Honoré de Balzac

1825   1843     

Französischer Schriftsteller; Sohn des bei der Armeeverwaltung angestellten Bernard François Balssa (Balzac) und dessen aus einer wohlhabenden Pariser Familie stammenden, 32 Jahre jüngeren Ehefrau Anne-Charlotte-Laure. Das schlechte Verhältnis zwischen seiner Mutter und ihm begleitete ihn ein Leben lang an: Noch Wöchnerin, hatte sie ihn einer Amme, der Frau eines Gendarmen in Saint-Cyr-sur-Loire übergeben, bei der er bis zu seinem vierten Jahr blieb. Aber auch anschließend wurde er in Halbpension in eine fremde Familie gegeben; nur sonntags durfte er nach Hause kommen. „Wenn Sie wüßten, was für eine Frau meine Mutter ist: Ein Ungeheuer und eine Ungeheuerlichkeit zugleich...sie haßte mich schon ehe ich geboren war...Es ist eine Wunde, die nicht heilen kann.“ (gegenüber Frau von Hanska). Sechs Jahre, von Juli 1807 bis August 1813, verbrachte Balzac anschließend im Collège des oratoriens de Vendôme. Quälende Erfahrungen aus dieser Zeit verarbeitete er später in Louis Lambert (1. Fassung 1832). Dann, endlich im Schoße der Familie (mit seinen beiden Schwestern und dem überlebenden Bruder - sein älteren Bruder war bereits im Säuglingsalter gestorben), kam er auf das Gymnasium nach Tour, und als die Familie Ende 1814 nach Paris umgezogen war, in das dortige Internat Lepitre. 1816 schickten ihn die Eltern auf die Sorbonne, an der er Anfang 1819 das „baccalauréat en droit“ ablegte, aber nach Ende des Semesters das Studium abbrach, da er eine Laufbahn als Jurist für sich als ungeeignet ansah und Schriftsteller werden wollte. Sein Wunsch traf die Familie gerade in einem Moment, in dem es wirtschaftlicher schlechter ging; seine Mutter war dagegen, aber sein Vater gewährte ihm eine Karenzzeit von zwei Jahren, in der er beweisen könnte, ob es ihm gelingen würde, seinen Lebensunterhalt mittels Schreibens zu verdienen. 1819 zog Balzac in eine kleine, kärglich ausgestattete Dachwohnung in 9 rue Lesdignières (Haus nicht mehr vorhanden) und begann zu schreiben. Zunächst unter verschiedenen Pseudonymen und erfolglos, verfaßte er zwischen 1822 und 1825 über 20 Kolportageromane, von denen er kaum leben konnte: Da er den erhofften Durchbruch als Autor trotz seines außerordentlichen Fleißes - er schrieb, in eine Mönchskutte gekleidet, oft 18 Stunden am Tag - ein Verhalten, das er bis zu seinem Ende beibehielt - nicht schaffte, verfiel er Ende 1824 in eine BernyDepression mit Selbstmordgedanken. 1825 half ihm die zehn Jahre älteren Laure de Berny (*1777, †1836), die seine Geliebte wurde, aus dieser Krise. Laure de Berny war die Tochter des aus Wetzlar stammenden Harfenisten Philippe Joseph Hinner, der am Hofe Ludwigs XVI. war und sich einer besonderen Protektion Marie Antoinettes erfreut hatte.Ihre Mutter war Kammerfrau Mutter Königin. Von ihr lieh er sich Geld und beteiligte sich gemeinsam mit zwei anderen Gesellschaftern an einem Verlagsprojekt des Verlegers Urbain Canel, das jedoch fehlschlug und 1826 zur Auflösung der Buchhandelssozietät führte. Trotz eines Verlustes von 15.000 Francs erwarb er die Buchdruckerei Laurens, und er druckte jetzt verschiedene Objekte, Romane, Broschüren und Prospekte. Aber schon im Herbst des Folgejahres muß er die Firma aufgeben. Mit einer daraufhin erworbenen Letterngießerei erlitt er wenig später ebenfalls Schiffsbruch, 1828 ging das Unternehmen in Liquidation. Ausd’Abrantès allen diesen Aktivitäten blieben ihm ca. 90.000 Franc Schulden. Unter falschem Namen begann er nun wieder zu schreiben. Im März 1829 erschien dann der erste Roman unter seinem eigenen Namen, und ihm gelang schließlich der literarische Durchbruch mit der Physiologie de mariage. Im selben Jahr verschaffte ihm Laure-Adelaide Herzogin von Abrantès (*1784, †1838), die Gattin des General Andoche Junot (*1771, †1813), Adjutant Napoléons, die ein Verhältnis mit ihm einging, Einblicke Zulma Carraudin die Welt des Adels. Ebenfalls 1829 lernte er, als er seine Lieblingsschwester Laure besuchte, deren inzwischen verheiratete Schulfreundin Zulma Carraud (*1796, †1889) kennen, zu der sich eine lebenslange Freundschaft entwickelte. Ihrem Rat vertraute er, auf sie hörte er: “Du bist mein Publikum. Ich bin stolz, Dich zu kennen, Dich, die Du mir Mut machst, mich zu vervollkommnen.” Balzacs Vorbild war Napoléon, dessen Statuette er stets auf seinem Schreibtisch vor Augen hatte; auf das Schwert der Statuette hatte Balzac geschrieben: Was er mit dem Schwert erreichen kann, das werde ich mit der Feder erreichen.” Ab 1831 schmückte er sich mit dem Adelspräfix “de“, nannte sich jetzt Honoré de Balzac, bezog eine neue Wohnung, beschäftigte einen Diener, schaffte sich einen Wagen an und bewegte sich nun in der Pariser Gesellschaft. Sein Hauptwerk ist die Comédie humaine, das nach 1829 entstand und das er nach und nach auf über 90 Romane und Erzählungen ergänzte, in denen er eine “vollständige Gesellschaft” abzubilden trachtete. Balzac war ein von ständiger Unruhe Getriebener mit einem übersteigertes Selbstgefühl, der ständig die Wohnung wechselte. Balzac war ein von ständiger Unruhe Getriebener, mit einem übersteigertes Selbstgefühl, der ständig die Wohnung wechselte. Er arbeitete im allgemeinen nächtelang, legte erst in der Morgendämmerung die Feder aus der Hand. Sein Hang zu den Damen der Aristokratie, der ihn zeitweise zu einem Ultra-Royalisten werden ließ, verleitete ihn zu enormen Ausgaben. Seine treue Freundin Laure de Berny warnte ihn immer wieder, sich darin nicht zu sehr zu verstricken, da diese Leidenschaft ihn von seiner wirklich wichtigen Aufgabe und Fähigkeit, dem Schreiben, abhielten. Erst der enorm angewachsene Schuldenberg veranlaßte ihn schließlich, sich an seine zur Sparsamkeit neigende Mutter zu wenden, damit sie ihm in Geldangelegenheiten und gegen die ständig drängenden Gläubiger helfen sollte.

Eva Gräfin Hanska (1825)

Im November 1832 erhielt er anonym einen Brief, versiegelt mit einem Petschaft mit der Inschrift Diis ignotis (i.e. von unbekannten Göttern) und mit ”l'etrangère” gezeichnet, in dem, wie er später erst erfuhr, die Gräfin Ewaline von Hanska (*1801, †1882), née Gräfin Rzewuska, ihm ihre Bewunderung für seine Werke mitteilte (“Im Augenblick, da ich Ihre Werke las, identifizierte ich mit Ihnen, mit Ihrem Genie.Eva von Hanska (1835)..”). Da verheiratet, wollte sie anonym bleiben und bat sie ihn, ihr mittels einer Anzeige in der Pariser Zeitung Quotidienne zu antworten. Im September 1833 traf er sie erstmals in Neuchâtel, wohin sie in Begleitung ihres Gatten, des polnischen Barons Wenzeslaw von Hanski (*1841) gereist war. Dort traf er sich mit ihr, die ihr Mann kaum aus den Augen ließ, nur einige wenige Male heimlich, im Dezember bis Anfang Februar besuchte er sie auch noch in Genf und im Frühjahr 1835 in Wien, wo er sie dann für sieben Jahre zum letzten Mal traf. 1843 – ihr Gatte war bereits gestorben, eilte Balzac zu ihr nach Sankt Petersburg. In den Folgejahren sahen sie sich immer wieder, unternahmen auch gemeinsame Reise u.a. nach Italien, Belgien und auch durch Deutschland. Als sie im 1846 schwanger wurde, kaufte Balzac für sie den Pavillon Beaujon in der rue Fortunée (im Dezember erlitt Eva von Hanska in Dresden ein Frühgeburt). Bevor sie in die Ukraine zurückkehrte, lebte sie in dem Haus in Paris, das er - obwohl finanziell sehr klamm - luxuriös ausbauen lie, etwas über zwei Monate. Er folgte ihr Ende Oktober 1847 und nach einer kurzen Rückkehr nach Paris 1848 hielt er sich dann – schon krank - während des gesamten Jahr 1949 in Wierzchonia auf. Neun Jahre nachdem ihr Gatte gestorben war, gab sie endlich seinem sehnlichsten Wunsche nach: Honoré de Balzac und Eva von Hanska heirateten am 14.3.1850 in der Pfarrkirche St. Barbara in Berdiczew. Jahrelang hatte er vergeblich auf ihr “Ja“ gewartet; sie hatte ihn immer wieder vertröstet. Obwohl sehr vermögend, fürchtete sie wohl seine ungehemmte Verschwendungssucht. Nun aber, nachdem seine Ärzte seinen baldiger Tod vorhersahen, stimmte sie zu. Balzac durch übermäßigen Kaffeegenuß und umfangreiche Mahlzeiten, aber auch durch seinen Arbeitsstil - er schrieb, in eine Mönchskutte gekleidet, oft 18 Stunden am Tag, ein Verhalten, das er bis zu seinem Ende beibehielt - und die immer wiederkehrenden finanziellen Sorgen gesundheitlich ruiniert und schon lange herzkrank, starb – geschwächt noch durch eine Lungenentzündung, kurz nach seiner einen Monat dauernden Rückreise aus der Urkaine, wo er Evaline von Hanska auf ihrem Schloß Wierzchownia besucht hatte, nach Paris an Herzversagen. Schon Tage zuvor war er bettlägerig, konnte nicht mehr schreiben und kaum noch sehen. Damit endete sein Leben, das schon den Tod seiner getreuen Freundin Laure de Berny im Jahre 1836 eine Zäsur in seinem Leben erfahren hatte. Auf seinem letzten Weg begleiteten ihn Victor Hugo, der auch die Grabrede hielt, Alexandre Dumas, Charles-Augustin Sainte Beuve, der sein Feind war (die frisch angetraute Frau de Balzac, die sich immer wenig um Balzacs Familie und seine Freunde gekümmert hatte, hatte die Feierlichkeiten arrangiert) und ein Minister. Von dem, was nach seinem Tode versteigert wurde, bekam die Mutter nichts, auch niemand anders aus der Familie: Er hatte seine Frau als Alleinerbin eingesetzt. Sie, der er, seit sie sich kennen gelernt hatten, unzählige Briefe geschrieben hatte, von denen einige fast den Umfang von Romanen hatten, überlebte ihn 32 Jahe; sie starb am 9.4.1882 und wurde in der Gruft Balzacs auf dem cimetière du Père Lachaise beigesetzt)

Werke u.a.: La peau de chagrin (1831, dt. Das Chagrin-Leder), Le Père Goriot (1834/35, dt. Vater Goriot), Illusions perdues (1837-43, dt. Verlorene Illusionen), Splendeurs et misères des courtisanes (1838-44, dt. Glanz und Elend der Kurtisanen), La femme de trente ans (1842, dt. Frau von dreißig Jahren).

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Bild: Bettina Jakob (2005)

Paris, Cimetière du Père Lachaise

Johann Wolfgang von Goethe    (geadelt 1782)

 1779      

Deutscher Dichter; Sohn des Frankfurter Ratsherrn Johann Caspar Goethe und dessen Ehefrau Katharina Elisabeth, gen Aja, née Textor; hatte dort ersten Kontakt zum französischen Theater und schrieb schon früh Verse im Stile der Zeit. Auf Wunsch des Vaters studierte er von 1765 bis 1768 in Leipzig Jura, wo er sich erstmals verliebte und eine Romanze mit der Handwerkertochter Käthchen Schönkopf hatte. Nach zwei Jahren wurde die Verbindung in gegenseitigem Einvernehmen wieder gelöst. Nachdem er nach einem im Juli 1768 erlittenen sog. Blutsturz wieder reisefähig war, kehrte Goethe nach Frankfurt zurück und setzte nach einer längeren Rekonvaleszenz sein Studium im April 1770 in Straßburg fort, das er, nachdem er im Sommer 1771 seine juristische Dissertation De legislatoribus eingereicht hatte, die allerdings wegen einiger darin enthaltener, gegen die Kirche gerichteter “Ketzereien“ nicht angenommen wurde, beendete. Während seines Aufenthaltes in der elsässischen Universitätsstadt lernte er im Oktober 1770 die Pfarrerstochter Friederike Brion aus Sesenheim kennenlernte. “Folles chevauchées“ (wilde Ausritte) führten ihn immer wieder in den kleinen, 40 km von Straßburg entfernt gelegen Ort Sesenheim, der für ihn zum “Mittelpunkt der Erde“ wurde. Unter dem Eindruck seiner Liebe zu Friederike Brion schrieb er an sie gerichtete Gedichte, die später als Sesenheimer Lieder in die Literaturgeschichte eingingen (u.a. Willkommen und Abschied, Mailied, Heidenröslein), ebenso wie Marianne von Willemer, die er 1814 in Frankfurt traf. Er verließ Straßburg aus Furcht vor einer festen Bindung, ohne sich von Friederike zu verabschieden. “Es gibt” bekannte er später, “Frauenspersonen, die uns im Zimmer besonders wohl gefallen, andere, die sich besser im Freien ausnehmen; Friederike gehörte zu den letztern”. und er mutmaßte: “Bin ich der Flüchtling nicht? Der Unbehauste? Der Unmensch ohne Zweck und Ruh?” 14 Tage nach seiner Rückkehr nach Frankfurt am 14.8.1771 beantragte er seine Zulassung als Anwalt und wurde beim Schöffengericht zugelassen. Im Mai 1772 ging er als Praktikant an das 1495 in Frankfurt am Main gegründete und seit 1689 in Wetzlar ansässige, von allen Ständen gemeinsam unterhaltene Reichskammergericht- Kurz nach seiner Ankunft in Wetzlar wurde er am 9. Juni zu einem Ball in das nahegelegene Nassauischen Jagdhaus zu Volpershausen (heute zu Hüttenberg) eingeladen. Schon auf der Kutschenfahrt dorthin, zu der ihn seine Großtante, Sasanna Maria Cornelia, née Lindheimer, die jüngste Schwester seine Großmutter, abgeholt hatte, lernte er Charlotte, die neunzehnjährige bezaubernde Tochter des Deutschordens-Amtmanns Heinrich Adam Buff, kennen. Sie war die Braut des Legationssekretärs Johann Christian Kestners, der ebenfalls auf den Ball gekommen war, Daß die beiden verlobt waren, konnte Goethe, der sich während des Balles in sie verliebte, nicht ahnen, da Charlotte und Johann Christian in der Öffentlichkeit eher freundschaftlich miteinander umgingen. (Einmal küßte Goethe sie, und sie berichtete es ihrem Verlobten, der ein wenig verstimmt war).

Lotte im Ballanzug schneidet für ihre Geschwister Brot ab, indem Werther zur Thür hereintritt, um sie zum Balle abzuholen (pinxit Daniel Chodowiecki)

Dennoch schenkte sie ihm eine jener rosa Schleifen, die sie an ihrem weißen Kleid getragen hatte, als sie sich kennengelernt hatten (da hatte er den nachmals berühmten blauen Rock mit gelber Weste und eben solch gelben Hosen getragen). Seine Erfahrungen mit ihr verewigte er in seinem innerhalb von nur vier Wochen niedergeschriebenen Roman in Briefen Die Leiden des jungen Werthers (1774), der stark autobiographische Züge seiner unglückliche Liebe zu Charlotte trägt und zu seinem ersten großen und sensationellsten Buchverkaufserfolg überhaupt wurde und Goethe schlagartig bekannt machte. Das Werk rief dieJ.C. Kestner Sittenwächter auf den Plan, die eine Verherrlichung des Selbstmordes befürchteten; tatsächlich löste der Roman eine Welle von Selbsttötungen aus. Unmittelbarer Anlaß zu diesem Roman war der Freitod Karl Wilhelm Jerusalems, der ebenfalls am Reichskammergericht in Wetzlar arbeitete, Prozessführung studierte. Jerusalem erschoß sich, verstrickt in eine hoffnungslose Liebe zu der Frau eines anderen. Für Goethe war der Roman quasi eine “Generalbeichte”, die ihn von seinen eigenen Ängsten und Zweifeln erlöste - auch er hatte schon mit dem Gedanken gespielt, sich das Leben zu nehmen. “So ist’s oft, ich möchte mir eine Ader öffnen, die mir die ewige Freiheit schaffte.“ ließ er den Werther sagen. Nachdem die Idylle zu Dritt drei Monate angedauert hatte, verließ Goethe tief getroffen, Wetzlar im Herbst fluchtartig und kehrte wieder nach Frankfurt zurück. Dort war er viel mit der gerade mit dem Kaufmann Peter Anton Brentano (*1735, †1797) verheirateten Maximiliane “Maxe” (*1756, †1793), Tochter von  Sophie La Roche und späterer Mutter von Bettine und Clemens Brentano, zusammen, musizierte mit ihr, begleitete sie zum Schlittschuhlaufen auf dem Main und tollte mit ihren Stiefgeschwistern. Ihre schwarzen Augen gab er der Lotte, die blauäugig und blond war, in seinem Werther.

pinxit Georg Melchior Kraus (ca. 1775)

Die Freundschaft scheiterte an der Eifersucht ihres Mannes; es kam zu “schrecklichen Augenblicken” und zu einem Eklat. Ostern 1775 verlobte er sich mit der Frankfurter Bankierstocher Lili Schönemann. Die Beziehung scheiterte jedoch bald am Widerstand beider Eltern, und der unter der Trennung leidende Goethe nahm eine Einladung des 18jährigen Herzogs Carl August zu einer Reise nach Weimar an. Am 7.11.1775 traf Goethe dort ein. Im selben Jahr lernte erCharlotte von Stein kennen, mit der ihn bis zu seiner plötzlichen Italienreise eine enge Freundschaft verband (”Dieses seltsame Land Italien hat ihn verwandelt, hat ihn mir entfremdet, mir seine Liebe geraubt”). 1776 bezog er das Gartenhaus, das Carl August ihm geschenkt hatte. Er leitete das Straßenbauwesen und wurde zum Geheimen Rat ernannt.

Skizze der Solfatara bei Pozzuoli (1887)

1786 brach Goethe, nachdem er zuvor Frau von Stein von einem gemeinsamen Aufenthalt in Karlsbad wieder nach Weimar gebracht hatte, heimlich zu einer Italienreise auf, wo er bis April 1788 verblieb.Eine Reise nach Italien war für ihn schon seit der Kindheit ein Traum, nachdem ihm sein Vater von dessen Reise dorthin berichtet hatte. Auf dem Wege in den Süden der italienischen Halbinsel besuchte er zahlreiche Städte, in denen er teils einen längeren Aufenthalt, z.B. Venedig, einrichtete, teil nur kurz verweilte, z.B. Florenz. In Rom traf er zahlreiche Schweizer und Deutsche, die dort teilweise lebten. Er lernte Angelika Kauffmann während seines Aufenthalts dort kennen und schätzen, las ihr aus seiner Iphigenie, die er dort fertiggestellt hatte, vor, und sie fertigte Zeichnungen zu seinem Schauspiel an. In Rom war sein ”Cicerone” anfangs Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, dessen sachliche und Ortskenntnisse er schätzte (Tischbein begleitete Goethe auch nach Neapel und Pompeji). In Sizilien stellte er fest:”Italien ohne Sizilien macht gar kein Bild in der Seele: hier ist erst der Schlüssel zu allem“ (er hatte lange gezögert, ob er überhaupt dorthin gehen sollte)); überhaupt war ihm”als einem eingebürgertem Italiener“ das Land an Herz und Sinn gewachsen. In Taomina entwarf er ein Konzept zu einer Nausikaa, es blieb bei einem Fragment. Schon auf der Rückreise auf das italienische Festland, machte Goethe in Messina Station, wo er noch überall in der Stadt die großen Schäden sah, das das drei Jahre zuvor erfolgte schwere Erdbeben angerichtet hatte (am 5. Februar 1783 hatte ein Erdbeben mit der Stärke 7,2 auf der Richterskala die Stadt und die Region erschüttert).

Goethe am Fenster (pinxit J.H.W. Tschbein (1787)

Goethe genoß die Meisterstücke, u.a. Michelangelos Jüngstes Gericht in der Sixtinische Kapelle und die marmorne Originale. von denen er nur Gipsabgüsse kannte und wünschte sich ”ein Mittel, sich solche Bilder in der Seele recht zu fixieren.“ Die auf der Reise gesammelten Eindrücke hielt er - mit Illustrationen versehen - in Tagebüchern fest, die er zwischen 1813 und 1817 in seinem Werk Italienische Reise übertrug.

Im April 1788 verließ er schließlich Rom und kehrte über Florenz, Bologna und Mailand nach Weimar zurück. Im Jahr seiner Rückkehr trat er am 12. Juli erstmals Christiane Vulpius, mit der er sich erst am 19.10.1806 kirchlich trauen ließ (fünf Schwangerschaften, lediglich August, der am 25.12.1789 geboren wurde, überlebte). Während des Koalitionskrieg gegen das revolutionäre Christiane v. GoetheFrankreich begleitete Goethe seinen Souverän Carl August 1792 drei Monate nach Frankreich und erlebte 1793 u.a. die Belagerung von Mainz. Auch während der Belagerung arbeitete er an seinem im Januar 1793 begonnenen Versepos Reineke Fuchs weiter, für den ihm als Vorlage die Prosafassung von Johann Christoph Gottscheds aus dem Jahre 1752 diente, die er seit seiner Kindheit her kannte. 1797 plante Goethe eine nochmalige Italienreise, die aber in der Schweiz endete. 1815 wurde er Staatsminister. Bereits ab 1791 hatte er sich mit großem Engagement um das Weimarer Hoftheater gekümmert, dessen Leitung er 1817 wieder abgab. Beratend zuständig auch für die Jenaer Universität, verdankte diese ihm die Berufung einiger namhafter Professoren, darunter Johann Gottlieb Fichte, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Friedrich Schelling und Friedrich Schiller, mit dem er sich befreundete hatte und dessen Tod im Jahr 1805 er als großen Verlust empfand. Außerdem setzte er sich ab 1807 für den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität ein. 1809 erschien sein letzter Roman, Wahlverwandschaften. In diese Zeit fiel seine Zuneigung zu der Tochter des Jenaer Buchhändlers Frommann, der 18jährigen Wilhelmine ”Minna” Herzlieb. Im Jahre 1814 besuchte Goethe seine Heimat, um in Wiesbaden eine Kur antreten. Dort besuchte ihn der Frankfurter Bankier Johann Jacob von Willemer mit seiner “Ziehtochter” (Pflegetochter) Marianne Jung, die der Bankier wenige Wochen später heiraten wird, und lud ihn ein, mit ihm und Marianne, die bei Frankfurt direkt am Ufer des Mains liegende Gerbermühle zu besuchen, die von Willemer 1785 als Sommersitz gepachtet und umgebaut hatte. Dort blieb er vom 12. bis 17. August. Goethe, der sich in Marianne verliebt hatte und sie seine Muse wurde, verewigte sie in dem ”Buch Suleika”, seines Spätwerks West-östlicher Divan. Dabei verwendete er zahlreiche Liebesgedichte; später enthüllte Marianne von Willemer, daß ein großer Teil der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr selbst stammte. Über einige Monate hinweg führte er mit ihr eine regelmäßige Korrespondenz; nachdem er 1815 Frankfurt ein letztes Mal besucht hatte, reagierte er auf spätere Einladungen der Willemers nicht mehr. Der alte Goethe hielt, nachdem er sich von einer Erkrankung erholt hatte und sich gestärkt fühlte, ernsthaft, aber vergeblich um die Hand der 19jährigen Ulrike von Levetzow an, die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte, wo er sich wegen der Erkrankung 1823 zur Kur aufgehalten hatte. Im Nachgang zur diesem Erlebnis verfaßte er die Marienbader Elegie, und er setzte seine Arbeit am zweiten Teil des Faust fort. Aber diese aussichtslose und unerwiderte Liebe erinnerte ihn ebenso unglücklich an seine Liebe zu Charlotte, die 51 Jahre zurücklag; und seinen Werther, den er verdrängt hatte, da er lange auf diesen Roman reduziert worden war.

Noch einmal wagst du, vielbeweinter Schatten,
Hervor dich an das Tageslicht,
Begegnest mir auf neu beblümten Matten,
Und meinen Anblick scheust du nicht.
Es ist, als ob du lebtest in der Frühe,
Wo uns der Tau auf Einem Feld erquickt
Und nach des Tages unwillkommner Mühe
Der Scheidesonne letzter Strahl entzückt;
Zum Bleiben ich, zum Scheiden du erkoren,
Gingst du voran – und hast nicht viel verloren.

Das Ende des Jahrzehnts und der Beginn des neuen waren gekennzeichnet von zwei schweren Verlusten: 1828 starb Goethes Gönner Carl August, 1830 mußte er den Tod des einzigen Kindes August hinnehmen.

Goethe, der bereits während seiner Studien in Leipzig und Straßburg auch physikalische Vorlesungen gehört hatte, hatte zeitlebens auch ein ausgeprägtes Interesse für naturwissenschaftlich-technische Fragen: 1790 erschien sein Werk Die Metamorphose der Pflanzen, eine Studie zur Entwicklung der Pflanzen, 1796 veröffentlichte er seine Farbenlehre, und bereits 1784 hatte er bei einem Besuch bei dem Anatom Justus Christian Loder (*1753, †1832) im Anatomieturm in Jena bei einem Embryo den Zwischenkieferknochen auch beim Menschen entdeckt, der bereits bei Tieren bekannt war; die Entdeckung decouvrierte die - wenn auch ferne - Verwandtschaft des Menschen mit dem Tier.

  

 Blick von der Gerbermühle über den Main auf Frankfurt (pinxit Goethe, 1816). Dazu schrieb er am 28. August 1816:

Also lustig sah es aus
Wo der Mayn vorüberfloß,
Als im schmucken Hayn v. Haus
Festlich Eilfer überfloß.

Ferner Freunde wart gedacht:
Denn das heißt genießen,
Wenn zu Fest- und Flusses Pracht
Tausend Quellen fließen.

 

 

Werke: u.a.: Die Leiden des jungen Werther (ab 1774), Westöstlicher Diwan, Faust, Iphigenie, Tasso, Dichtung und Wahrheit, Farbenlehre (1796).

Heidenröslein

Sah ein Knab ein Röslein stehn,
Röslein auf der Heiden,
War so jung und morgenschön,
Lief er schnell, es nah zu sehn,
Sah's mit vielen Freuden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.

Knabe sprach: “Ich breche dich,
Röslein auf der Heiden!”
Röslein sprach: “Ich steche dich,
Daß du ewig denkst an mich,
Und ich will's nicht leiden.”
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.

Und der wilde Knabe brach’s
Röslein auf der Heiden;
Röslein wehrte sich und stach,
Half ihm doch kein Weh und Ach,
Mußt es eben leiden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.

Erster Verlust

Ach, wer bringt die schönen Tage,
Jene Tage der ersten Liebe,
Ach, wer bringt nur eine Stunde
Jener holden Zeit zurück!

Einsam nähr ich meine Wunde,
Und mit stets erneuter Klage
Traur' ich ums verlorne Glück.

Ach, wer bringt die schönen Tage,
Jene holde Zeit zurück!

Gefunden

Ich ging im Walde
So für mich hin,
Und nichts zu suchen
Das war mein Sinn.

Im Schatten sah ich
Ein Blümchen steh'n,
Wie Sterne leuchtend,
Wie Äuglein schön.

Ich wollt' es brechen,
Da sagt' es fein:
"Soll ich zum Welken
Gebrochen sein?"

Ich grub's mit allen
Den Würzlein aus,
Zum Garten trug ich's
Am hübschen Haus.

Und pflanzt' es wieder
Am stillen Ort;
Nun zweigt es immer
Und blüht so fort.

Ein Gleiches

  Über allen Gipfeln
  Ist Ruh,
  In allen Wipfeln
  Spürest du
  Kaum einen Hauch;
  Die Vögelein schweigen im Walde.
  Warte nur, balde
  Ruhest du auch.

Das Gedicht “Ein Gleiches” verfaßte Goethe am Abend des 6. September 1780 auf dem Kickelhahn, einem Berg bei Ilmenau im Thüringer Wald, und schrieb es dort an die Bretterwand einer Jagdhütte.

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Bild: Thomas Haas (8/2009)

Weimar, Fürstengruft

Eingang zum Goethe-Haus in Frankfurt am Main

Goethe-Haus in Frankfurt am Main z.Zt. Goethes

zoom

Frankfurter Frag- und Anzeigungsnachrichten mit der Anzeige zu Goethes Taufe

Handschriftl. Notiz Goethes, in der er Datum und Stunde seiner Geburt festhielt.

Johann Christoph Friedrich von Schiller

     pinxit Anton Graff      Schadow1804

Links: im Alter von 20 Jahren; Mitte: im Alter von 45 Jahren

Deutscher Dichter, Dramatiker, Lyriker und historischer Schriftsteller; nach dem Besuch der Dorfschule in Lorch (1765/66), wo der Vater Johann Caspar Schiller (*1723, †1796) Werbeoffizier war, zog die Familie nach Ludwigsburg um. Dort besuchte Schiller die Lateinschule. Der (c) BKA /2000)Portraitstudie von Weitsch, 1804Plan einer theologischen Laufbahn scheiterte am Widerspruch des Herzogs Karl Eugen, der Schiller ab Januar 1773 an der herzoglichen Militärakademie, der Hohen Karlsschule, zu sehen wünschte. Dort studierte er zunächst Jura, dann Medizin (promovierte erst 1780 im zweiten Anlauf über Versuch über den Zusammenhang der thierischen Natur des Menschen mit seiner geistigen). Während dieser Zeit begann er bereits erste lyrische und dramatische Versuche. 1777 begann er mit dem Drama Die Räuber, in dem er Autorität ablehnte und absolut individuelle Selbstentscheidung propagierte. 1780 erfolgte seine Ernennung zum Regimentsmedikus in Stuttgart. Als er zur Uraufführung der Räuber, die er im Selbstverlag veröffentlich hatte, (mit August Wilhelm Iffland als Franz Mohr) am 13.1.1782 nach Mannheim reiste und sein Regiment vorschriftswidrig verließ, wurde er, nachdem er das Verbot erneut unbeachtet ließ, für zwei Wochen inhaftiert und erhielt danach die Auflage, alles Geschriebene seinem Herzog vorzulegen. Er floh mit seinem Freund, dem späteren Klavierbauer Johann Andreas Streicher (*1761, †1833), nach Mannheim und von dort aus aus Angst festgesetzt und zurückgeführt zu werden, weiter nach Frankfurt am Main und Oggersheim, wo er 1782 die Die Verschwörung des Fiesco von Genua, die zuvor bei einer Lesung durchgefallen war, umarbeitete, die Henriette von Wolzogendennoch zunächst im Nationaltheater Mannheim des Intendaten Baron Heribert von Dalberg in Mannheim nicht angenommen wurde. Überschuldet und zudem arbeitslos und gesundheitlich angeschlagen, zog er in den kleinen Ort Bauerbach, wo er den ganzen Winter (1782/83) auf dem Gut seiner Freundin und Gönnerin Henriette von Wolzogen verbrachte - hoffnungslos verliebt in deren kecke und schöne 16-jährige Tochter Charlotte -, das Stück um Liebe und Verrat Luise Millerin (später auf Anraten Ifflands in Kabale und Liebe umgenannt – Uraufführung in seiner Abwesenheit am 15.4.1784 in Frankfurt am Main) schrieb und Charlotte als Vorbild für die Protagonistin des Stückes nahm. Weil er das Stück und denCharlotte von Wolzogen Dom Karlos, den Schiller in Fragmenten fertiggestellt hatte, unbedingt aufführen wollte, holte Dalberg den jungen Autor 1783 aus Bauerbach zurück nach Mannheim und gab ihm einen Ein- Jahresvertrag als Theaterdichter; für nur 300 Gulden jährlich und die Einnahme je eines Theaterabends hatte er jährlich drei Stücke zu schreiben. Nachdem der Vertrag jedoch nicht verlängert worden war, reiste er am 4.4.1784 schließlich, nach einem Zwischenaufenthalt beiKörner seinem neuen Verleger Georg Joachim Göschen, zu seinem späteren Freund Christian Gottfried Körner (*1756, †1831) nach Leipzig, wo dieser ihm aus der finanziellen Notlage half. In Gohlis, heute ein Stadtteil von Leipzig, verbrachte er den Sommer; hier schuf er u.a. den später von Ludwig van Beethoven vertonten Hymnus An die Freude. Am 11.9.1785 folgte er Körner nach Dresden-Loschwitz. Im Juli 1787 reiste er weiter nach Weimar, nahm dort den Kontakt zu seiner früheren Vertrauten, der Schriftstellerin Charlotte von Kalb, wieder auf, lernte Johann Gottfried von Herder sowie Christoph Martin Wieland kennen und wurde Mitglied des sog. Weimarer Musenhofs der Herzogin Anna Amalia. Durch Vermittlung Johann Wolfgang von Goethes, mit dem ein Freundschaftsbund entstand, erhielt er 1789 eine – wenngleich unentgeltliche – Professur für Geschichte in Jena. Am 22.2.1790 heiratete er in der Dorfkirche von Wenigenjena unter Verzicht auf jegliche Festlichkeiten Charlotte Luise Antoinette von Lengefeld), die Schwester von Caroline Freifrau von Wolzogen, auf deren Gut Bauerbach bei Meinigen er gelebt hatte. 1791 erkrankte Schiller so schwer, daß er sich als Folge dieser Krankheit gezwungen sah, seine LehrtätigkeitCaroline v. Wolzogen aufzugeben (”Man fand bei der Sektion den linken Lungenflügel total zerstört” - sic Caroline in ihrer später verfaßten Biographie: Schillers Leben). Restlich erholt hat er sich nie mehr. Im Dezember 1799 zog er schließlich nach Weimar (hier entstand im gleichen Jahr Das Lied von der Glocke) und bezog 1802 sein eigenes Haus, wo jetzt - weitgehend bar wirtschaftlicher Nöte - in rascher Folge einige seiner bekanntesten Theaterstücke entstanden. Hier starb er, und gegen ein Uhr in der Nacht vom 11. auf den 12.5. 1805 wurde er - still und leise - unter Ausschluß der Öffentlichkeit verscharrt; selbst sein Freund Goethe nahm nicht an Schillers Beerdigung und Totenfeier teil. Schillers am 26.6.1784 gehaltene Rede Vom Wirken der Schaubühne auf das Volk (bekannter als Die Schaubühne als eine moralische Anstalt betrachtet) bestimmt die Bühne als Forum humanitärer Ideale und übte auf die Entwicklung der deutschen Dramen- und Theaterlandschaft bis hin zum Expressionismus und zu Bertolt Brecht entscheidenden Einfluß aus.

Werke u.a.: Geschichte des Dreißigjährigen Krieges vom Prager Fenstersturz bis zum Westfälischen Frieden (1790-1792), Dom Karlos, Wallenstein, Maria Stuart (1800), Die Jungfrau von Orleans (1801), Die Braut von Messina (1803), Wilhelm Tell (1804).

Der spielende Knabe

Spiele, Kind, in der Mutter Schoß! Auf der heiligen Insel
Findet der trübe Gram, findet die Sorge dich nicht,
Liebend halten die Arme der Mutter dich über dem Abgrund,
Und in das flutende Grab lächelst du schuldlos hinab.
Spiele, liebliche Unschuld! Noch ist Arkadien um dich,
Und die freie Natur folgt nur dem fröhlichen Trieb,
Noch erschafft sich die üppige Kraft erdichtete Schranken,
Und dem willigen Mut fehlt noch die Pflicht und der Zweck.
Spiele, bald wird die Arbeit kommen, die hagre, die ernste,
Und der gebietenden Pflicht mangeln die Lust und der Mut.

Der Antritt des neuen Jahrhunderts.
An ***


  Edler Freund! Wo öffnet sich dem Frieden,
  Wo der Freiheit sich ein Zufluchtsort?
Das Jahrhundert ist im Sturm geschieden,
  Und das neue öffnet sich mit Mord.

Und das Band der Länder ist gehoben,
  Und die alten Formen stürzen ein;
Nicht das Weltmeer hemmt des Krieges Toben,
  Nicht der Nilgott und der alte Rhein.

Zwo gewaltige Nationen ringen
  Um der Welt alleinigen Besitz;
Aller Länder Freiheit zu verschlingen,
  Schwingen sie den Dreizack und den Blitz.

Gold muß ihnen jede Landschaft wägen,
  Und, wie Brennus in der rohen Zeit,
Legt der Franke seinen ehrnen Degen
  In die Wage der Gerechtigkeit.

Seine Handelsflotten streckt der Britte
  Gierig wie Polypenarme aus,
Und das Reich der freien Amphitrite
  Will er schließen, wie sein eignes Haus.

In des Südpols nie erblickten Sternen
  Dringt sein rastlos ungehemmter Lauf;
Alle Inseln spürt er, alle fernen
  Küsten – nur das Paradies nicht auf.

Ach, umsonst auf allen Länderkarten
  Spähst du nach dem seligen Gebiet,
Wo der Freiheit ewig grüner Garten,
  Wo der Menschheit schöne Jugend blüht.

Endlos liegt die Welt vor deinen Blicken,
  Und die Schifffahrt selbst ermißt sie kaum;
Doch auf ihrem unermeßnen Rücken
  Ist für zehen Glückliche nicht Raum.

In des Herzens heilig stille Räume
  Mußt du fliehen aus des Lebens Drang!
Freiheit ist nur in dem Reich der Träume,
  Und das Schöne blüht nur im Gesang.
 

Schillers Bestattung von Conrad Ferdinand Meyer

Ein ärmlich düster brennend Fackelpaar, das Sturm
Und Regen jeden Augenblick zu löschen droht.
Ein flatternd Bahrtuch. Ein gemeiner Tannensarg
Mit keinem Kranz, dem kargsten nicht, und kein Geleit!
Als brächte eilig einen Frevel man zu Grab.
Die Träger hasteten. Ein Unbekannter nur,
Von eines weiten Mantels kühnem Schwung umweht,
Schritt dieser Bahre nach. Der Menschheit Genius war’s.

 

 

 

 

 

Weimarer Musenhof - Schiller - Goethe anschauend - deklamiert.

Anwesend u.a.: Anna Amalia, Wieland, Herder, Alexander und Wilhelm von Humboldt, Musäus, Charlotte v. Stein.

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Weimar, Fürstengruft

Weimar, Jacobsfriedhof, Kassengewolbe

Hinweis: Sog. Landschafts-Leichenkassengewölbe, in dem Schiller am 11. Mai 1805 um Mitternacht beigesetzt wurde.1826 wurde zunächst Schillers Schädel aus dem Gewölbe geborgen, welcher alsdann im Postament der Dannecker Schiller-Büste, in der Großherzoglichen Bibliothek aufbewahrt wurde. Die übrigen zu Schillers Skelett gehörigen Knochen wurden bis 1827 aus dem Kassengewölbe geborgen. Goethe besaß gute osteologische Kenntnisse, so daß er Schillers Überreste aus tausend untereinander schiller_totenmaskevermengten Knochen herausgefunden zu haben glaubte. 1827 erfolgte die Beisetzung in die Großherzogliche Familiengruft. Das alte, ursprüngliche Kassengewölbe wurde 1854 niedergerissen. Am 11. Juli 1927 trat der Neubau an dessen Stelle. An der alten Friedhofsmauer war seit 1859 eine Steinplatte angebracht mit der Inschrift: SCHILLERS erste Begräbnisstelle. Am 28. August 1911 wurde auf Veranlassung von August Froriep, Professor der Anatomie in Tübingen, im Kassengewölbe eine erneute Ausgrabung vorgenommen, und dieser behauptete, daß die Überreste in der Fürstengruft nicht von Schiller stammen könnten. Er barg letztendlich einen weiteren Schädel nebst Knochen und behauptete, dieses seien tatsächlich Schillers Überreste. Trotz aller Bedenken wurde auch dieses Skelett am 9. März 1914 in der Fürstengruft in Weimar beigesetzt , so daß also zwei Schädel und die Knochen zweier Skelette Schillers vorhanden sind. Um endgültig Sicherheit in der alten Streitfrage zu schaffen, wurde jetzt der Eichensarkophag geöffnet. Die im Auftrage der Klassik Stiftung Weimar und vom MDR Landesfunkhaus Thüringen koordinierten Analysen des DNA-Materials ergaben im April 2008 endgültig, daß weder der aufgefundene Schädel noch die Gebeine diejenigen Schillers sein können.

 

 

 

Die Räuber, Erstausgabe von 1781

Handschrift Schillers aus Wilhelm Tell

Anwesen, auf dem Schiller in Jena wohnte (pinxit J.W.v.Goethe)

Erich Kästner

 

Deutscher Schriftsteller, Lyriker und Erzähler; Sohn eines Sattlers; der stark durch eine enge Beziehung zu seiner Mutter Ida geprägte Kästner, studierte Germanistik, Geschichte und Philosophie und lebte als freier Schriftsteller und Journalist ab 1927 in Berlin; erste Veröffentlichungen waren die Gedichtbände Herz auf Taille (1928) und Lärm im Spiegel (1929). Er wandte sich mit Witz und Ironie gegen spießbürgerliche Moral, Militarismus und Faschismus. 1933 erschien sein Roman Das fliegende Klassenzimmer, das später dreimal verfilmt werden sollte, wobei Kästner bei der ersten Verfilmung im Jahr 1954 das Drehbuch verfaßte und als Erzähler auch selbst in dem unter der Regisseur Kurt Hoffmann gedrehten Film in Erscheinung trat. 1933, dem Jahr der “Machtergreifung” der Nationalsozialisten, wurden seine Bücher verboten und verbrannt, er wurde wiederholt verhaftet, jedoch immer wieder auf freien Fuß gesetzt. Dennoch verließ er Deutschland nicht. 1942 verfaßte er, obwohl er mit absolutem Schreibverbot belegt war, auf Veranlassung des Reichsfilmintendanten Fritz Hippler unter dem Pseudonym Bertold Bürger das Drehbuch zu dem Film Münchhausen, in dem Hans Albers die Hauptrolle spielte. Sein 1934 entstandener Roman Drei Männer im Schnee und der 1938 verfaßte Roman Georg und die Zwischenfälle wurden jedoch im Ausland veröffentlicht. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges war er Feuilletonredakteur der Neuen Zeitung in München, Herausgeber der Jugendzeitschrift Der Pinguin und Mitglied des im Herbst 1945 gegründeten Münchner Kabaretts Die Schaubude. 1951 gründete er in München das Kabarett Die kleine Freiheit. Von 1951 bis 1962 war Kästner Präsident des P.E.N.-Zentrums der Bundesrepublik Deutschland. Viele seiner Werke sind - teilweise mehrmals - verfilmt oder als Theaterstücke aufgeführt worden.

Bild: Deutsche Post (1999)

 

 

Werke u.a.: Emil und die Detektive (1929), Pünktchen und Anton, Fabian (beide 1931), Schule der Diktatoren (1956), Die Konferenz der Tiere, Das doppelte Lottchen (beide 1949), Der kleine Mann und die kleine Miss (1967).

Auszeichnungen u.a.: Georg-Büchner-Preis (1957).

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Bild: Helmut Fischer

München, Bogenhausener Friedhof

Victor Marie Hugo

               

Französischer Schriftsteller; Sohn eines hohen Offiziers; seine ursprünglich royalistische Haltung wandelte sich gegen Ende der 1820er Jahre in eine bonapartische und zunehmende liberale Einstellung: 1827/28 wurde Hugo zentrale Figur des zweiten Cénacle und Wortführer der französischen Hochromantik. Er näherte sich nach der Julirevolution von 1830 dem Herrscherhaus von Orléan an, wurde 1845 Pair de France und 1848 bonapartischer Deputierter in der verfassungsgebenden und 1849 in der gesetzgebenden Nationalversammlung. Als er sich jedoch 1851 mit Napoléon III. überwarf, ging er ins Exil, zunächst nach Brüssel, dann für annähende zwei Jahrzehnte nach Jersey und Guernsey (dort ab 1856). In St. Peter Port ließ er sich ein Haus bauen, in dem er bis zur Beendigung seines Exils lebte. Wegen seiner Abneigung gegenüber der englischen Sprache versah er sein Haus an vielen Stellen mit lateinischen Sprüchen. So hatte er u.a. einen Stuhl, auf den sich niemand niederlassen durfte, mit der Inschrift ”Absentes adsunt”1 versehen, angeblich seiner früh verstorbenen Tochter gewidmet. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich im Jahre 1870 bekleidete Hugo verschiedene Staatsämter (u.a. Senatur 1876), übte jedoch in Wahrheit keinen politischen Einfluß mehr aus. Bereits zwölf Jahre nach seinem Tode nahmen sich die Brüder Lumière seiner Figuren an: Sie drehten 1897 Szenen aus Les Misérables. Im Laufe der Zeit haben viele Regisseure sich insbesondere diesem Werk Hugos angenommen.

Werke u.a.: Notre Dame de Paris (1831), Les Misérables (1862).

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1 Abwesende sind anwesend.

Beisetzungsfeierlichkeit am 1.6.1885

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Paris, Panthéon

Hugo-Denkmal auf der Kanalinsel Guernsey

Grabstätte der Familie Hugo auf dem Cimetière du Père Lachaise

Bild: D. Brecht (2011)
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 Friedrich Schiller Archiv, Fotos: Andreas Fiedler (2013)

Johann Anton Leisewitz

                 

 

Deutscher Schriftsteller und Jurist; verbrachte seine Kindheit und Jugend in Celle. In Göttingen studierte er 1770 bis 1774 Rechtswissenschaften.

Sein Bruderzwist-Drama Julius von Tarent, das in der Tendenz der Sturm-und-Drang-Dramatik angehört, aber formal an der Dramaturgie Gotthold Ephraim Lessing festhält, unterlag 1775 bei einem von dem Theaterdirektor Konrad Ernst Ackermann und dessen Ehefrau Sophie Charlotte Schröder veranstaltetem Preisauschreiben, dem Stück Die Zwillinge von Friedrich Maximilian Klinger.

1780 besuchte Leisewitz Goethe in Weimar, wo er - vermutlich auf dessen Fürsprache 1786 zum Hauslehrer des späteren Herzogs Ferdinand von Braunschweig-Lüneburg berufen wurde. Vier Jahre später war Leisewitz Mitglied der Regierung in Braunschweig und wurde dort 1806 Präsident des Obersanitätskollegiums zu Braunschweig.

 

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Bilder: Delef Buhre (03/2019)

Braunschweig, Martinifriedhof

Friedrich Maximilian von Klinger (seit 1780)

 

Deutscher Dichter und Dramatiker; zweite Kind des aus dem Odenwald stammenden Bauernsohnes Johannes Klinger, der sich als Konstabler bei der städtischen Artillerie anwerben ließ. Nachdem er 1760 im Alter von acht Jahren seinen Vater verlor, mußte seine Mutter Cornelia Margareta Dorothea, née. Fuchs, ihn und seine beiden Schwestern als Krämerin und Wäscherin ernähren. Obwohl in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen, konnte Klinger dank der Förderung durch Professors Zink das 1520 als Lateinschule gegründete Gymnasium Francofurtanum (Vorläufer des heutigen Lessing Gymnasiums) besuchen. Ab 1772 knüpfte er in seiner Geburtsstadt Kontakte mit den Vertretern einer jungen Generation von Autoren, die sich um Johann Wolfgang von Goethe, mit dem er befreundet war, gesammelt hatten; u.a. mit Jakob Michael Reinhold Lenz, der neben ihm bedeutendster Dramatiker des Sturm und Drang war, und Heinrich Leopold Wagner, wobei seine in der Altstadt liegenden Wohnung in dem - nicht mehr existierendem - Rittergässchen deren Zusammenkünften diente. Mit der finanziellen Unterstützung seitens Goethes konnte er 1774 in Gießen ein Studium der Rechtswissenschaften beginnen, das er jedoch - ermutigt durch seine ersten Erfolgen als Theaterautor - brach er 1776 das Studium ab und ging nach Weimar, wo es zum Bruch mit seinem Jugendfreund Goethe kam. Klinger schloß sich mit dem Manuskript seines neuen Stücks Sturm und Drang (1776,ursprünglicher Titel Wirrwarr), dessen Titel zur Epochenbezeichnung wurde, 1776 als Dramaturg und Schauspieler der Seylerschen Truppe an. Als der erwartete Erfolg ausblieb, ließ er sich mit Hilfe von Johann Georg Schlosser, dem Ehemann von Goethes Schwester Cornelia, im Bayerischen Erbfolgekrieg anwerben und nahm von Sommer 1778 bis Frühjahr 1779 an Kriegszügen in Böhmen teil. Nach Ende des Krieges kehrte er zu den Schlossern nach Emmendingen zurück in der Hoffnung auf ein neues Empfehlungsschreiben. 1779 wurde er Mitglied der Freimaurerloge Modestia cum libertate in Zürich. 1780 wurde er Offizier im Marinebataillon des späteren Zaren Pauls I. und zugleich als Vorleser dessen zweiter Frau Maria Feodorovna, der aus Deutschland stammenden Sophie Dorothee von Württemberg, eingestellt. 1801 wurde Klinger zum Generalmajor der Armee und Leiter des Kadettenkorps ernannt. Ab 1803 war er als Kurator der Universität in Dorpat wichtiger Vermittler deutscher Kultur. Im Zuge der Restauration wurde Klinger 1816 seiner Ämter enthoben und zog sich aus dem öffentlichen Leben zurück.

Werke u.a.: 1775 Otto (1775), Das leidende Weib (1775), 1776 Simsone und Grisaldo (1776), Prinz Seidenwurm (1780), Prinz Formosos Fiedelbogen und der Prinzeßin Sanaclara Geige (1780), Die Geschichte vom Goldenen Hahn (1785), Fausts Leben, Thaten und Höllenfahrt (1791), Geschichte eines Teutschen der neuesten Zeit (1798).

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Sankt Petersburg, Alter Smolensker Lutherischer Friedhof auf der Wassiljewski-Insel

Bild: Blindpew100 (09/2015) Wikipedia.org
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Schriftsteller III

Omnibus salutem!