Bilder: Matthias Bauer (05/2008)

Christoph Probst

 

Deutscher Widerstandskämpfer; der einem liberalen Elternhaus enstammende Probst war Medizinstudent an der Ludwig-Maximilians-Universität und wurde Mitglied der im Juni 1942 von Hans Scholl gegründeten Weißen Rose, der u.a. auch Scholls Schwester Sophie und Willi Graf angehörten. Überzeugt, daß das Naziregime beseitigt werden müsse, druckten und verteilten sie in München unter Gefahr für das eigene Leben insgesamt sechs verschiedene Flugblätter. Als die Geschwister Scholl am 18.2.1943 beim Verteilen des letzte Flugblatts entdeckt und verhaftet wurden, wurde auch Probst festgenommen. Auch er wurde vom unter der Leitung von Roland Freisler stehenden Volksgerichtshof zum Tode durch das Fallbeil verurteilt und im Gefängnis Stadelheim hingerichtet.

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München, Friedhof am Perlacher Forst

Bild: Gertraude Clemenz-Kirsch

Brassaï eigentl. Gyula Halász

 

Französischer Photograph ungarischer Herkunft; studierte, bevor er 1924 nach Paris kam, in Ungarn und Deutschland. Überredet von seinem Freund, dem Fotografen André Kertész (*1894, †1985), begann er das Pariser (Nacht-) Leben mit seiner Fotokamera festzuhalten. Seinem ersten, 1933 publizierten Fotoband gab er den Titel Paris de nuit (Paris bei Nacht). Bald schon wurden seine Bilder weltweit in Austellungen gezeigt, z.B. im George Eastman House in Rochester, im New York City's Museum of Modern Art und im Art Institute in Chicago. 1956 wurde sein Film Tant qu'il y aura des bêtes beim Filmfestival in Cannes ausgezeichnet. Viele der Personen, mit denen er bekannt oder befreundet war, fotographierte er, so z.B. Jean Genet, Salvador Dalí, Alberto Giacometti, Henri Matisse, Henri Michaux (*1899, †1984) oder Pablo Picasso.

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Paris, Cimetière du Montparnasse

Bild: Gertraude Clemenz-Kirsch

Dora Maar eigentl. Henriette Theodora Markovitch

 

Französische Photographin und Malerin kroatischer Abstammung; Tochter eines Archtekten aus Zagreb; wuchs in Paris, später in Buenos Aires auf, wo ihr Vater für die österreichisch-ungarische Botschaft arbeitete. 1926 kehrte sie nach Frankreich zurück, studierte in Paris Fotografie und Malerei an der Schule der Union centrale des arts décoratifs, an der Ecole de Photographie und der Académie Julian und ging später bei André Lhote in die Lehre. In den 1930er Jahren hatte sie Umgang mit den Pariser Surrealisten um André Breton, Man Ray und Brassaï. 1936 lernte sie in dem im Quartier Saint-Germain-des-Prés gelegenen, beliebten Café “Les Deux Magot” Pablo Picasso durch Paul Éluard kennen. Sie war seine Geliebte, Muse und sein Modell, bis er 1943 Françoise Gilot kennenlernte und die Beziehung zerbrach, worunter Maar sehr litt, starke Depressionen bekam und schließlich im Mai 1945 in einer psychiatrischen Klinik behandelt werden mußte. Trost suchte sie in der Religion und in der Malerei, mit der sie schon in der Zeit mit Picasso begonnen hatte. Sie malte Stilleben und später auch abstakte Landschaften. Nach einem Sturz war sie ans Bett gefesselt und konnte sich von den Folgen des Sturzes auch nicht mehr erholen; drei Jahre später starb sie.

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Clamart, Cimetière du Bois Tardieu

Bild: Tony (05/2008)

Princeton (New Jersey), Cemetery

George Horace Gallup

Bild: The Gallup Organization  no_copyright

 

US-amerikanischer Meinungsforscher; gründete 1935 gemeinsam mit C. E. Robinson (*1900, †1961) in Princeton (New Jersey) das Umfrageunternehmen American Institute of Public Opinion (AIPO; auch Gallup-Institut genannt) und bereits ein Jahr später das British Institute of Public Opinion, eine Tochtergesellschaft des AIPO. Er bewies die hohe Aussage- und Prognosequalität kleiner Stichproben bei der Meinungsforschung und leistete damit Pionierarbeit. Nach Lehraufträgen in Iowa und Illinois war Gallup von 1935 bis 1937 Professor an der Pulitzer School of Journalism der New Yorker Columbia University. 1939 weitete er sein Interesse mit Gründung des Audience Research Institute (ARI) auf den Bereich der Publikumsforschung (vor allem von Radiohörern) aus. Berühmt wurde seine Methode des Gallup poll, die anhand von gesellschaftlich repräsentativen Stichproben Rückschlüsse etwa auf das Wählerverhalten zulässt. In Deutschland gehört das EMNID-Institut für Meinungsforschung zu den 49 weltweit tätigen, autonomen Meinungsforschungsinstituten, die zur 1947 gegründeten Gallup International Association gehören.

Inschrift: Be Bolde, Be Wyse [Sei mutig, sei klug]

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Caius Maecenas

 

Römischer Ritter (eques); der Sproß einer wohlhabenden etruskischer Familie schloß sich schon früh dem Erben des ermordeten Iulius Caesar, Oktavian, dem späteren Kaiser Augustus, an und wurde dessen Vertrauter: Wenn es Augustus im Sommer in seinem eher bescheidenen Haus zu warm wurde und er dort nicht schlafen konnte - so berichtet Sueton -, hielt sich er häufig als Gast in der komfortablen Villa seines Freundes auf. Und Maecenas war ihm ein loyaler Berater in politischen Angelegenheiten. Bereits während der Schlacht bei Philippi im Jahre 42 v. Chr. befand er sich in dessen Gefolge. Später führte er diplomatische Verhandlungen für den Kaiser und nahm Staatsgeschäfte wahr. Nach seinem Rückzug aus dem öffentlichen Leben widmete sich Maecenas seinem Zirkel von berühmten Dichtern, zu dem Caius Horatius (Horaz) gehörte. Letzterer setzte seinem Förderer u.a. in seinen carmina (1,1) ein literarisches Denkmal: Maecenas, atavis edite regibus, o et praesidium et dulce decus meum... [O Maecenas, von Königen als Vorfahren abstammend, Du mein schützender Hort, liebender Genius...]. Auch Sextius Propertius (Properz) förderte er und Publius Vergilius Maro, dem er zu einer Entschädigung für dessen väterliches Erbe, das zugunsten der Versorgung der Veteranen enteignet worden war, verhalf. In seinemTestament vermachte Maecenas Kaiser Augustus sein ansehnliches Vermögen, das auch die Gärten auf dem Esquilin beinhaltete; Kaiser Nero hat sie später in die von ihm erbaute Domus Aurea (Goldenes Haus) einbezogen. Sein Name als Förderer der Künste und Wissenschaften wurde zum Gattungsbegriff des Mäzenatentums.

    

Villa Maecenas auf dem Esquilin in Rom (pinxit Jakob Philipp Hackert, 1783)

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Rom, Esquilin

Hinweis: Die Grabstätte Maecenas’ ist nicht mehr vorhanden.

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Fritz Eberhard eigentl. Helmut von Rauschenplat

 

 

Deutscher Journalist, Politiker und Widerstandskämpfer; studierte ab 1914 Staatswissenschaften zunächst in Frankfurt am Main, dann - durch die Einberufung zum Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg bis 1918 unterbrochen - an den Universitäten von Heidelberg und Tübingen. 1920 beendete er sein Studium mit der Promotion. 1921 wurde er Mitglied des Internationalen Jugendbunds (IJB), aus dem 1926 der Internationale Sozialistische Kampfbund (ISK) hervorging. 1922 trat er auch der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) bei sowie den Jungsozialisten und lehrte an der ISK-Schule Walkemühle in Melsungen Ökonomie. In der Redaktion der Tageszeitung des ISK, Der Funke, war er von 1932 bis 1933 für wirtschaftspolitische Fragen zuständig. Nach der “Machtergreifung” durch die Nationalsozialisten mußte er untertauchen und nahm jetzt den Namen Fritz Eberhard an. Im Untergrund war er an der Gründung der Unabhängigen Sozialistischen Gewerkschaft (USG) beteiligt, schrieb bis zu deren Verbot 1937 unter Pseudonym Artikel für die Stuttgarter Sonntagszeitung, arbeitete mit den in der ITF organisierten Eisenbahner-Widerstandsgruppen um Hans Jahn zusammen und hielt den Kontakt zur Exilleitung des ISK in London. Nachdem die Gestapo die Untergrundstrukturen der ISK zerschlagen hatten, mußte Eberhard 1937 ins Exil gehen. In London arbeitete er eng mit Eberhard mit Waldemar von Knoeringen und Richard Löwenthal zusammen. Noch vor der Kapitulation Hitler-Deutschlands kehrte er im April 1945 in die Heimat zurück: Er tat der SPD, aus der er 1924 ausgetreten war, wieder bei und wurde 1676 für die Partei in den Landtag von Württemberg-Baden gewählt; zugleich nahm er am Wiederaufbau eines demokratischen Rundfunkwesens teil. 1948/49 gehörte er dem Parlamentarischen Rat an, in dem er v.a. bei der Verankerung des Rechts auf Kriegsdienstverweigerung im zu schaffenden neuen Grundgesetz eine führende Rolle spielte. Von 1949 bis 1958 leitete Fritz Eberhard als Intendant den Süddeutschen Rundfunk und war von 1961 bis 1968 Direktor und Honorarprofessor am Institut für Publizistik der FU Berlin. 1979 wurde Eberhard gemeinsam mit Axel Eggebrecht mit der Carl-von-Ossietzky-Medaille ausgezeichnet.

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Bild: Holger Hübner (08/2008)

Berlin-Zehlendorf, Städtischer Waldfriedhof, Potsdamer Chaussee

Walter Sigismund Emil Adolf von Pannwitz

 

 

Deutscher Jurist, Autor, Kunstsammler und Mäzen; einem alten, bereits 1276 erstmals urkundlich erwähnten oberlausitz-schlesischen Adelsgeschlecht entstammend; studierte Rechtswissenschaften und machte sich als Rechtsanwalt in München besonders in großen Strafprozessen einen Namen. Sein Interesse galt aber auch der Kunst; so verfaßte er Schauspiele und war mit Ludwig Thoma befreundet. von Pannwitz war Oberbürgermeister im oberfränkischen Kulmbach, wo er sich ab 1888 durch eine durchgreifende Verwaltungsreform Verdienste erwarb, als Kulmbach 1890 zu einer kreisunmittelbaren Stadt erklärt wurde. 1910 zog von Pannwitz, der seit 1908 in zweiter Ehe mit Catalina Roth, die seinerzeit als eine der schönsten Frauen in Berlin galt, verheiratet war, nach Berlin. Seine Frau war Erbin umfangreicher Ländereien in Argentinien. Durch die Heirat der beiden, die auch gemeinsame Interessen verbanden, wurde die Kunstsammlungen der beiden zusammengeführt. Ab 1911 ließ von Pannwitz in der Brahmstraße in Berlin ein luxuriöses Palais erbauen, das 1914 fertiggestellt wurde. Dort war Kaiser Wilhelm II. häufig sein Gast, dessen privater Anwalt er war1. Als der Kaiser nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg in das holländische Doorn ins Exil gehen mußte, folgte ihm die Familie von Pannwitz dorthin und ließ sich dort ein zweites Palais errichten. Als Walter von Pannwitz 1920 starb, geriet sein Eigentum in Berlin weitgehend in Vergessenheit. Das Palais wurde in der Weimarer Republik Heim der kroatischen Botschaft und nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges Botschafts-Club für britische Offiziere.

Auszeichnungen u.a.: Ehrenritter des Johanniterordens.

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1 Dort gab es eine steinerne Wedeltreppe, über die der Kaiser unbemerkt in die Privaträume der Familie von Pannwitz gelangen konnte.

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Stahnsdorf, Südwest-Friedhof

Bilder: Jürgen Hempel (01/2014)
Sonstige LXX

Omnibus salutem!