Adolph Franz Friedrich Ludwig Freiherr Knigge

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Deutscher Schriftsteller; wurde nach dem Studium der Rechtswissenschaft 1772 vom Landgrafen von Hessen zum Hofjunker und Assessor der Kriegs- und Domänenkammer in Kassel ernannt, wurde 1777 zunächst Kammerherr in Weimar, ließ sich nach einem mehrjährigen Wanderleben in Hanau nieder und übersiedelte 1780 nach Frankfurt am Main. Von dort zog er 1783 nach Heidelberg, später nach Hannover und schließlich nach Bremen, wo er Oberhauptmann und Scholarch (Schulleiter) wurde. Im Jahre 1788 gab er unter dem Pseudonym ”Philo” eine viel beachtete Schrift über den aufklärerischen Illuminatenorden knigge_titelheraus, dessen führendes Mitglied er von 1780 an war. Entzweit mit dem Gründer des Ordens der Erleuchteten, Adam Weishaupt (*1748, †1830), verließ er den Orden 1784 wieder. Als sein bekanntestes Werk gilt Umgang mit Menschen, das 1788 veröffentlicht wurde und das volkstümlich ”Der Knigge” genannt wird.

In einer Ausgabe von 1878 (bei Phillipp Reclam jun.)

Werke u.a.: Der Roman meines Lebens (4 Bde., 1781-87), Geschichte Peter Clausens (3 Bde., 1783-85), Geschichte des armen Herrn von Wildenburg (1789-90), Des seligen Herrn Etatsrath Samuel Konrad von Schafskopf hinterlassene Papiere, Die Reise nach Braunschweig (beide 1792).

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Franz Carl Weiskopf

 

Deutscher Schriftsteller; der Sohn eines jüdisch-deutschen Bankangestellten und einer tschechischen Mutter studierte nach Absolvierung deutschsprachiger Schulen in seiner Heimatstadt von 1919 bis 1923 Germanistik und Geschichte an der dortigen Universität und promovierte 1923 zum Dr. phil. Seit 1921 Mitglied der KP, reiste er 1926 erstmals in die Sowjetunion. 1928 siedelte er nach Berlin über und wurde Feuilleton-Redakteur der Zeitung Berlin am Morgen. Im gleichen Jahr heiratete er Grete Bernheim. Als Mitglied im ”Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller” nahm er 1930 zusammen mit Anna Seghers an einer Konferenz revolutionärer Schriftsteller in Charkow in der Sowjetunion teil. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten verließ er Deutschland und kehrte in die Tschechoslowakei zurück, wo er Chefredakteur der antifaschistischen Arbeiter Illustrierten Zeitung war. Als die deutsche Wehrmacht 1938 die Tschechoslowakei besetzte und die Zeitung nicht mehr erscheinen durfte, floh er über Paris in die Vereinigten Staaten. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde er als Botschaftsrat nach Washington D.C. entsandt, war 1949/50 Gesandter in Stockholm und von 1950 bis 1952 Botschafter in Peking. 1952 kehrte er nach Prag zurück, siedelte allerdings bereits 1953 nach Ost-Berlin über. In seinen letzten Jahren war er Vorstandsmitglied des Schriftstellerverbandes der DDR und gab gemeinsam mit Willi Bredel die Zeitschrift Neue deutsche Literatur heraus. Weiskopf verfaßte Romane, Erzählungen, Reportagen, Anekdoten, Essays und Lyrik. Sein Roman Abschied vom Frieden (1950) wurde vom Fernsehen der DDR in den 1970er Jahren mit großem Erfolg verfilmt.

Werke u.a.: Es geht eine Trommel (1923), Die Flucht nach Frankreich (1926), Umsteigen ins 21. Jahrhundert (1927), Der Traum des Friseurs Cimbura (1930), Die Versuchung (1937), Vor einem neuen Tag (1944), Kinder ihrer Zeit (1951), Die Reise nach Kanton (1953), Verteidigung der deutschen Sprache (1955).

Inschrift: Er kämpfte lächelnd auch in trüben Tagen. sein Mut und seine Überzeugung leben fort in seiner Dichtung.

Grete Weiskopf née Margarete Bernheim

 

Deutscher Schriftstellerin; arbeitete ab 1925 als Stenotypistin, Buchhändlerin oder Bankangestellte in Berlin. 1928 heiratete sie den tschechischen Schriftsteller Franz Carl Weiskopf, ein Mitglied der KPD und des ”Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller” (BPRS). 1931 erschien unter dem Pseudonym Alex Wedding (gewählt als Bekenntnis zu Berlin) im Malik-Verlag ihr erstes Kinderbuch Ede und Unku, das 1980 bei der DEFA unter dem Titel Als Unku Edes Freundin war... verfilmt wurde. 1933 floh sie mit ihrem Mann über Prag und Paris nach New York und kehrte erst 1949 mit ihm nach Prag zurück. Als ihr Mann in den diplomatischen Dienst trat, zogen sie nach Washington, D.C. und 1949/50 nach Stockholm. Von 1950 bis 1952 lebten sie in China, wo sie als Übersetzerin und Korrespondentin arbeitete. Von 1953 bis zu ihrem Tode lebte sie in der DDR. Dort schrieb sie 1957 gemeinsam mit dem Filmregisseur Konrad Wolf das Drehbuch zu dessen Film Lissy.

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Ludwig Renn eigentl. Arnold Vieth von Golßenau

 

Deutscher Schriftsteller; der Sohn eines Naturwissenschaftlers und Prinzenerziehers wurde nach dem Abitur Fahnenjunker im 1. Leibgrenadierregiment. Nach einer Offizierslaufbahn und Studium nach dem Ende des Ersten Weltkrieges unternahm er ausgedehnte (Fuß-) Reisen durch Europa und Nahost, wandte sich dem Marxismus zu und trat in die KP ein und wurde Mitglied des Roten Frontkämpferbundes. In einem Hochverratsprozeß zu Gefängnis verurteilt, floh er nach seiner Entlassung in die Schweiz. 1936 war er Führer des Thälmann-Bataillons und Stabschef der 11. Internationalen Brigade im Spanischen Bürgerkrieg. Nach Internierung in Frankreich und Exil in Mexiko, war er dort Professor an der Universität Morelia und Präsident der Bewegung "Freies Deutschland", bevor er 1947 nach Deutschland zurückkehrte und Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts in Dresden sowie Professor für Anthropologie an der TH Dresden wurde. Zuletzt arbeitete er als freischaffender Schriftsteller und verfaßte militärhistorische und politische Abhandlungen, Reise- und Lebensberichte. Allerdings war er schon in den 1920er Jahren als Schriftsteller bedeutend, verfaßte u.a. Romane und Kinderbücher wie z.B. Trini und Der Neger Nobi.

Werke u.a.: Krieg (1928), Adel im Untergang (1944).

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Rudolf Baumbach

 

Deutscher Schriftsteller; der Sohn des Leibarztes des Herzogs von Sachsen-Meiningen studierte von 1860 bis 1864 in Leipzig, Würzburg und Heidelberg. Er arbeitete nach der Promotion als Lehrer in Brünn und Graz und später als Hauslehrer in Görz und Triest. Dort fungierte er als Herausgeber der Triestiner Alpenvereinsnachrichten, in denen er erste Dichtungen veröffentlichte. Ab 1881 lebte er als freier Schriftsteller und veröffentlichte seinerzeit sehr populäre und erfolgreiche Gedichte, Versepen und Romane. Nach seiner Rückkehr nach Meiningen nahm er eine Stelle als Bibliothekar an und wurde 1888 zum Hofrat ernannt.

Werke u.a.: Hoch auf dem gelben Wagen, Lieder eines fahrenden Gesellen (1878), Schwört bei dieser blanken Wehre (1879), Horand und Hilde (1878), Sommermärchen, Spielmannslieder (beides 1881), Abenteuer und Schwänke (1883), Truggold, Erzählung in Prosa (1883), Der Pate des Todes (1884).

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Bremen, St. Petri-Dom

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Berlin, Zentralfriedhof Friedrichsfelde

Fritz Reuter

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Deutscher Schriftsteller; wurde als aktiver Burschenschafter 1833 verhaftet, 1836 wegen angeblicher Majestätsbeleidigung und Hochverrats zum Tode verurteilt, dann zu 30 Jahren Festungshaft begnadigt; 1840 wurde er aus der Haft entlassen, über die er den Roman Ut mine Festungstid (1862) verfaßte. Er gehört zu den kritischen Realisten des 19. Jahrhunderts. In seinem Werk, das weit über den niederdeutschen Raum hinaus wirkte, sind volkstümliche Züge mit sozialkritischen Momenten verbunden. Seine Mundartdichtung zeigt volkstümliche humoristische Züge, doch überwiegt die Kritik am preußischen Militarismus, am Adel und der patriarchalischen Gutsherrschaft. Das sozial anklagende Versepos Kein Hüsung (1858) hat den Konflikt zwischen einem Tagelöhner und seinem Gutsherrn zum Inhalt. Ut mine Stromtid (3 Tle., 1862-64) ist ein vielschichtiges Zeitgemälde Mecklenburgs.

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Gustav Freytag

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Deutscher Schriftsteller und Kulturhistoriker; der Sohn eines Arztes besuchte das Ölser Gymnasium und studierte nach dem Abitur Philosophie in Breslau und Berlin. In den Jahren von 1839 bis 1847 war er Privatdozent an der Breslauer Universität. Während dieser Jahre entstanden erste Theaterstücke, u.a. Die Brautfahrt oder Kunz von den Rosen (1844). 1848 gründete er zusammen mit Julian Schmidt die Wochenschrift Die Grenzboten, die zu einem einflußreichen Organ für das nationalliberale Bürgertum wurde, und war deren Mitherausgeber bis 1861. Von 1867 bis 1870 war er Vertreter der nationalliberalen Partei im Norddeutschen Reichstag; enttäuscht von der Bismarckschen Politik trat er von seinem Mandat zurück. Im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 war er Berichterstatter im Hauptquartier des preußischen Kronprinzen, des späteren Friedrichs III.. Freytag war Anhänger der Idee eines kleindeutschen Einheitsstaates, d.h. eines Deutschlands ohne Österreich unter preußischer Führung. Seine bis in die 1930er Jahre populären und viel gelesenen Romane (v.a. Soll und Haben, 3 Bde., 1855) wollen bürgerliches Standesbewußtsein und bürgerliche Tugenden vermitteln.

Im Dezember 1876 siedelt Freytag sich in Wiesbaden an und arbeitete hier an seinem nachmals bekanntesten Buch Die Ahnen (Roman-Zyklus, 6 Bde., 1872-80) und an der Gesamtausgabe seiner Werke.

Werke u.a.: Die Journalisten (Lustspiel, 1853), Bilder aus der deutschen Vergangenheit (5 Bde., 1859-67), Technik des Dramas (1863), Erinnerungen aus meinem Leben (1887).

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Eisenach, Neuer Friedhof

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Gotha-Siebleben, Kirchhof 

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Meiningen (Thüringen), Friedhof

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Erich Bernhard Gustav Weinert

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Deutscher Satiriker und Lyriker; der bereits früh durch seinen sozialdemokratisch orientierten Vater politisch geprägte Weinert machte nach dem Abschluß der Schulausbildung eine Lehre zum Lokomobilbauer (i.e. Dampfmaschinenanlagen). Anschließend besuchte er von 1908 bis 1910 die Kunstgewerbe- und Handwerkerschule in Magdeburg und schloß 1912 das Studium an der Königlichen Kunstschule Berlin mit einem Staatsexamen als akademischer Zeichenlehrer ab. Nach dem Ersten Weltkrieg, an dem er als Offizier teilnahm, gründete er zusammen mit Freunden eine Künstlergemeinschaft, der diese den Namen Die Kugel gaben; hier entstanden erste Gedichte. In Leipzig arbeitete er als Schauspieler und trat im Kabarett Retorte auf, bevor er 1923 nach Berlin übersiedelte. Er war Mitbegründern des ”Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller” und ab 1929 Mitglied der KPD. Nach 1933 lebte er zunächst im Saarland, das nach dem Ende des Ersten Weltkrieges von Frankreich annektiert worden war, reiste nach dem Saar-Plebiszit (1935) und kurzzeitigem Aufenthalt in Paris in die Sowjetunion. Während des Spanischen Bürgerkrieges war er als Mitglied der Internationalen Brigaden von 1937 bis 1939 Frontberichterstatter. Nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion im Sommer 1941 arbeitete er auf deren Seite als Propagandist. Im Juli 1943 wurde er bei der Gründungskonferenz in Krasnogorsk zum Präsidenten des Nationalkomitees Freies Deutschland gewählt und wurde nach seiner Rückkehr nach Deutschland (1946) Vizepräsident der Zentralverwaltung für Volksbildung in der sowjetischen Besatzungszone (SBZ). Weinerts auf die ”Arbeiterklasse” zielende proletarisch-revolutionären Werke sind durch sein politisches Engagement stark agitatorisch gepägt.

Werke u.a.: Der verbogene Zeitspiegel, Der Gottesgnadenhecht und andere Abfälle, Der heimliche Aufmarsch.

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Berlin, Zentralfriedhof Friedrichsfelde (Gedenkstätte der Sozialisten)

Berlin, Zentralfriedhof Friedrichsfelde (Gedenkstätte der Sozialisten)

Schriftsteller LXXII

Omnibus salutem!