden gegen die heidnischen Prußen zu Hilfe gerufen hatte, erhielt der Orden das Culmer Land. Kaiser Friedrich II. ermächtigte den Orden 1226 in der Goldbulle von Rimini, die heidnischen Bewohner zu bekehren und die Herrschaft in dem eroberten Gebiet auszuüben. Damit war die Grundlage für den Deutschordenstaat geschaffen. Bis 1283unterwarf der Deutsche Orden das ganze Land der Prußen, das er mit deutschen Bauern besiedelte und durch die Errichtung von Ordensburgen sowie die Gründung zahlloser Städte, darunter Elbing, Königsberg strategisch sicherte und kultivierte. 1308 erwarb er Pomerellen mit Danzig, 1346 Estland, 1398 Gotland, und mit dem Erwerb der Neumark 1402 hatte das Territorium des Ordens seine größte Ausdehnung erreicht .Nachdem 1291 Akko an die Muslime verloren gegangen war, wurde der Sitz des Hochmeisters nach Venedig und schließlich 1309 nach Marienburg in Westpreußen verlegt und den Höhepunkt seiner Macht erreicht. Der Orden geriet zunehmend in Gegensatz zu dem seit 1385 vereinigten Polen-Litauen. Am 15.7.1410 unterlag das Ordensheer in der Schlacht bei Tannenberg einem polnisch-litauischen Heer, und der Orden mußte im 1. Thorner Frieden von 1411 Samogitien abtreten. Nach einer langwierigen Auseinandersetzung mit den preußischen Ständen, die von Polen unterstützt wurden, mußte der Orden im 2. Thorner Frieden von 1466 Pomerellen mit Danzig, Marienburg, das Culmer Land und das Ermland an Polen abtreten, sowie die Oberhoheit des polnischen Königs über das restliche ostpreußische Ordensland anerkennen. Der Hochmeister verlegte seinen Sitz jetzt nach Königsberg. 1525 wandelte der letzte Hochmeister des Ordens, Markgraf Albrecht von Brandenburg-Ansbach, das preußische Ordensland in ein erbliches, säkularisiertes Herzogtum unter polnischer Lehenshoheit um, was von Kaiser, Papst und Deutschmeister jedoch nicht anerkannt wurde. Der Orden bestand im Heiligen Römischen Reich weiter, bis ihn schließlich Napoléon 1809 auflöste.

Code Civil (Code Napoléon)

Bezeichnung für das zwischen 1804 und 1807 entstandene französische Gesetzbuch des bürgerlichen Rechtes (der vorübergehende Name Code Napoléon rührt daher, daß das Gesetz während dessen Herrschaft in Kraft trat). In ihm wurden die in den verschiedenen Teilen Frankreichs existierenden rechtlichen Regelungen vereinheitlicht und zusammengefaßt. Er stellt einen Kompromiß zwischen dem germanischen Recht, das in den nördlichen Provinzen Frankreichs dominierte, und dem römischen Recht, das in Ost- und Südfrankreich angewandt wurde, dar. Die vereinheitlichte Sammlung der Gesetze wurde maßgebend für einige Staaten in Europa, aber auch einigen in Amerika. In den linksrheinischen Gebieten Deutschlands und in Baden galt der Code Napoléon bis zum In-Kraft-Treten des Bürgerlichen Gesetzbuches im Jahre 1900.

 Titelblatt der Originalausgabe von 1804

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Deismus

[von lat. deus = Gott] eine Anschauung der Aufklärung im 17. und 18. Jahrhundert - insbesondere in England -, daß Gott zwar die Welt erschaffen habe, aber nach der Schöpfung keinen Einfluß mehr auf die weitere Entwicklung der Welt nähme. Als einer der ersten Theoretiker dieser Anschauung gilt Edward Herbert Lord of Cherbury mit seinem philosophischen Hauptwerk De veritate (1624, dt. Über die Wahrheit).

Anarchismus

[von altgriech. ἀναρχία = Herrschaftslosigkeit] Bezeichnung für eine im frühen 19. Jahrhundert entstandene politisch-philosophische Denkrichtung, die jede Art von Einfluß des Staates in das menschliche Leben ablehnt und somit eine herrschaftsfreie Gesellschaft anstrebt. Nach dieser Vorstellung soll jeder Mensch frei, gleichberechtigt und autoritätslos leben können – ohne daß jedoch die Rechte anderer beeinträchtigt werden. Die erste von Michail Bakunin und Sergej G. Netschajew gegründete revolutionär-anarchistische Organisation verübte zahlreiche Attentate und führte Sabotageakte durch.

Dominotheorie

eine nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der zunehmenden Spannung zwischen der ehemals gegen den Nationalsozialismus verbündeten Sowjetunion und den Staaten des Westens (Kalten Krieg) entstandenes politisches Modell, demzufolge eine fortschreitende Ausbreitung der kommunistischen Ideologie insbesondere in den Staaten in Ost- und Südostasien dann zu befürchten sei, wenn nach dem Fall eines einzigen Staates – ähnlich dem Fall eines Dominosteines - weitere Steine (Staaten) kippen und der kommunistischen Ideologie anheim fallen könnten. Als geistige Begründer der Dominotheorie gelten Dean Acheson und John Foster Dulles,

Apokryphen

[von altgriech. ἀπόκρυφος = verborgen]; bezeichnet jene jüdischen und christlichen Schriften, die von der Kirche als zusätzliche Bücher in das griechische Alte Testament bzw. in das Neue Testament übernommen wurden, die aber nicht in der hebräischen Version enthalten waren. Die Apokryphen des Alten Testaments werden von der katholischen Kirche meist als deuterokanonisch zur Bibel gerechnet;

Pragmatische Sanktion

Von Kaiser Karl VI. am 19.4 1713 verkündetes und 1724 zum Staatsgrundgesetz erhobenes Hausgesetz der Habsburger. Um im Falle des Aussterbens der männlichen Linie eine Aufteilung oder den Verlust der habsburgische Besitztümer und Privilegien zu vermeiden, bestimmt es, daß das Erstgeburtsrecht sowohl im männlichen als im weiblichen Stamm zu gelten habe.

 

Pragmatische Sanktion (1717)

 

 

 

 

 

 

Charta 77

1977 in der Tschechoslowakei gegründete Bürgerrechtsbewegung, die unter Berufung auf die KSZE-Schlußakte von Helsinki von 1975 sowie zwei Menschenrechtsabkommen der Vereinten Nationen die tschechische Regierung 1977 aufforderte, die Einhaltung des auch von ihr unterzeichneten Abkommens auch in der Tschechoslowakei zu gewährleisten. Hintergrund waren die repressiven Maßnahmen, die der tschechische Staat nach der Ablösung Alexander Dubčeks durch Gustáv Husák unter dem Druck der Sowjetunion ergriffen hatte, insbesondere die Invasion der Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei im August 1968. Nachdem zunächst 242 Personen die Charta 77 unterzeichnet hatten, waren es Ende 1977 über 800, 1989 etwa 1.800 Mitunterzeichner. Die Charta 77 hatte jährlich wechselnde drei Sprecher, die insbesondere zu allen Verletzungen der Menschen- und Bürgerrechten Stellung nahm. Führende Vertrete, darunter der Schriftsteller Václav Havel wurden 1989 zu Mitbegründern des Bürgerforums bzw. anderer politischer Gruppierungen. 1990 wurde die Charta 77 aufgelöst.

Illuminatenorden

[von lat. illuminati = Erleuchtete], 1776 von Adam Weißhaupt in Ingolstadt gegründeter Geheimorden. Der Geheimbund umfaßte seinerzeit ca. 2.000 bis 2.500 vorwiegend aus der Beamtenschaft stammenden Mitglieder; im hatten sich jedoch auch Literaten wie z.B. Goethe und Herder angeschlossen sowie Adlige. Ziel des Ordens war es, durch die Prinzipien der Aufklärung eine weltbürgerliche Gesinnung zu fördern und die Bekämpfung des monarchischen Prinzips die Durchsetzung des ”Lichts der wahren Vernunft "zu erreichen. Alle Mitglieder erhielten bei ihrer Aufnahme in den Orden neue Namen. Nach und nach konnte sie sich in dem Orden auf drei Ordensgrade bis zum Erleuchteten Minerval hochdienen. Die Mitglieder mußten in versiegelten Briefen, sogenannten Quibus licet [von lat: quibus licet = wem es erlaubt ist (dies zu lesen)], über ihre Lektüren - vom Orden ausgewählten Schrifttums - berichten. Außerdem sollten sie ihr Umfeld, selbst das ihrer eigenen Familie, beobachten und darüber berichten, so daß sich ein regelrechtes Spionagesystem entwickelte. 1785 wurde der Orden vom bayerischen Kurfürsten Karl Theodor verboten. Ordensmitglieder hatten Teile einer außenpolitischen Korrespondenz entwendet, was als Einmischung in die Außenpolitik gedeutet wurde. Dennoch wirkten auch nach der offiziellen Auflösung des Ordens einzelne Mitglieder in gesonderten Logen fort. Und infolge des Aufruhrs um die angeblichen geheimen Machenschaften des Ordens, der nun besonders von Jesuiten und Rosenkreuzern veranstaltet wurde, erfuhren die Illuminaten großes Aufsehen in der Öffentlichkeit; so verdächtigte man sie u.a., die Französische Revolution ausgelöst zu haben. 1896 wurde der Orden in Deutschland von dem Historiker Leopold Engel neu gegründet, und 1925 ging er im Weltbund der Illuminaten mit Sitz in Berlin auf.

Pariser Kommune (franz. La Commune de Paris) von 1871

Als es nach dem auf den Deutsch-Französischen Krieg erfolgten Waffenstillstand im Januar 1871 und dem Abschluß eines Präliminarfriedens im Februar 1871 über die von Otto von Bismarck erhobenen Forderungen in der französischen Nationalversammlung zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den mehrheitlich vertretenen Royalisten, die für die Wiederherstellung der Monarchie plädierten, und radikalen Republikaner und Sozialisten von 20 Pariser Bezirken, die die Forderungen für eine Demütigung hielten und weiterkämpfen wollten, kam, stellte sich die Nationalgarde gegen die Regierung unter Adolphe Thiers und errichtete in Paris eine proletarische Regierung, das sogenannte Nationalkomitee der Nationalgarde. Nach der auf den 26. März angesetzten Wahl bildete der aus dieser Wahl hervorgegangene Stadtrat die Pariser Kommune von 1871. Innerhalb kürzester Zeit beschloß die Kommune, deren Mitglieder, die Kommunarden, mehrheitlich Anhänger des Revolutionärs Louis Auguste Blanqui waren oder den sozialistischen Theorien des Philosophen Pierre Joseph Proudhon anhingen, zahlreiche soziale Reformen, darunter kostenloser Schulunterricht für Kinder, Gleichberechtigung der Frau, Arbeitsschutzgesetze, Trennung von Kirche und Staat. Bevor es jedoch gelang, diese Reformen zu realisieren, hatte die Nationalversammlung Truppen nach Paris entsandt, die die Kommune niederschlagen sollten. Ab Sonntag, 2. April 1871, beschossen Regierungstruppen unter Führung von Marschall Mac-Mahon sechs Wochen lang die Stadt, bevor es ihnen Anfang Mai gelang, die Schutzwälle und Barrikaden niederzureißen. In dem später als “Semaine sanglante” (blutigen Wochen) bezeichneten Zeitraum zwischen dem 21. und 28. Mai fanden heftige, auf beiden Seiten teils brutale Auseinandersetzungen in den Straßen von Paris statt, bei denen die Regierungstruppen mehr als 20.000 Menschen töteten, bevor sich die Kommunarden schließlich ergaben. Aber damit war das Drama noch nicht beendet, denn es wurde viele Tausende verhaftet und verurteilt, außerdem kam es zu Massendeportationen und Verbannungen; erst 1880 wurden die noch Überlebenden amnestiert.

Koreakrieg

Bezeichnung für den nationalen militärischen Konflikt in Korea von Juni 1950 bis Juli 1953. der er sich zu einem Stellvertreterkrieg zwischen Ost und West, zwischen Kommunismus undf Kapitalismus ausweitete.korea_stielers_handatlas1891_kl

Vorgeschichte:

Das Kaiserreich Korea war 1894 unter die Vorherrschaft Japans geraten und 1910 von Japan annektiert worden. Nach der Kapitulation Japans 1945 wurde das Land unter den Siegermächten in zwei Besatzungszonen geteilt, indem das Gebiet nördlich des 38. Breitengrades von der Sowjetunion und das südliche Gebiet von den Vereinigten Staaten von Amerika besetzt und zu deren jeweiliger Einflußsphäre wurde. Am 14.11.1947 übernahmen die Vereinten Nationen (UNO) das Mandat für das geteilte Land mit dem Ziel einer Wiedervereinigung unter einer gewählten Regierung und ordneten 1947 Wahlen an, die aber nur im Süden durchgeführt wurden und im August in die Gründung der Republik Süd-Korea mit der Hauptstadt Seoul mündeten, während im Norden im September 1948 unter Kim Il Sung die Proklamation der Volksdemokratischen Republik Nord-Korea mit Pjöngjang als Hauptstadt erfolgte. Nachdem im Laufe des Jahres 1948 die Besatzungstruppen abgezogen waren, begannen die beiden Teilrepubliken mit einer raschen Aufrüstung. Anfang des Jahres1949 versuchte Kim Il-sung (*1912, †1994), Stalin davon zu überzeugen, daß es angebracht wäre, in den Süden einzumarschieren. Stalin lehnte diese Vorhaben jedoch mit dem Hinweis auf die schlechte Ausrüstung der nordkoreanischen Truppen ab; außerdem befürchtete er eine Einmischung der Vereinigten Staaten. Es begann jedoch mit sowjetischer Unterstützung eine Ausbildung mit sowjetischer Hilfe und Ausrüstung mit Waffen der Sowjetunion. , so daß die nordkoreanische Volksarmee den Truppen des Südens in jeder Waffengattung 1950 deutlich überlegen war. Jetzt nahmen an der Demarkationslinie des 38. Breitengrads die Grenzverletzungen gravierend zu.

Verlauf:

Nach Rückversicherung seitens Stalins überschritten nach den zuvor immer wieder abwechselnden Grenzverletzungen beider Konfliktparteien Truppen der nordkoreanische Volksarmee am 25. Juni 1950 überraschend den 38. Breitengrad und rückten schnell auf die grenznah gelegene südkoreanische Hauptstadt Seoul vor. Die USA reagierten sofort militärisch und holten sich dafür nachträglich die Rückendeckung des UN-Sicherheitsrates. Der UNO-Sicherheitsrat verurteilte erwartungsgemäß den “Bruch des Friedens“ durch Nordkorea und verabschiedete am 27 .Juni unter Enthaltung der Stimme des Vertreters der Sowjetunion, der dazu von Stalin persönlich eine entspr. Anweisung erhalten hatte, eine von den USA eingebrachte Resolution. und erteilte mit derResolution 85 die Zustimmung für ein militärisches Eingreifen durch UN-Streitkräften gegen Nordkorea; drei Tage später entsandte US-Präsident Harry S. Truman Truppen nach Korea. Trotz Unterstützung diurch Luftangriffen auf die in den Süden eingedrungenen nordvietnamesischen Streitkräfte mußten die Südvietnamesen immer weiter zurückweichen. Am 28. Juni wurde Seouli von Nordkorea eingenommen und die Regierung mußte nach Daejeon fliehen. Zwei Tage ordnete US-Präsident Truman den Einsatz von US-Bodentruppen in Korea an sowie und eine Seeblockade der nordkorenischen Küsten. Inzwischen drang die nordkoreanische Volksarmee rasch weiter auf der Halbinsel nach Süden vor und erreichte im Osten die Stadt Samcheok einnehmen und überquerte im Westen den Hangang überqueren. Die südkoreanischen und die UN-Truppen wurden immer weiter in den Süden zurückgedrängt. Im September 1950 kontrollierte die nordkoreanische Volksarmee schließlich fast das gesamte Land - nur ein kleines Gebiet im Südosten in der Peripherie der Hafenstadt Pusan blieb unbesetzt. Am 15 . September 1950 begann unter dem Befehl von General Douglas MacArthur die Gegenoffensive mit einer Landung im Rücken des Gegners bei dem an der südkoreanischen Küste, ca. 40 Kilometer westlich von Seoul gelegenen Hafen- und Industriestadt Incheon - ganz in der Nähe, wo sich heute Seouls Internationaler Flughafen befindet. Jetzt gelang es, die nordkoreanischen Truppen über den 38.  Breitengrad zurückzudrängen und Pjöngjang zu erobern. Trotz wiederholter Warnungen aus Peking drangen südvietnamesische und UN-Streitkräfte im Oktober bis zur nordkoreanisch-chinesischen Grenze am Fluß Yalu vor. Dort trafen sie auf zunächst 200.000 Soldaten umfassende chinesische Freiwilligenverbände und mußten nach heftigen Kämpfen den Rückzug antreten; aber als sich die chinesischen Truppen ebenfalls zurückzogen, setzte MacArthur erneut die Offensive fort. Wenig später schlugen die jetzt von etwa 180 000 chinesischen Streitkräften unterstützten nordkoreanischen Streitkräfte jedoch zurück. Am 5.  Dezember eroberten die zahlenmäßig weit überlegenen nordkoreanisch-chinesischen Truppen Pjöngjang (Pyong-yang) zurück, und es gelang ihnen im Dezember - allerdings unter schweren Verlusten - die UN-Truppen zurückzuwerfen; diese zogen sich auf den Brückenkopf von Hŭngnam zurück und wurden über den Hafen der Stadt gemeinsam mit einer großen Zahl von nordkoreanischen Zivilisten evakuiert. Während es den nordvietnamesischen Truppen gelang, nach Südkorea vorzustoßen und am 4. Januar 1951 Seoul erneut einzunehmen, .rief der US-amerikanische Präsident Truman aufgrund der Vorkommnisse am 16. Dezember den nationalen Notstand mit der Folge aus, daß nun mehr große Mengen an Soldaten und Material im Kampfgebiet eingesetzt werden konnten. Am 15. Januar konnte die nordvietnamesische Offensive südlich von Seoul gestoppt werden, und am 21.  Februar gingen die UN-Streitkräfte wieder zum Gegenangriff über und zwangen die nordkoreanisch-chinesischen Truppen nach und nach zum Rückzug aus Südkorea. Am 14.  März eroberten sie Seoul zurück, und am 22. April hatten sie schließlich die Front etwas nördlich des 38. Breitengrades stabilisiert. Allerdings setzte nunmehr ein zäher Stellungskrieg ein. Bereits am 11.  April 1951 hatte Truman General MacArthur durch General Matthew Ridgway ersetzen lassen, nachdem Ersterer eine Ausweitung des Krieges auf China, sogar ggf. den Einsatz von Atombomben gefordert und noch dazu die politisch handelnden Personen in Washington öffentlich als inkompetent bezeichnet und für die militärischen Rückschläge verantwortlich gemacht hatte. Als im Juli 1951 erkennbar wurde, daß der Krieg in einem Stellungskrieg erstarren würde, schlug die Sowjetunion offiziell die Aufnahme von Waffenstillstandsverhandlungen vor. Die Verhandlungen begannen bereits am 10 . Juli 1951 in Kaesong in Nordkorea, zogen sich aber mit Unterbrechungen über zwei Jahre hin. Am 27. Juli 1953 wurde in Panmunjom dasWaffenstillstandsabkommen auf der Basis des Status quo ante zwischen Nord- und Südkorea geschlossen, in dem im Wesentlichen der 38.  Breitengrad als Grenze zwischen Nord- und Südkorea bestätigt wurde. Allerdings wurde beiderseits der Grenze eine vier Kilometer breite entmilitarisierte Zone vereinbart. Einzig hinsichtlich des Austausches von Kriegsgefangenen war es immer wieder zu Meinungsverschiedenheiten gekommen, da sich Nordkorea weigerte, den UN-Vorschlag zu akzeptieren, wonach Kriegsgefangene nicht gegen ihren Willen in ihre Heimatländer zurückgeschickt werden dürften. Erst 1953 hatte man sich auch in dieser Frage geeinigt.

Ergebnis:

Der Krieg kostete ca. 40.000 UN-Soldaten - davon ca. 37.000 US-Amerikaner - 500.000 koreanische und 400.000 chinesische Soldaten das Leben. Unter der Zivilbevölkerung waren nach Schätzungen mehr als vier Millionen Menschenleben zu beklagen, knapp eine Million Chinesen und vermutlich mehrere Millionen Koreaner, die nicht alle Kriegshandlungen zum Opfer gefallen, sondern Opfer von zahlreichen auf beiden Seiten ausgeführten Massakern waren.

Suezkrise

Bezeichnung für den politisch-militärischen Konflikt zwischen Ägypten einerseits und Israel, Frankreich und Großbritannien andererseits, der durch die Verstaatlichung der Suezkanalgesellschaft gemäß Gesetz vom 26.7.1956 unter dem ägyptischen Präsidenten Gamal Abd el-Nasser ausgelöst wurde. Ägypten hatte in Folge des arabisch-israelischen Krieges von 1948/49 bereits 1950 Israel die Benutzung des Suezkanals untersagt. Nachdem 1956 die britischen Truppen aus der Kanalzone abgezogen worden waren, verstaatlichte Ägypten den Suezkanal, ohne die Hauptaktionäre Frankreich und Großbritannien zu entschädigen. Israel nutzte die rechtlich und politisch unklare Lage und rückte mit Truppen bis zum Suezkanal vor. Zum vom Oktober bis November 1956 andauernden Suezkrieg kam es, als auch Frankreich und Großbritannien militärisch in Form von französisch-britische Angriffe auf Suez und Port Said in den Konflikt eingriffen. Die beiden Supermächte USA und Sowjetunion übten Druck auf die drei Länder aus, sich aus Ägypten zurückzuziehen. Im Dezember 1956 mußten die britisch-französischen Truppen aufgrund der UN-Resolution vom 6.11. abziehen und wurden durch UN-Truppen ersetzt, die die Benutzung des Suezkanals für die israelische Schifffahrt garantierten. Israel zog daraufhin seine Truppen im März 1957 hinter die Waffenstillstandslinien von 1949 zurück. Der Abzug Israels beendete die Suezkrise. Heute wird die Suezkrise als der Beginn des Untergangs Großbritanniens und Frankreichs als Weltmacht angesehen.

Pariser Studentenrevolte (1968), auch Mai-Unruhen genannt

Unruhen im Mai 1968, ausgelöst aufgrund wachsender Unzufriedenheit der französischen Studenten mit ihren Studienbedingungen und durch die Räumung einer Fakultät der Pariser Universität Sorbonne. Außerdem wurden seitens der Studenten an den Hochschulen die kapitalistische Gesellschaft zunehmend und massiv kritisier. Soziologiestudenten der Universität von Nanterre versuchten, die Hochschule zur Keimzelle einer Revolution gegen den Kapitalismus zu machen, und nach der Besetzung der Universität Ende April kam es zu deren Schließung. Einer der Anführer der Pariser Unruhen war der Deutsche Daniel Cohn-Bendit. Nachdem die Polizei eingriff, riefen Studentenvereinigungen und auch Dozenten zum Generalstreik auf, und als eine Woche lang weitere Studentenproteste von der Polizei gewaltsam verhindert worden waren, schlossen sich die Gewerkschaften dem Streikaufruf an. Am 10. Mai wurden im Innenstadtbereich von Paris Barrikaden errichtet, die die Bereitschaftspolizei CRS in der Nacht vom 10. auf den 11. Mai  räumte, wobei es Hunderte Verletzte und 500 Festnahme gab. Am 13. Mai traten schließlich über neun Millionen Arbeitnehmer in den Ausstand, so daß das ganze Land lahmgelegt wurde, obwohl Premierminister Georges Pompidou ein Amnestiegesetz für alle verhafteten und verurteilten Studenten ankündigte und die Polizei abziehen ließ. Am 30. Mai kam es auf dem Champs-Elysées zu einer von Charles de Gaulle unterstützten Gegendemonstration, die die Wiederherstellung geordneter Verhältnisse forderte. Er löste das Parlament auf und konnte sich in der folgenden Wahl einer großen Zustimmung erfreuen. Dennoch zeigten die Studentenproteste und die Unruhen in Paris und im Lande Wirkung: Den Gewerkschaften gelang es, eine 12-prozentige Lohnsteigerung auszuhandeln. Außerdem war den Politikern klar geworden, daß kulturelle, politische und ökonomische Reformen in Frankreich notwendig seien, um weitere gesellschaftliche Verwerfungen in der Zukunft zu vermeiden. Als de Gaulles Vorschläge zu einer Strukturreform des politischen Systems scheiterten, trat er im April 1969 zurück.

Schlacht auf dem Amselfeld

Nachdem die Osmanen, um ihren Machtbereich nach Europa auszudehnen, 1356 den Hellespont (Dardanellen) überschritten und fünf Jahre später die Städte Thessaloniki sowie Adrianopel (heute Edirne, Türkei) eingenommen hatten, leisteten ihnen lediglich die Serben noch Widerstand. Am 15./28. Juni 1389 kam es zwischen den Osmanen unter Sultan Murad I. und einer von König Lazar I. geführten Streitmacht, der neben Serben auch Bulgaren, Bosnier, Albaner, Polen, Ungarn und Mongolen angehörten, auf dem Kosovo Polje (Amselfeld) unweit Priština am Flußlauf des Lab in Serbien, dem heutigen Kosovo, zur Schlacht, die mit einer vernichtenden Niederlage Lazars endete, obwohl während der Schlacht ein serbischer Adelige, der sich als Deserteur ausgegeben hatte und somit in das Lager der Osmanen gelangt war, Murad mit einem vergifteten Dolch erstaochen hatte. Lazar wurde gefangengenommen und hingerichtet, und Serbien wurde ein Vasallenstaat des osmanischen Reiches. Der 28. Juni, der Sankt-Veits-Tag, ist seit der Schlacht auf dem Amselfeld ein wichtiger nationaler Gedenktag in Serbien.

Ewiger Landfriede

das auf Veranlassung von Kaiser Maximilian I: auf dem Reichstag zu Worms am 7.8.1495 beschlossene Reichsgesetz, das das mittelalterliche Fehderecht abschaffte. Ansprüche sollten nur noch auf dem Rechtsweg geltend gemacht werden; es verbot somit jegliche Art von Selbstjustiz und war bis zum Ende des alten Reiches 1806 in Kraft. Die Wahrung des Ewigen Landfriedens wurde dem neu geschaffenen Reichskammergericht als oberster Rechtsinstanz übertragen.

Bauhaus

Von Walter Gropius 1919 in Weimar gegründete Schule mit Werkstätten für gestaltendes Handwerk, Architektur und bildende Künste. 1925 wurde sie als Hochschule für Gestaltung nach Dessau verlegt, wo sie ihre Blütezeit erlebte, 1932 nach Berlin, wo sie 1933 aufgelöst wurde. Zu ihrem Lehrpersonal zählten bedeutende Künstler wie Ludwig Mies van der Rohe, der ab 1930 bis zu seiner Schließung das Bauhaus leitete,Johannes Itten, Wassily Kandinsky, Lyonel Feininger, Paul Klee, Oskar Schlemmer, Gerhard Marcks. Vom Bauhaus gingen nachhaltige Wirkungen auf viele Bereich der Kunst und des täglischen Lebens aus, so auf die Kunstpädagogik, die moderne Architektur, die Wohnraumgestaltung und die Industrieform.1994 wurde die Stiftung Bauhaus Dessau gegründet, die sich sowohl mit der Bewahrung und Vermittlung des Bauhauserbes beschäftigt als auch Beiträge zur heutigen Gestaltung auf den Gebieten Architektur, Urbanistik, Design sowie darstellende und bildende Kunst leistet. Seit 1999 wird am Bauhaus wieder gelehrt. Die Ausbildung erfolgt in Form eines einjährigen Bauhauskollegs.

Syndikalismus

die Ende des 19. Jahrhunderts entstandene Lehre einer revolutionären, gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung, die sich zuerst in Frankreich entwickelte, sich besonders in Italien, Spanien und Südamerika verbreitete, aber auch in Großbritannien und den USA eigene Ausprägungen erfuhr. Der Syndikalismus, dem Anarchismus eng verbunden, vertritt das Prinzip, durch die ”direkte Aktion, d.h. Boykott, Sabotage, besonders Generalstreik, den Klassenkampf unmittelbar im ökonomischen Bereich zu führen, und lehnt politische Parteien ab. Die Produktionsmittel sollen vergesellschaftet und durch demokratische Leitungsorgane der Arbeiter, sog. Arbeitersyndikate, gelenkt, überbetriebliche Aufgaben durch die Gewerkschaften gelöst werden. Der Syndikalismus geht v.a. auf Georges Sorel, Pierre Joseph Proudhon und Michail Bakunin und zurück.Titelblatt des Drucks des Augsburger Reichs- und Religionsfriedens Abschiedt der Röm. Königl. Majestat und gemeiner Stendt auf dem Reichßtag zu Augspurg a. D. 1555 auffgericht ..., Meyntz 1555 Mainz 1555

Harzburger Front

Bezeichnung für den Zusammenschluß von Nationalsozialistischer Deutscher Arbeiterpartei (NSDAP), Deutschnationaler Volkspartei (DNVP), Stahlhelm u.a. Verbänden, der sogenannten Nationale Opposition, die auf Initiative von Alfred .Hugenberg unter dessen, der Führung Adolf Hitlers und Franz Seldtes gegen das zweite Kabinett Heinrich Brünings während der Tagung am 11.10.1931 in Bad Harzburg ins Leben gerufen wurde; die Harzburger Front forderte die Auflösung des Reichstags und des preußischen Landtags, scheiterte aber, als 1932 die DNVP es ablehnte, die Wahl Hitlers zum Reichspräsidenten zu unterstützen;

Augsburger Religionsfrieden

Reichsgesetz, das am 25.9. 1555 nach Verhandlungen zwischen König Ferdinand I., der seinen Bruder Kaiser Karl V. vertrat, und den Reichsständen auf dem Augsburger Reichstag verkündet wurde. Es diente der Beilegung der seit der Reformation entstandenen konfessionellen Konflikte. Den Anhängern der Augsburgischen Konfession wurden der Friede und der gegenwärtige Besitzstand gesichert. Den weltlichen Reichsständen wurde die Religionsfreiheit gestattet; sie entschieden zugleich für ihre Untertanen, die die Glaubensrichtung ihres Souveräns annehmen konnten, aber auch das Recht hatten, wenn sie dies nicht zu tun bereit waren, nach dem Prinzip “Cuius regio, eius religio” [lat. wessen das Land, dessen die Religion], das Land zu verlassen. Geistliche Fürsten aber verloren beim Glaubenswechsel ihre Würde.

Codex Iustinianus (später bezeichnet als Corpus iuris civilis)

eine mit Gesetzeskraft ausgestattete Sammlung des römischen Rechts, die Kaiser Justinian I. zwischen 528 und 542 zusammenstellen ließ. Sie besteht aus vier Teilen:

1. die Institutionen, ein amtliches Lehrbuch
2. die Digesten oder Pandekten, 50 Auszüge aus den Schriften römischer Juristen
3. den Codex Justinianus, rund 4.600 kaiserliche Erlasse aus der Zeit von Hadrian bis Justinian I.
4. die Novellen, Nachtragsgesetze Justinians I.

Das Corpus Iuris Civilis wurde im Mittelalter immer wieder bearbeitet und gelangte als solches auch in Deutschland zur Geltung. Als “Gemeines Recht” hatte es z.T. Gültigkeit, bis am 1.1.1900 das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) in Kraft trat

Restitutionsedikt

von Kaiser Ferdinand I. am 6. März 1629 erlassene Verordnung, mit der ohne Einverständnis der evangelischen Reichsstände der Status quo des geistlichen Besitzstands im Reich wieder auf den Stand des Jahres 1552 gebracht werden sollte. Es setzte damit die katholische Interpretation des Augsburger Religionsfriedens (1555) durch.

Opiumkriege

Erster Opiumkrieg: Ein militärischer Konflikt von 1839 bis 1842 zwischen Großbritannien und dem Kaiserreich China der Qing-Dynastie, als dessen Ergebnis China gemäß des Abkommens von Tianjin zur Öffnung seiner Märkte und insbesondere zur Duldung des Opiumhandels gezwungen wurde.

Zweiter Opiumkrieg (auch Arrow-Krieg):: 1858 erklärten die Briten China erneut den Krieg, nachdem chinesische Beamte ein unter britischer Flagge fahrendes Schiff Arrow aufgebracht hatten, das illegal Opium transportierte, und die Besatzung verhaftet. Mit französischer Hilfe waren die chinesischen Truppen innerhalb von zwei Jahren besiegt. Der neue Friedensvertrag, dem auch Rußland und die USA beitraten, erweiterte den Zugang ausländischer Handelsunternehmen nach China. Als sich Kaiser Xianfeng jedoch weigerte, ausländische Botschaften in Peking zuzulassen, wurden die kriegerischen Handlungen wieder aufgenommen und mit der Zerstörung der Paläste in Peking 1860 brutal beendet.

Theosophie

[von altgriech. θεός = Gott und σοφία = Weisheit], Sammelbezeichnung für philosophische und theologische Denkansätze, die versuchen, durch philosophische Untersuchungen und durch mystische Schau eine höhere Erkenntnis Gottes und des Göttlichen zu gewinnen. Theosophische Züge finden sich u.a. in der Kabbala der Juden, bei den Rosenkreuzern, beiHildegard von Bingen, Paracelsus, der von Paracelsus beeinflußte Jacob Böhme, Franz Xaver von Baader, Emanuel von Swedenborg, aber auch in der russischen Religionsphilosophie. In der Theosophie gilt das “Ich” des Menschen als unsterblich und das Leben als eine Folge von Reinkarnationen, wobei das Endziel das Wieder-eins-Werden mit Gott ist

Translatio imperii

[lat.: Übergang des Reiches], Idee von dem kontinuierlichen Übergang eines in das nächste Reich (bis zum Ende der Welt). Die Vorstellung basiert auf der aus dem Buch Daniel (Dan 2,21) stammenden, vom Kirchenvater Hieronymus (*347, †420) in seiner Exegese des Textes festgelegten Lehre der “Vier Reiche”: Das Babylonische, Medisch-Persische, das Griechische und das Römische Reich. Die mittelalterliche, von der Kurie ausgehende Vorstellung erweiterte dies auf die Übertragung des Kaisertums bzw. des Reiches durch den Papst von Byzanz (Ostrom) auf die Franken durch die Kaiserkrönung Karls des Großen am Weihnachtstage des Jahres 800 durch Leo III. sowie später auf die Deutschen aufgrund der Kaiserkrönung Ottos I., des Großen, 962. Hieraus leiteten die Päpste, besonders seit Innozenz III., ihren Anspruch auf Verfügungsgewalt über das Kaisertum ab.

Rückversicherungsvertrag

Zwischen Otto von Bismarck als Vertreter des Deutschen Reichs und Außenminister Nikolaj Karlowitsch de Giers als Vertreter des russischen Kaiserreichs am 18.6.1887 geschlossener Geheimvertrag, in dem sich die beiden Mächte auf drei Jahre zu wohlwollender Neutralität im Kriegsfall verpflichteten; ausgenommen waren ein deutscher Angriffskrieg gegen Frankreich und ein russischer gegen Österreich. Das Deutsche Reich erkannte Rußlands Einfluß in Bulgarien an und in einem ”ganz geheimen” Zusatzprotokoll die russischen Interessen am Bosporus. Nach Bismarcks Sturz 1890 lehnte Reichskanzler Leo von Caprivi eine Verlängerung des Rückversicherungsvertrags ab.

Kontinentalsperre

Um Großbritannien durch einen Wirtschaftskrieg in die Knie zu zwingen, nachdem alle Pläne einer Invasion der Insel gescheitert waren, verhängte Kaiser Napoléon am 21.11.1806 von Berlin aus eine Kontinentalsperre, die die Abschottung aller Küsten Europas vorsah. Allerdings gelang eine vollständige Abschottung der europäische Festlandsküsten nicht. Auch geriet das Königreich zu keiner Zeit in eine bedrohliche wirtschaftliche Lage, da der Hauptteil des Im- und des Exports mit den Vereinigten Staaten von Amerika abgewickelt wurde. Außerdem umging Großbritannien die Sperre auch dadurch, daß es Lizenzen vergab. Zudem entstand überall an den Küsten Europas ein lebhafter Schmuggel. Dafür traf die Kontinentalsperre insbesondere die am Mittelmeer und an der Ost- und Nordsee gelegenen Hafenstädte schwer. Sie führte aber andererseits auf dem Kontinent zu einer Entwicklung des Maschinenbaus und der Textilindustrie, zwei Bereiche, in denen das Königreich führend war. Letztlich setzte sie eine raschere Entwicklung der Industrialisierung Europas in Gang.

Lateranverträge

am 11.2.1929 im Lateran zwischen dem Apostolischen Stuhl, vertreten durch Papst Pius XI. und dem italienischen Staat, repräsentiert durch Benito Mussolini am 11.2.1928 abgeschlossene Verträge: Staatsvertrag, Konkordat und Finanzabkommen. Während der Staatsvertrag die Souveränität des Apostolischen Stuhls auf internationaler Ebene mit der Vatikanstadt als neuem Staat und dem Papst als Staatsoberhaupt garantiert, wird im Konkordat die katholische Religion als Staatsreligion bestätigt und die rechtliche Stellung der katholischen Kirche geregelt. Das Finanzabkommen sicherte dem Apostolischen Stuhl eine einmalige Entschädigung von 1,75 Mrd. Lire für den Verlust des Kirchenstaates zu. Die Verträge wurde nach dem Ende des faschistischen Regimes in Italien 1947 bestätig. Allerdings gab es im Lauf der Jahre einige wichtige Änderungen, die in das Konkordat von 1984 einflossen: Abschaffung der katholischen Staatsreligion, die rechtliche Gleichstellung aller Religionsgemeinschaften, fakultativer Religionsunterricht und die Eigenfinanzierung der Kirche durch steuerlich begünstigte Spenden.

Kapp-Putsch (auch Kapp-Lüttwitz-Putsch)

Umsturzversuch in der Weimarer Republik (13. bis 17.3.1920), geplant von unzufriedenen Teilen der deutschen Armee unter Führung des Generals Walther Freiherr von Lüttwitz und rechtsradikalen Politikern mit Wolfgang Kapp an der Spitze. Am 13.3 1920 früh besetzten die Marinebrigade unter Hermann Ehrhardt sowie andere Formationen das Berliner Regierungsviertel und riefen Kapp zum Reichskanzler aus. Dies zwang die Reichsregierung unter Gustav Bauer (SPD) zur Flucht nach Stuttgart. Der Umsturzversuch scheiterte aber nach wenigen Tagen u.a. am Generalstreik der Gewerkschaften, an der Loyalität der Ministerialbürokratie zur Reichsregierung, an den unterschiedlichen Motivationen der Putschisten, der Art der Durchführung sowie mangelnder Unterstützung seitens der Reichswehrführung.

Stalin-Noten

Angebote Josef Stalins im Frühjahr 1952 an die drei westlichen Siegermächte des Zweiten Weltkrieges betreffend die Vereinigung der beiden deutschen Staaten; Deutschland sollte allerdings neutral bleiben. Dieser Vorschlag wurde aber von den Westmächte, die in dem sowjetischen Vorstoß lediglich ein taktische Manöver sahen, das dem Ziel einer weiteren Ausdehnung des Einflußbereichs in Richtung Westeuropa diene, und von der westdeutschen Regierung unter Bundeskanzler Konrad Adenauer abgelehnt - außerdem war die Integration Westdeutschland in die westliche Staatengemeinschaft inzwischen fortgeschritten.

Schengener Abkommen

internationales Abkommen zwischen Mitgliedsstaaten der EU über den schrittweisen Abbau von Grenzkontrollen sowie über eine gemeinsame Sicherheits- und Asylpolitik; benannt nach dem luxemburgischen Ort Schengen, in dem am 14.6 1985 zwischen Belgien, der Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Luxemburg und den Niederlanden die Vereinbarung geschlossen wurde (lediglich Großbritannien und Irland haben das Abkommen nicht unterzeichnet). In einem Zusatzabkommen vom 19.6.1990, dem sogenannten Schengen II, werden weitere Regelungen festgelegt, u.a. die Durchführung von Kontrollen an den Außengrenzen, die Harmonisierung der Sichtvermerke, den Reiseverkehr in Drittländer, die Zuständigkeit für Asylbegehren). Außerdem wurden Ausnahmeklauseln für Dänemark, Großbritannien und Irland festgelegt.

Peloponnesischer Krieg

Von 431 bis 404 v.Chr. geführter Krieg zwischen Athen und seinen Verbündeten - zusammengefaßt im Attischen Seebund - und dem Peloponnesischen Bund mit Sparta an der Spitze um die Vorherrschaft in Griechenland. Die erste Phase des Krieges begann mit dem Einfall des spartanischen Bundesheeres in Attika (431-421 v.Chr., sogenannter Archidamischer); die athenische Seekriegsstrategie wurde durch den Ausbruch der Pest in Athen, der Perikles zum Opfer fiel, nicht wirksam. Nach mehreren erbitterten Kämpfen fielen in der Schlacht vor Amphipolis 422 der spartanische Feldherr Brasidas und der athenische Stratege Kleon. 421 kam es durch den Athener Nikias zum Friedensschluß zwischen beiden Bündnissen, der Athens Machtstellung aber noch bewahrte. Der athenische Überfall auf Melos (416) und das Scheitern der Sizilischen Expedition (415-413 v .Chr.) leiteten die zweite.Phase (413-404; Dekeleischer Krieg) ein. Es kam zu Seeschlachten mit wechselndem Erfolg; 404 wurde Athen durch eine Seeblockade vonseiten des spartanischen Flottenführers Lysander zur Kapitulation gezwungen. Sparta löste damit Athen als Vormacht in Griechenland ab.

Faschodakrise

Unmittelbarer Auslöser der Krise war die Besetzung eines kleinen Stützpunktes in dem Ort Faschoda (heute Kodok, Südsudan) durch die Franzosen im Juli 1898. Sie stellte den Höhepunkt der imperialistischen Rivalität zwischen Frankreich und Großbritannien während des Wettlaufs um Afrika dar und dem Wusch beider Rivalen, das Obere Niltal zu kontrollieren. Bereits seit 1893 hatte Frankreich versucht, eine Verbindung zwischen dem Senegal und dem Roten Meer über Land zu schaffen, die ausschließlich durch französisches Gebiet verlief und gefährdete mit diesem Vorhaben die Interessen Großbritanniens, das eine durchgängige Verbindung zwischen ihren Besitzungen in Ägypten bis zur Kapkolonie zum Ziel hatte. Bereits 1895 hatte Großbritannien Frankreich vor einem Übergriff auf das Gebiet gewarnt, war allerdings dem französische Militärkommandeur J.-B. Marchand von ignoriert wurde, so daß britische Truppen unter dem Befehl von General Horatio Kitchener nach Faschoda zogen und den Abzug der Franzosen aus Faschoda verlangten. In Europa, besonders aber in Frankreich und Großbritannien, beobachtete man die Krise mit großer Sorge, da die Gefahr eines Krieges zwischen den beiden Mächten im Raume stand. Schließlich lenkte die französische Regierung ein und verzichtete im Sudanvertrag vom März 1899 auf das obere Nilgebiet, während Großbritannien im Gegenzug die französische Herrschaft über das Gebiet westlich von Darfur bis zum Tschadsee anerkannte. Letztlich war aufgrund der Einigung der beiden Staaten in dieser brisanten Situation wenige Jahre später, im Jahr 1904, die Bildung der Entende cordial zwischen den beiden Kolonialstaaten möglich.

Hallsteindoktrin

Von Walter Hallstein, Staatssekretär im Auswärtigen Amt, konzipierte Grundsatz, der der Isolierung der DDR dienen sollte. Bis zu der in den 1960er Jahren unter Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger (CDU) eingeleiteten, in der Vertragsdiplomatie (Ostverträge) der sozialliberalen Koalition (1969-82) gipfelnden Außenpolitik gegenüber der UdSSR, Polen und der Tschechoslowakei, beharrte die Bundesrepublik auf den Grenzen von 1937 und der Nichtanerkennung der DDR sowie dem Alleinvertretungsanspruch der Bundesrepublik Deutschland. Sie wurde erst nach Abschluß des Moskauer Vertrags 1970 und des Grundvertrags zwischen beiden deutschen Staaten 1972 endgültig aufgegeben.

Locarnopakt (auch) Locarnoverträge

Am 1.12.1925 in Locarno verabschiedetes, von den Vertretern Belgiens, der Tschechoslowakei, Frankreichs, Deutschlands, Großbritanniens, Italiens und Polens ausgehandeltes, am 16. Oktober in Locarno paraphiertes und am 1. Dezember in London unterzeichnetes Vertragswerk, das die Errichtung eines Sicherheitssystems in Europa, insbesondere was die im Vertrag von Versailles festgelegten deutschen Westgrenzen und die entmilitarisierte Rheinlandzone anbelangt, zum Ziel hatte. Am 7.3.1936 erklärte Hitler den Pakt für hinfällig und ließ Truppen ins Rheinland einrücken.

Jesuiten

Anhänger des im August 1534 von Ignatius von Loyola und sechs Gefährten in der Kapelle St. Denis am Montmartre gegründeten Orden der Societas Jesu (SJ, Gesellschaft Jesu), der sich der Armut und Keuschheit verschrieb. Ihren ursprünglichen Plan, zur Missionierung in das Heilige Land zu gehen, mußten sie wegen der dortigen kritischen Lage aufgeben. Vielmehr beschlossen sie sich ganz in den Dienst des Papstes zu stellen, der aufgrund der Reformation in vielen Ländern an Einfluß verloren hatte. Sie erhielten von Papst Paul III. nach zunächst mündlicher Zustimmung zur Gründung des Ordens die offizielle, schriftliche Bestätigung 1540. Ihre Ziele waren die Ausbreitung, Festigung und Verteidigung des katholischen Glaubens durch Mission, Predigt, Seelsorge, Unterricht, wissenschaftliche Arbeit und geistliche Exerzitien; so schufen sie für die Bildung der bildungsfernen Schichten des Volke sogenannte Kollegien, bemühten sich aber auch um wissenschaftlichen Erkenntnissen, u.a. auf dem Gebiet der Astronomie. Im 16. und 17 Jahrhundert breitete sich der Orden über ganz Europa aus. Als im 17. Jahrhundert das Zeitalter der Aufklärung in Europa begann, geriet der Orden wegen seines großen Einflusses mehr und mehr in Gegensatz zu den staatlichen Autoritäten, die dem Orden eine unaufgeklärte klerikale Unterdrückung vorwarfen. 1757 wurden die Jesuiten aus Portugal vertrieben, mußten 1762 Frankreich verlassen und wurden 1767 in Spanien verhaftet und deportiert. 1773 wuchs der politische Druck auf Papst Klemens XIV. so stark, daß er sich gezwungen sah, den Orden aufzulösen (viele der Jesuiten flohen nach Rußland und Preußen, wo sowohl Katharina die Große als auch Friedrich der Große nicht auf die Bildungseinrichtungen der Jesuiten verzichten wollten). Erst aufgrund der restaurativen Kräfte in Europa erfolgte durch Papst Pius VII. 1814 die Wiederherstellung des Ordens. In Deutschland war der Orden als Folge des Kulturkampfes zwischen 1872 und 1917 verboten. Der Orden erholte sich nur langsam und engagierte sich auf seine alten Ziele der Bildung, der Missionierung und Wissenschaft. 2003 hatte der Orden rund 21.000 Mitglieder in über 120 Länder. Nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Regierungen in Osteuropa wurde auch dort das Verbot des Ordens aufgehoben.

Februarrevolution 1917 [Февральская революция]

Aufgrund von Versorgungsschwierigkeiten kam es zu Streiks von ca. 200.000 Arbeitern, die in die Innenstadt von Sankt Petersburg vordrangen. Zar Nikolaus II. gab noch am selben Tag den Befehl, die Unruhen niederzuschlagen ,da sie ”in der schweren Zeit des Krieges mit Deutschland und Österreich nicht hingenommen” werden könnten. Tags darauf ließ Sergej Semjonowitsch Chabalow, der Kommandant des Petrograder Militärbezirks, den Zar wissen, daß sich selbst die Garderegimenter geweigert hätten, “auf das Volk zu schießen”, und sich den Demonstranten angeschlossen hätten. Unter dem Eindruck der Massendemonstrationen dankte Nikolaus II. am 2.3.1917 ab.

Historikerstreit

Kontroverse über die Einordnung und Bewertung des Nationalsozialismus u.a. durch den Historiker Ernst Nolte. Ausgelöst wurde der Historikerstreit durch einen Artikel des Frankfurter Philosophen Jürgen Habermas, der unter dem Titel Eine Art Schadensabwicklung. Die apologetischen Tendenzen in der deutschen Zeitgeschichtsschreibung am 11.7.1986 in der Wochenzeitung Die Zeit erschien. Habermas warf Nolte darin vor, ”die verbrecherische Behandlung der Juden im Dritten Reich zu relativieren und zu verharmlosen, indem sie als Reaktion auf andere historische Ereignisse – vor allem Massenmorde während und nach der Russischen Revolution – dargestellt würde!” Der Streit hält bis heute an.

Krügerdepesche

Telegramm, das der deutsche Kaisers Wilhelm II. am 3. Januar 1896 an Paulus Kruger, den Präsidenten der Südafrikanischen Republik (Transvaal) geschickt hatte, in dem er diesen zur Abwehr eines britischen Einfalls beglückwünschte. Am 19. Dezember 1895 war der britische Politiker sowie erster Vorsitzender der südafrikanischen Unionist Party Leander Starr Jameson mit einigen hundert Mann in Transvaal eingefallen, war jedoch am 2. Januar 1896 von den Buren vernichtend geschlagen. Auslöser dieses Ereignisses war der Versuch der Buren, den in Massen in das Land strömenden “Uitlanders” (Ausländern), bestehend vorwiegend aus britischen Staatsangehörigen, das Wahlrecht zu verweigern, um sie von der Regierung fernzuhalten. Mit seinem Glückwunschtelegramm erkannte der Kaiser die Republik Transvaal als unabhängigen Staat an, die nach britischer Auffassung Teil des britischen Empire war.

Spartakusaufstand (auch Januaraufstand)

Bezeichnung für den Generalstreik und die bewaffneten Kämpfe in Berlin vom 5. bis 12. Januar 1919 im Zusammenhang der Novemberrevolution, ausgelöst durch die Entlassung des Berliner Polizeipräsidenten Emil Eichhorn (USPD) auf Veranlassung des Rats der Volksbeauftragten unter Friedrich Ebert. Der Aufstand wurde im Auftrage des Volksbeauftragten Gustav Noske von Freikorps blutig niedergeschlagen, wobei auch Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg in Gefangenschaft gerieten und beim Abtransport von Freikorpsoffizieren ermordet wurden.

Anathema (griech. ἀνάθεμα Verfluchung), auch Kirchenbann

Bezeichnung für eine durch die katholische Kirche ausgesprochene Verurteilung, die mit dem Ausschluß eines Kirchenmitglieds aus der Gemeinschaft der Gläubige einhergeht und kirchenrechtlich mit einer Exkommunikation gleichzusetzen ist. Dieses unterlag damit der Beschränkung von Mitgliedsrechten (besonders von Vollzug und Empfang der Sakramente). Wurde ein Herrscher exkommuniziert, so wurde ihm gleichzeitig das Regierungsrecht entzogen, womit die Untertanen allen Verpflichtungen ihm gegenüber enthoben waren.

Ordoliberalismus

Gemäß dem von der Freiburger Schule in den 1930er Jahren von Walter Eucken u. A. entwickelten Ordoliberalismus kommt dem Staat die Aufgabe zu, über marktkonforme Maßnahmen nicht nur Privateigentum, Privatinitiative, Vertragsfreiheit und freien Wettbewerb zu garantieren sowie negative externe Effekte und anormales Nachfrage- und Angebotsverhalten zu verhindern, sondern auch Einfluß auf Konjunkturschwankungen und Geldwertstabilität zu nehmen sowie soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit zu gewährleisten. Der Ordoliberalismus bildet die Grundlage der sozialen Marktwirtschaft. Die in den USA dominierende, stärker von Friedrich August von Hayek beeinflußte Ausprägung des Neoliberalismus vertraut hingegen weitgehend auf die Selbststeuerung der Marktwirtschaft.

Räterepublik

politisches System, bei dem die Herrschaft von der Bevölkerung über direkt gewählte Räte ausgeübt wird, wobei diese der Basis direkt verantwortlich und an deren Weisungen gebunden sind.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bildeten sich Arbeiter- und Soldatenräte 1917 in Rußland und 1918/19 im Deutschen Kaiserreich.

Reichsacht

[acht: aus dem althochdeutschen für Ächtung]; war eine im Mittelalter vom König bzw. vom Kaiser, in der Frühen Neuzeit vom König oder vom Kaiser unter Mitwirkung der Reichsgerichte und der Kurfürsten verhängte Ächtung (Fried- und Rechtloserklärung) vor allem bei Ladungs- oder Urteilsungehorsamkeit, die sich auf das ganze Gebiet des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation erstreckte. Davon betroffene Personen waren damit ehr- und rechtlos sowie vogelfrei, d.h. außerhalb des Rechts stehend. . Im Spätmittelalter verlor die Praxis der Ächtung an Bedeutung, im 18. Jahrhundert wurde sie aufgegeben.

Fünfprozentklausel (auch Fünfprozenthürde)

eine Ausschlußklausel, der zufolge Wahlergebnisse bei der Mandatsverteilung für den Deutschen Bundestag und die Länderparlamente nicht berücksichtigt werden, wenn sie weniger als 5% Prozent aller abgegebenen gültigen Stimmen (Quorum) auf sich vereinigen konnten. Diese Regelung wurde 1953 aufgrund der negativen Erfahrung mit Splitterparteien während der Weimarer Republik bei den Bundestagswahlen in der Bundesrepublik eingeführt. Das Wahlsystem der Weimarer Republik hatte die Mehrheitsbildung zur Schaffung von arbeitsfähige Mehrheiten im Reichstag schwierig und und langwierig gestaltet (Auf Parteien nationaler Minderheiten (z.B. in Schleswig-Holstein) wird die Fünfprozentklausel nicht angewendet. Sie ist auch in den meisten Landeswahlgesetzen enthalten).

Kinderlandverschickung (KLV)

Bezeichnung für die von den Nationalsozialisten ab 1940 organisierte Evakuierung von Schulkinder sowie Müttern mit Kleinkindern in weniger durch Kriegseinwirkung gefährdete Regionen des Reichs. Die Reichsdienststelle KLV evakuierte bis Kriegsende insgesamt vermutlich über 2.000.000 Kinder und versorgte dabei ca. 850.000 Schüler im Alter zwischen zehn und 14 Jahren, aber auch ältere in KLV-Lagern.

New Deal

Bezeichnung für die staatsinterventionistische Reformpolitik Franklin D. Roosevelts (First New Deal von 1933 bis 1934, Second New Deal von (1935 bis 1938). Nachdem es am 24.10.1929, dem “Schwarzen Donnerstag“, und am 29 .Oktober, dem “Schwarzen Dienstag“, zu Panikverkäufen der Anleger gekommen war und die Kurse an der New Yorker Börse bis November um mehr als die Hälfte eingebrochen waren und Banken- und Firmenzusammenbrüche folgten, trat in den Vereinigten Staaten allmählich im gesamten Wirtschaftsleben eine Lähmung ein. Von Arbeitslosigkeit betroffen waren auf dem Höhepunkt der Krise 1932/33 etwa 15 Millionen US-Amerikaner, mithin ein Viertel der arbeitsfähigen Bevölkerung. Die Investitionen sanken von 10 Milliarden US-Dollar 1929 auf 1 Milliarde 1932, und die Bautätigkeit kam 1932/33 fast vollständig zum Erliegen.

Mit seiner Maßnahmen des New Deals versuchte der Präsident die Folgen der Weltwirtschaftskrise in den USA zu überwinden, indem er u.a. das Bank- und Börsenwesen zu stabilisieren suchte, die Produktion in Industrie und Landwirtschaft zu drosseln, große Energiekonzerne zu entflechten, Arbeitsbeschaffungsprogramme aufzulegen, die Steuerprogression zu verstärken und die Sozialgesetzgebung zu verbessern; außerdem erließ er Gesetze zur Erweiterung der Rolle der Gewerkschaften und verfolgte das Ziel einer inflationär wirkenden Währungspolitik und dynamischen Außenwirtschaftspolitik.

Nelkenrevolution (Revolução dos Cravos)

Bezeichnung für den von der linksgerichteten Armeegruppe Movimento das Forças Armadas (Bewegung der Streitkräfte) geführten Aufstand gegen gie Diktatur in Portugal (25. April 1974); deren Zeichen die rote Nelke war. Sie beendete die Diktatur António de Oliveira Salazars. Die weitgehend widerstandslos verlaufende Revolution führte schließlich zu den ersten freien und demokratischen Wahlen und einer Verfassung.

Großes Privileg

Urkunde, in der Maria von Burgund am 11. Februar 1477 den Generalstaaten der Niederlande mit eine Reihe von Rechte zugestand. Im Gegenzug wurde ihr für die finanzielle und militärische Unterstützung seitens der Provinzen gegen Frankreich zugesagt. U.a. mußte sie hinnehmen, daß ein 24-köpfiger Großer Rat eingesetzt wurde, der sie bei der Verwaltung des Landes unterstützen sollte, sie nur mit Zustimmung der Generalstaaten heiraten, Krieg erklären oder Steuern erheben könne, die Generalstaaten ein eigenes Versammlungsrecht erhielten. Bereits mit ihrer Heirat mit Maximilian von Österreich im August 1477 handelte sie gegen das Große Privileg; das gesamte Privileg wurde von den Regenten ihres Sohnes Philipp I .. für ungültig erklärt.

Novemberrevolution

Bezeichnung für die Revolution, die in der Endphase des Ersten Weltkrieges zum Sturz der Monarchie im Deutschen Reich und zu dessen Umwandlung in eine parlamentarische Demokratie, die Weimarer Republik, führte. Im Deutschen Reich ging die Novemberrevolution von meuternden Matrosen in Wilhelmshafen (29.10.1918) und am 3./4.11. in Kiel, wo die Kaiserliche Hochseeflotte vor Anker lang. Von dort aus verbreitete sich die Meuterei auf die großen Städte im Reich, wo am 7.11. mit den Wittelsbachern in Bayern die erste Dynastie gestürzt wurde. In der Folge verkündete Reichskanzler Reichskanzler Prinz Max von Baden am 11.11. eigenmächtig die Abdankung Kaiser Wilhelms II. in Berlin und Philipp Scheidemann (SPD) gleichtags entgegen des Willens von Friedrich Ebert die “deutsche Republik” ausrief; zwei Stunden später proklamierte Karl Liebknecht die “freie sozialistische Republik”. Ihren formellen Abschluß fand die Revolution schließlich am 11. August 1919 mit der Verabschiedung der Weimarer Verfassung.

Hitlerputsch (auch Hitler-Ludendorff-Putsch)

Versuch Adolf Hitlers und des ihm nahestehenden Generals Erich Ludendorff - nach italienischem Vorbild von Mussolinis “Marsch auf Rom” im Oktober 1922 - am 8./9.11.1923 von München aus, begünstigt durch den schweren Konflikt der bayerischen Regierung unter Gustav Ritter von Kahr mit dem Reich, die Reichsregierung in Berlin gewaltsam zu stürzen und eine Diktatur zu errichten. Kahr, der zum Schein auf die Pläne Hitlers einging, schlug den Putsch am 9.11. mit Unterstützung seitens der Reichswehr und der Polizei nieder.

Deutscher Bund

Auf dem Wiener Kongreß 1815 erfolgter Zusammenschluß der 37  Fürstenstaaten und vier Freien Städte in Deutschland zu einer Konföderation souverän bleibender Einzelstaaten. Er trat an die Stelle des 1806 Heiligen Römischen Reiches; das 1806 aufgelöst worden war und nicht wieder hergestellt wurde. Die auf dem Wiener Kongreß am 8.6.1815 angenommene Bundesakte, die 1820 um die Wiener Schlußakte ergänzt wurde, legte die Rechte und Aufgaben der Bundesversammlung (auch Bundestag genannt) als dem zentralen und einzigen Organ des Bundes mit Sitz in Frankfurt am Main fest. Der Deutsche Bund wurde infolge des Deutschen Krieges vom Sommer 1866 aufgelöst. Seine Nachfolge trat im selben Jahr der “kleindeutsche" Norddeutsche Bund an.

Mythos von Langemarck

Durch die Oberste Heeresleitung und später die Nationalsozialisten erfolgte Verklärung des am 10.11.1914 im Ersten Weltkrieg verlustreichen, in der Nähe des belgischen Ortes Langemarck nördlich von Ypern erfolgten Sturmangriffs deutscher, v.a. aus Studenten und Schülern bestehender Freiwilligenregimenter: “Westlich Langemarck brachen junge Regimenter unter dem Gesange “Deutschland, Deutschland über alles” gegen die erste Linie der feindlichen Stellungen vor und nahmen sie. Etwa 2.000 Mann französischer Linieninfanterie wurden gefangengenommen und sechs Maschinengewehre erbeutet.” (Kommuniqué der OHL, 11. November 1914)..Tatsächlich waren auf der deutschen Seite mehr als 2.000 Tote, zahlreiche Verwundete und Vermißte zu beklagen, und das bei bei weniger als 10.000 insgesamt eingesetzten Soldaten. Der deutsche Soldatenfriedhof in Langemarck-Poelkapelle, errichtet rund sieben Kilometer von dem Schlachtfeld des 10. November 1914 entfernt, wurde zur zentralen Stätte des deutschen Kriegerkults.

Godesberger Programm

Parteiprogramm der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD),das sich unter Abwendung von marxistischen Positionen zu einem demokratischen Sozialismus bekannte, der sich an Wertvorstellungen christlicher Ethik, an klassischer Philosophie und Humanismus orientier. Es wurde 1959 auf einem außerordentlicher SPD-Parteitag beschlossen. Dadurch bildete es die Grundlage für späteren Wahlerfolge der SPD, die bei den Bundestagswahlen 1965 39,3 Prozent erzielte, und machte sie für die bisherigen Regierungsparteien CDU/CSU und FDP koalitionsfähig.

Starfighter-Affäre

Eine politische Affäre in der Bundesrepublik Deutschland, die sich aufgrund der Umstände der Beschaffung des Kampfflugzeugs Lockheed F-104 Starfighter für die Bundeswehr unter Verteidigungsminister Franz Josef Strauß entwickelte. Das einsitzige einstrahlige Kampfflugzeug F-104 der US-amerikanischen Firma Lockheed Aircraft Corp, das 1954 den Erstflug absolvierte und 1961 als Version F-104G von der deutschen Bundeswehr beschafft wurde, geriet in die Kritik und in die Schlagzeilen, nachdem es in den 1960er Jahren von einer hohen Flugunfallrate aufgefallen war. Endgültig außer Dienst gestellt wurde der Starfighter im Jahr 1987.

Katharer

eine weitverbreitete religiöse Bewegung des Mittelalters, die Zeitgenossen in Frankreich als Albigenser und in Italien als Manichäer bezeichnet und sich im 12. und 13.Jahrhundert v.a. in Südfrankreich und Oberitalien ausbreiteten. Die Katharer hatten eine kritische Haltung zur Kirche und lehnten Ehe, Eid, Bilder-, Heiligen- und Reliquienverehrung und den Kriegsdienst ab. Regional übten sie zeitweilig einen großem Einfluß aus, wurden aber auch blutig verfolgt (Albigenserkriege 1209-29) Die Bewegung erlosch im 14. Jahrhundert, u.a. infolge der Ausbreitung der Bettelorden.

Römische Bürgerkriege

[lat. Bella Civilia], Bezeichnung für die zum Teil kriegerischen Auseinandersetzungen um die innere Neugestaltung des Römischen Reiches in der Endphase der Römischen Republik in der Zeit von 133 (Gracchische Reformen) bis 27 v. Chr. (Prinzipat und Beginn der Römischen Kaiserzeit) zwischen Optimaten und Popularen.

Schuman-Plan oder Schuman-Erklärung

grundlegender politischer Plan für eine Zusammenlegung der deutschen und französischen Kohle- und Stahlproduktion nach dem Zweiten Weltkrieg, der am 9. Mai 1950 vom damaligen französischen Außenminister Robert Schuman im Salon de l'Horloge des Quai d’Orsay vor Pressevertretern in einer Regierungserklärung bekanntgegeben wurde. Der Plan wurde in einen Vertrag eingebunden, der 1952 in Kraft trat und die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (Montanunion) ins Leben rief. Italien, Belgien, Holland und Luxemburg unterzeichneten diesen Vertrag ebenfalls. 1973 traten Großbritannien, die Republik Irland und Dänemark der Montanunion bei. Griechenland 1979, Spanien und Portugal 1986. Die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl war der erste Schritt zur Europäischen Union.

Devolutionskrieg

[von lat. devolvere =,hinabrollen, abwälzen]; militärischer Konflikt (1667–1668) zwischen Spanien und Frankreich, den König Ludwig XIV. von Frankreich im Namen der Erbansprüche seiner Frau Maria Theresia, der Tochter Philipps IV. aus erster Ehe, um Teile der Spanischen Niederlande eröffnete. Sie hatte zwar vor ihrer Ehe gegen eine hohe Mitgift auf alle Rechte auf spanisches Gebiet verzichtet, da diese verspätet ausgezahlt wurde und nachdem Philipp IV. 1665 gestorben war, betrachtete Ludwig Maria Theresias ursprünglichen Verzicht allerdings als hinfällig und erhob Anspuch auf Teile der Spanischen Niederlande. Dabei begründete er seine Forderung ,mit dem niederländischen Devolutionsrecht, nach dem die Kinder aus erster Ehe in der Erbfolge vor denen aus zweiter Ehe kamen. Demzufolge wäre Maria Theresia in den Spanischen Niederlanden vor ihrem Halbbruder Karl II. erbberechtigt gewesen. 1667 fielen französische Truppen unter Henri de La Tour d'Auvergne, in die Spanischen Niederlande ein und besetzten 1668 die gleichfalls unter spanischer Herrschaft stehende Freigrafschaft Burgund. Die Spanier unternahmen kaum Anstrengungen, ihr Territorium zu verteidigen. Dafür schlossen sich die Niederlande, England und Schweden zu einer Tripelallianz zusammen und siegten schließlich über Frankreich. Im Frieden von Aachen vom Mai 1668 mußte Ludwig die Freigrafschaft Burgund und einige niederländische Städte an Spanien zurückgeben.

Jahr ohne Sommer

Im April 1815 erfolgte der bislang stärkste Ausbrüch des im Süden Indonesiens auf der Insel Sumbawa gelegenen Vulkans Tambor, der bereits seit 1812 hochgradig aktiv war. In der Folge dieser Katastrophe breiteten sich Aschenwolken über die ganze Erde aus und führten zu einer globalen Abkühlung, die 1816 das sogenannte “Jahr ohne Sommer" zu einem verheerenden Jahr für die Landwirtschaft machte. Ganz Europa - insbesondere England - und Nordafrika mußten daraufhin mit riesigen Ertragsverlusten fertig werden.

Marshallplan, offiziell European Recovery Program (kurz ERP)

Bezeichnung für das auf Initiative des Generals und Politikers George C, Marshall initiiertes Konjunkturprogramm der Vereinigten Staaten von Amerika, das nach dem Zweiten Weltkrieg dem an den Folgen des Krieges leidenden Westeuropa und den USA zugute kam. Es bestand teils aus Krediten, vor allem jedoch aus Rohstoffen, Lebensmitteln und Waren. Das 12 Milliarden Dollar umfassende -Programm wurde am 3. April 1948 vom Kongreß der Vereinigten Staaten verabschiedet und am selben Tag von US-Präsident Harry S. Truman in Kraft gesetzt und dauerte vier Jahre, bis zum Juni 1952.

Ursprünglich war von den Alliierten geplant, Deutschlands Wirtschaftskraft dauerhaft mittels Demontagen und harter Einschränkungen der Produktion zu beschränken, wobei diese Vorhaben von der US-amerikanischen Öffentlichkeit, nachdem der Umfang der Kriegsverbrechen der Nazis nach und nach bekannt geworden war, begrüßt wurde. Noch im September 1944 stellte Henry Morgenthau auf eoner in Quebec stattfindenden Konferenz das später als Morgenthau-Plan bezeichnete Konzept vor, demzufolge das besiegte Deutschland in ein entmilitarisiertes Agrarland verwandelt und die Industrieanlagen nach dem Krieg demontiert werden sollten; dieser Plan wurde von Franklin D. Roosevelt und dem britischen Premierminister Winston Churchill zunächst angenommen. Ein allmähliches Umdenken trat ein, als General Lucius D. Clay, 1945 Stellvertreter General Dwight D. Eisenhowers und von 1947 bis 1949 als Militärgouverneur der amerikanischen Besatzungszone in Deutschland tätig, sich zwar ebenso entschieden für die Demilitarisierung der deutschen Wirtschaft einsetzte, jedoch eine ökonomische Bestrafung des deutschen Volkes ablehnte. Clays Berichte über sie Situation in Europa und die Einschätzung des Diplomaten George F. Kennans hinsichtlich der politischen Entwicklung in dem zerstörten Europa aufgrund des sich abzeichnenden Kalten Krieges und sowjetischen Expansionsdrangs führten zu dem Beschluß zur Ergreifung von Maßnahmen zur Wiederbelebung der deutschen Wirtschaft und schließlich zum Marshallplan.

Splendid Isolation

[engl. glanzvolles Alleinsein]: Bezeichnung für die britische Politik in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die auf Grund der vorteilhaften Insellage auf Bündnisse und Einmischung in die europäische Festlandspolitik und Beteiligung an dauerhaften Allianzen weitgehend verzichten konnte. Die splendid isolation wurde durch die Anglo-Japanische Allianz 1902 und insbesondere die Entente cordiale mit Frankreich im Jahr 1904 beendet.

Entente cordial

[franz,: herzliches Einverständnis] Bezeichnung insbesondere für das das Abkommen vom 8.4.1904 zwischen Frankreich und Großbritannien, in dem sich beide Länder gegenseitige Unterstützung in der Kolonialpolitik zusagten und das letzten Endes gegen das Deutsche Reich gerichtet war. 1907 wurde das englisch-französische Bündnis um Rußland zur Tripelentente erweitert. Als Ententemächte bezeichnete man die Gegner der Mittelmächte im Ersten Weltkrieg.

Bosnienkrieg

der nach Auflösung des Vielvölkerstaates Jugoslawiens 1990/1991 von 1991 bis 1995 dauernder Bürgerkrieg in Bosnien und Herzegowina, einer Teilrepublik des ehemaligen Jugoslawien. Nachdem sich sowohl in Slowenien als auch in Kroatien eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung für deren staatliche Unabhängigkeit ausgesprochen hatte und die Regierungen deren Souveränität erklärt hatten, wurde in Bosnien-Herzegowina im Jahr 1991 ebenfalls eine Volksabstimmung über eine staatliche Unabhängigkeit vorbereite; das Referendum wurde am 29. Februar und dem 1. März 1992 abgehalten. wobei die bosnischen Serben aufgerufen worden waren, die Abstimmung zu boykottieren. Nachdem 99.7% für die völkerrechtliche Souveränität gestimmt hatten, erfolgte am 5. März 1992 die Unabhängigkeitserklärung. Wenig später begannen vereinzelte Kämpfen, die rasch an Intensität zunahmen.. Anfang April nahmen proserbische Kräfte den Flughafen von Sarajevo ein, womit die Stadt eingekesselt wurde und von den umliegenden Bergen gnadenlos beschossen wurde.Während der mehrjährigen Belagerung starben etwa 10.000 Menschen. Nach dem Fall der Stadt Srebrenica im Juli 1995 wurden von bosnisch-serbische Truppen nach Angaben des UN-Kriegsverbrechertribunals in Den Haag mehr als 7.000 muslimische Männer und Jungen getötet. Am 14. Dezember 1995 trat der in Dayton (Ohio/USA) zwischen die Kriegsparteien vereinbarte und am 14. Dezember in Paris unterzeichnete Friedensplan, in Kraft; die Bildung eines multi-ethnischen Staates Bosnien-Herzegowina aus zwei Teilstaaten (Föderation Bosnien und Herzegowina und Republika Srpska) in anerkannten Grenzen mit einer demokratischen Regierung.

Sturm auf die Bastille

Nach der Entlassung des Finanzministers Jacques Necker durch König Ludwig XVI. stürmte am 14. Juli 1789 die Pariser Bevölkerung die Bastille, in der zu dieser Zeit lediglich sieben Gefangene einsaßen. Der Kommandeur der Bastille kapitulierte angesichts der aufgebrachten Menschenmenge gegen die Zusicherung freien Abzugs; aber kaum hatte er die Bastille verlassen, wurden er und einige Soldaten der die Besatzung, die aus alten Invaliden und einigen Schweizer bestand, die Besatzung, die aus alten Invaliden und einigen Schweizer bestand, während die Gefangenen befreit wurden. Zwei Tage später begann unter großem Jubel des Volkes die Zerstörung der Bastille. Ihren Ruf als “Bollwerk der Tyrannei”, der den tatsächlichen Verhältnissen kaum mehr entsprach, verdankte die Bastille einigen weit übertriebenen Sensationsschriften; die Erstürmung der Bastille war bei weitem nicht die revolutionäre Heldentat, zu der sie später in verklärender Rückschau hochstilisiert wurde.

Heute befindet sich an der Stelle der ehemaligen Bastille ein großer Platz, die Place de la Bastille, und die 1840 für die Opfer der Revolution errichtete Julisäule. Der Tag der Erstürmung der Bastille, der 14. Juli, ist seit 1880 in Frankreich Nationalfeiertag zum Gedenken an den Beginn der Französischen Revolution.

 

Burschenschaft

Studentische Korporation. Nachdem die aus den Befreiungskriegen, in denen sie gegen Napoléon gekämpft hatten, an die Universitäten zurückgekehrt waren, machte sich unter ihnen eine tiefe Enttäuschung über die politischen Entwicklung breit, weil sie nicht den erhofften Einheitsstaat aller Deutschen gebracht hatte. Als Reaktion darauf vereinigten sich die vorher in verschiedenen Landsmannschaften organisierten Jenaer Studenten zu einer alle Studenten zusammenschließenden “Burschenschaf!”. Symbolisch wollten sie mit ihrem Einheitsbund die kommende Einheit des deutschen Vaterlandes vorbereiten. Als Bundesfarben wählten sie die Farben der Uniform des ehemaligen Lützowschen Freikorps, in dem viele Studenten am Krieg gegen Napoléon teilgenommen hatten: schwarz-rot-gold. Die studentische Bewegung breitete sich rasch aus. Als die Jenaer Burschenschaft zu einem Studententreffen auf der Wartburg einlud, dem Wartburgfest am 18.10.1817, kamen Studentenabordnungen aus elf deutschen Universitäten; am Jahrestag Folgejahres wurde in Jena die Allgemeine Deutsche Burschenschaft durch Vertreter aus 14 deutschen Universitäten gegründet.

Zug der Studenten auf die Wartburg, die, seit Martin Luther dort 1521/22 Zuflucht gesucht hatte, als deutsches Nationalsymbol galt

Die politische Entwicklung innerhalb der Studentenschaft erregte mehr und mehr das Mißtrauen der staatlichen Behörden, zumal sich einige Gruppen radikalisierten. Nach der Ermordung des in russischen Diensten stehenden Schriftstellers August von Kotzebue 1819 durch den Studenten Karl Ludwig Sand wurden die Burschenschaften in den Karlsbader Beschlüssen verboten. In vielen Universitätsstädten bestanden sie jedoch als Geheimbünde weiter. Viele ehemalige Burschenschaftler wurden 1848 Abgeordnete in derFrankfurter Nationalversammlung.

Algerienkrieg

von 1954 bis 1962 geführter Unabhängigkeitskrieg der einheimischen Bewohner des ehemaligen französischen Siedlungsgebiets Algerien gegen die französische Besatzungsmacht.

Vorgeschichte: Frankreich hatte Algerien im Jahr 1834 annektiert, wobei die neue Regierung bei den Berberstämmen auf Widerstand, wobei deren Anführer, Abd el-Kader, ein muslimischer Heiliger und nach eigenen Angaben Nachfahre Mohammeds, war mit seiner Überraschungstaktik gegen die Franzosen äußerst erfolgreich war, so daß es erst 1847 gelang, ihn vollständig zu besiegen. Bereits 1925 war von Messali Hadj die erste Unabhängigkeitsbewegung gegründet und von Ferhat Abbas 1943 die Autonomie Algerien innerhalb des französischen Staates gefordert worden.

Am 1. November 1954 löste die Front de Libération Nationale (FLN) um Ahmed Ben Bella, ein ehemaliger Feldwebel der französischen Armee, den bewaffneten Kampf aus, woraufhin die Regierung des Ministerpräsidenten der vierten Republik, Mendès-France, nachdem sie Verhandlungen abgelehnt hatte, die Truppen in Algerien- zeitweise auf über 400. 000 Mann - verstärkte. Ab August 1955 weitete sich der Konflikt gegen die französische Vierte Republik aus. Die FLN erhielt materielle Unterstützung von den arabischen Nachbarstaaten, die auch die 1958 in Kairo gebildete provisorische Regierung der algerischen Republik anerkannten. Zugeständnisse der französischen Regierung an die Aufständischen führten am 13.5. 1958 zu einem Armeeputsch gegen die französische Vierte Republik. Gegen den Widerstand hoher Generäle (u.a. R.Salan) und der OAS schloß Präsident Charles.de Gaulle 1962 mit der Provisorischen Algerischen Regierung das Abkommen von Évian, das Algerien die volle Unabhängigkeit gewährte.

Matrosenaufstand

Am 29. Oktober 1918 weigerten sich die demoralisierten Mannschaften zahlreicher Kriegsschiffe in Kiel und Wilhelmshaven, dem sinnlosen Befehl der Seekriegsleitung (SKL) zum Auslaufen der Hochseeflotte, die seit Jahren untätig auf Reede lag, zu folgen, der ”die Ehre der Waffengattung“ retten sollte (die Oberste Heeresleitung (OHL) hatte bereits ultimativ eine sofortige Beendigung des Ersten Weltkrieges verlangt).In der Folge kam es in Kiel zu Demonstrationen der Matrosen und Werftarbeiter und zur Bildung der ersten Arbeiter- und Soldatenräte: Am 5. November übernahm ein Matrosenrat im größten deutschen Flottenstützpunkt Wilhelmshaven die Macht, gefolgt von Meutereien auf anderen Marinestützpunkten (u.a beteiligte sich der Matrose und spätere Schriftsteller Theodor Plievier, der ein Besatzungsmitglied des unter dem Kommando von Karl August Nerger stehenden Hilfskreuzers SMS Wolf gewesen war, an revolutionären Unruhen und verfaßte als Agitator Flugblätter). Daraufhin schlossen sich auch Garnisonen in den Binnenstädten (so Köln am 7. November) und die Arbeiterschaft in den Industriestandorten an Überall organisierten sich Arbeiter- und Soldatenräte. Schließlich wurde am 7. November in München die Wittelsbacherdynastie gestürzt, und zwei Tage später trat Reichskanzler Max von Baden unter dem Druck der Massen von seinem Amt zurück, kündigte die Abdankung des Kaisers, der sich in das Hauptquartier nach Spa zurückgezogen hatte ,an und übergab die Regierungsgeschäfte an den Sozialdemokraten Friedrich Ebert, dem es schließlich im Zusammenspiel mit gemäßigten Kräften und gestützt auf das Heer gelang, die parlamentarische Demokratie gegen die Bestrebungen der radikalen Linken durchzusetzen, die die Einführung des Rätesystems nach russischem Vorbild anstrebten.

Die 14 Kieler Punkte: Beschlüsse und Forderungen des Soldatenrates

 

 

Reichskristallnacht (auch Reichspogromnacht)

Bezeichnung für die von den Nationalsozialisten in der Nacht vom 9. auf den 10 November 1938 organisierten Pogrome gegen Juden im gesamten Deutschen Reich. Auf Initiative von Joseph .Goebbels wurde das von Herschel Grynszpan am 7.11.1938 auf den deutschen Botschaftssekretär Ernst Eduard vom Rath in Paris verübte Attentat, dessen Hintergründe nicht vollständig aufgeklärt werden konnten, als Vorwand genommen,um bei angeblich ”spontanen Kundgebungen” fast alle Synagogen, jüdischen Friedhöfe sowie mehr als 7.000 jüdische Geschäftshäuser zu zerstören. Damit begannen die direkten Aktionen zur Vernichtung der jüdischen Bevölkerung. Im Verlauf der Kristallnacht starben 91 Menschen. Mehr als 30.000 Juden wurden verhaftet und zeitweilig in Konzentrationslagern inhaftiert.

Immerwährender Reichstag

Bezeichnung für die Ständevertretung im Heiligen Römischen Reich von 1663 bis 1806 in Regensburg. Dort, im Rathaus der Stadt, trat am 20. Januar der Reichstag zusammen, um sich mit der Bedrohung durch das Osmanische Reich zu befassen. Nachdem zuvor die Reichstage in verschiedenen Städten stattgefunden hatten, fanden sie seit 1594 nur noch im Rathaus von Regensburg, allerdings zunächst nicht permanent, statt. Erst seit 1663 löste er sich nicht mehr auf und war dann ein Immerwährender Reichstag.

 

 

 

 

Kupferstich von 1663

 

 

 

 

 

Manhattan-Projekt

Deckname für die Entwicklung und Tests der US-amerikanischen Atombombe, die in Los Alamos (New Mexico) stattfanden. Gegründet war das Projekt während des Zweiten Weltkrieges im August 1942. An dem Projekt unter dem militärischen Kommando von Generalmajor Leslie Groves wirkten bis zu 160.000 Personen mit, darunter viele berühmte Wissenschaftler, u.a. die Nobelpreisträger Enrico Fermi (1938) und Richard Feynman (1965) sowie Edward Teller und der Chemiker Harold Urey mit. Wissenschaftlicher Leiter des Projekts war der US-Physiker J. Robert Oppenheimer. Zu dem Geheimprojekt gehörten der von Fermi entwickelte Uranreaktor in Oak Ridge (Tennessee) und der Plutoniumreaktor in Hanford (Washington).

Schlieffenplan

vom Chef des Generalstabes der preußischen Armee, .Alfred von Schlieffen, bis 1905 entwickelter Plan, für einen Einfrontenkrieg gegen Frankreich bzw. einen Zweifrontenkrieg gegen Frankreich und Rußland. Danach sollte ein rascher Angriff gegen Frankreich die gegnerische Armee durch einen deutschen Vorstoß über die Niederlande und Belgien von Nordwesten her umfaßt werden, während sich die deutsche Armee am elsass-lothringischen Festungsgürtel auf die Defensive beschränken sollte. Nach der Vernichtung der französischen Armee sollten die Deutschen dann im Osten, gegenüber Rußland, zur Offensive übergehen können. Helmuth von Moltke, Schlieffens Nachfolger als Chef des Generalstabes, wandte diesen Plan - allerdings in modifizierter Form - zu Beginn des Ersten  Weltkrieges an, scheiterte damit jedoch bereits in der Marne-Schlacht im September 1914. Da der Vormarsch der deutschen Armee nach Frankreich über das Staatsgebiet Belgiens erfolgte und dessen Neutralität verletzte, löste dies erwartungsgemäß den Kriegseintritt Großbritanniens am 4. .August 1914 aus.

Erstellt unter teilweiser Verwendung von Texten aus der PC-Bibliothek 3.0. sowie wikipedia.org.

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Stichworte III

Omnibus salutem!